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Studien gegen SARS-CoV-2

»Start mit etwas Glück in wenigen Monaten«

Im Institut der Frankfurter Virologin Professor Dr. Sandra Ciesek wird mit Hochdruck nach Wirkstoffen gegen das neue Coronavirus gesucht. Im Mittelpunkt stehen dabei Moleküle, die bereits für andere Indikationen zugelassen sind, und demzufolge schnell in klinischen Studien einsetzbar wären.
Theo Dingermann
21.03.2020  13:36 Uhr

Das virologische Institut der Goethe-Universität Frankfurt besitzt eine große Expertise im Testen potenziell antiviraler Substanzen. Aus der ganzen Welt erhalten die Frankfurter Wissenschaftler Proben, um diese in den diversen viralen Systemen des Institus testen zu lassen. Besonders gefragt ist diese Expertise jetzt während der aktuellen Pandemie.  Dabei erweist sich ein Ansatz als besonders interessant. Dieser wird als »Repurposing« bezeichnet.

Dabei trifft es sich gut, dass die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie des Universitätsklinikums der Frankfurter Goethe-Universität als eine der führenden Forscherinnen für SARS-CoV-2 in Deutschland gilt. Die größten Hoffnungen ruhen Ciesek zufolge darauf, dass ein Medikament anschlägt, das bereits auf dem Markt ist - wenn auch für eine andere Krankheit. »Wenn es schon zugelassene Medikamente sind, kann man direkt einen Heilversuch bei Patienten machen. Ich denke schon, dass das innerhalb von zwei, drei Monaten zu machen wäre«, sagte Ciesek der Deutschen Presse-Agentur.

Sollte das nicht klappen, liegt Hoffnung auf Substanzen, die sich immerhin bereits in klinischen Studien befinden - auch wenn diese für ganz andere Krankheiten getestet werden. Das würde bedeuten, dass diese Substanzen bereits eine umfassende toxikologische Bewertung nachweisen können und somit viel schneller als völlig neue Substanzen für klinische Studien am Menschen einsetzbar wären. »Man kann schon nach wenigen Wochen sehen, ob die Substanzen in der Zellkultur wirklich antiviral wirken. Der nächste Schritt sind dann Tests in primären Lungenzellen oder Tiermodelle.«

Der experimentelle Aufwand in dieser frühen Wirkstofffindungsphase ist immens. Daher arbeiten Cieseks Mitarbeiter auch zusammen mit dem Frankfurter Fraunhofer Institut, um möglichst viele Moleküle aus sogenannten »Compound Libraries« in möglichst kurzer Zeit getestet zu bekommen. Um diese Arbeit zu unterstützen, bekam Ciesek vor wenigen Tagen 250.000 Euro aus dem Johanna-Quandt-Jubiläumsfonds (JQJF)  bewilligt – binnen 24 Stunden, wie die Goethe-Universität berichtet.

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