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»Laboration«

Steffen Kuhnert gründet neues Digital-Bündnis für Apotheker

Apotheker Steffen Kuhnert aus Köln hat sich in den vergangenen Jahren über seine Plattform »Die Digitale Apotheke« einen Namen gemacht. Über dieses Forum hat Kuhnert nun einige Apotheker um sich geschart, um das neue Apotheken-Bündnis »Laboration« zu gründen. Ziel des Zusammenschlusses soll es sein, schon bald ein innovatives, digitales Versorgungsmodell auf die Beine zu stellen, erklärt er im Interview mit der PZ.
Benjamin Rohrer
01.09.2020  12:00 Uhr

Immer mehr Bündnisse, Zusammenschlüsse und Kooperationen im Apothekenmarkt kümmern sich um die zunehmende Digitalisierung der Arzneimittelversorgung. Denn klar ist: Nicht nur wegen des E-Rezepts werden immer mehr Anwendungen in der Apotheke künftig digital ablaufen. Auch die Kommunikation mit den Patienten wird digitaler – das zeigt sich an dem derzeit rasant wachsenden Markt der Vorbestell-Plattformen und -Apps.

Ein neues Angebot im Markt will nun der Apotheker Steffen Kuhnert aus Köln machen. Kuhnert hat in den vergangenen Jahren eine Art Think-Tank für Digital-Themen im Apothekenmarkt gegründet. Insbesondere via Facebook haben sich in dem Forum »Die Digitale Apotheke« Hunderte Apotheker und andere Marktbeteiligte über die Zukunft des Marktes ausgetauscht.

Nach Informationen der PZ hat Kuhnert nun etwa 50 Apothekeninhaber vereint, um ein neues Bündnis zu gründen, aus dem dann auch konkrete Versorgungsprojekte entspringen sollen. Im Gespräch mit der PZ erklärte Kuhnert, was er mit »Laboration« vorhat und was in den kommenden Monaten passieren soll.

PZ: Herr Kuhnert, welche Grundidee steckt hinter der Gründung der »Laboration«?

Kuhnert: Im Apothekenmarkt gibt es inzwischen zwar mehrere Initiativen, die die Digitalisierung in der Versorgung vorantreiben wollen. In den Zeiten von digitalen Geschäftsmodellen braucht es meiner Meinung nach allerdings auch eine starke Antwort aus der Apothekerschaft. Das ist der Grundgedanke hinter »Laboration«: Wir werden schon bald ein innovatives Versorgungsmodell mit großen digitalen Anteilen vorstellen, das erstens die Versorgung verbessert und zweitens den Stellenwert der Apothekerschaft in der Gesellschaft erhöht – ohne dabei Konzerninteressen zu verfolgen.

Kuhnert: Wir müssen die Apotheke neu denken

PZ: Vorbestell-Plattformen und E-Rezept-Apps sind ja schon einige in Entwicklung. Wie soll sich Ihr Angebot davon abheben?

Kuhnert: Die Apotheken vor Ort sind so viel mehr als ihre Produkte und lassen sich nicht auf die Produktsuche reduzieren. Eine Verkaufsplattform kann daher nicht die sinnvollste und einzige Lösung sein, um unseren Beruf in die Zukunft zu führen. Die Laboration setzt sich zum Ziel, Apotheke konsequent neu zu denken.

PZ: Welche Gesellschaftsform haben sie für die Gründung ausgewählt?

 Kuhnert: Eine offizielle Gründung der Laboration gibt es heute noch nicht. Wir sammeln derzeit noch Mitstreiter ein – bis Ende des Jahres ist mein Ziel, zwischen 100 und 150 Apothekeninhaber in der Laboration zu vereinen, um dann im kommenden Jahr das oben genannte, erste Versorgungsprojekt voranzutreiben und weitere Apotheker/innen von der Idee zu überzeugen. Alle beteiligten Apotheker werden zukünftig – etwa über eine Art Dividende – an den Gewinnen des entstehenden Unternehmens beteiligt. Die Laboration ist vergleichbar mit einem Startup, das allerdings aus der eigenen Branche herauswächst und kein Fremdkapital nutzt. Dabei wird das Risiko auf viele Schultern verteilt und somit auf ein absolutes Minimum reduziert. Die Laboration will den Apothekenmarkt nicht disruptieren sondern eine drohende Disruption von außen abwenden. Die Apothekerschaft könnte etwas Einmaliges schaffen.

Ist eine Zusammenarbeit mit den Verbänden geplant?

PZ: Was passiert denn mit ihrem Forum »Die Digitale Apotheke«? Ist es damit hinfällig geworden?

Kuhnert: Die Laboration soll DDA in keinem Fall ersetzen. Vielmehr ist DDA ein Think-Tank für den gesamten Markt, in dem digitale Konzepte diskutiert werden. Während DDA aber für alle Marktteilnehmer offen ist, richtet sich die Laboration in dieser Phase erst einmal nur an die Apothekeninhaber, weil diese über die Investitionen in ihren Apotheken entscheiden. Natürlich soll DDA weiterhin als Ideen- und Impulsgeber erhalten bleiben.

PZ: Man könnte Ihnen vorwerfen, dass in einem solchen Geschäftsmodell nicht alle Apotheken von Ihren Versorgungsideen profitieren und teilnehmen können. Ist eine Zusammenarbeit mit den etablierten Apothekerverbänden geplant?

Kuhnert: Eine Zusammenarbeit mit den etablierten Apothekerverbänden ist in diesem frühen Stadium noch nicht angebracht. Erst einmal müssen wir unsere Ideen konsequent entwickeln, das erste Projekt ins Rollen bringen. An den Verbänden wird allerdings kein Weg vorbei gehen, wenn es darum geht, unsere Projekte für alle Apotheken zugänglich zu machen. Mir ist wichtig zu betonen, dass die Laboration allen Apothekeninhabern zu jeder Zeit offensteht. Wir sind keine weitere Kooperation oder gar ein neuer Verband und wir verstehen uns hier auch nicht als Wettbewerber. Ganz im Gegenteil, wir wollen möglichst aus der Stärke aller Apotheker die Zukunft mitgestalten. Allerdings haben wir auch keine Zeit mehr zu verlieren.

PZ: Insbesondere der Zur Rose-Konzern ist derzeit händeringend auf der Suche nach Apothekern, um sein Plattform-Modell im Markt unterzubringen. Wären Sie für eine Kooperation zu haben?

Kuhnert: Ziel der Laboration ist es, Konzepte auf die Beine zu stellen, die ausschließlich der Apotheke vor Ort helfen. Die Apothekerschaft ist stark genug, um den Wandel aus eigener Kraft zu gestalten und den Kunden neuartige Versorgungsangebote anzubieten – wir brauchen dafür keine internationalen Konzerne. Eine Zusammenarbeit mit internationalen Großkonzernen wie Zur Rose oder Amazon kann ich daher ausschließen. Ganz im Gegenteil: Mit unseren Ideen wollen wir es denen erschweren, ihren Marktanteil weiter auszubauen.

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