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Vom Apothekenalltag in die Uniform

Stabsapotheker in Reserve

Von der PTA zur Frau Stabsapotheker – nach vielen Jahren in der öffentlichen Apotheke hat Alexa Schnölzer einen zweiten Karriereweg eingeschlagen.
Carolin Lang
22.01.2020  10:00 Uhr

Nach 16 Jahren Arbeit in den familiären Apothekenbetrieben entschied Schnölzer, sich freiwillig in der Reserve der Bundeswehr zu engagieren. Sie begann mit der Ausbildung zum Reserveoffizier an der Sanitätsakademie in München.

Im Dienstgrad Stabsapotheker trat sie anschließend eine zehnmonatige Reservistendienstleistung im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin an. Am 27. Januar um 18:15 strahlt der SWR eine Reportage über ihren Werdegang aus. Auch im Gespräch mit der PZ berichtet sie von ihren Erfahrungen.

PZ: Was waren Ihre Beweggründe für eine Ausbildung zum Reserveoffizier?

Schnölzer: Da ich schon mehr als 16 Jahre in der öffentlichen Apotheke gearbeitet habe, wurde mir der Alltag mit der Zeit zu eintönig. Natürlich gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten, aber ich habe etwas ganz Neues gesucht. Durch meinen Vater, der früher selbst Stabsapotheker war, und durch Werbung der Bundeswehr bin ich auf die Möglichkeiten in der Reserve im Sanitätsdienst aufmerksam geworden.

PZ: Wie lange dauerte Ihre Ausbildung und was haben Sie dabei gelernt?

Schnölzer: Die militärische Ausbildung hat drei Wochen gedauert – das ist in der Tat nicht lang. Es ist eine sehr straffe Grundausbildung, speziell für studierte Fachkräfte im medizinischen Bereich, bei der man im Prinzip die wichtigsten Grundkenntnisse zum Thema Bundeswehr, Innere Führung, Recht und zur Struktur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr lernt.

PZ: Wie haben Sie die Ausbildungszeit empfunden?

Schnölzer: Es war komplettes Neuland für mich. Wenn man vorher noch gar nichts mit der Bundeswehr zu tun hatte, ist man im ersten Moment etwas überwältigt. Von der Uniform bis zum korrekten Gruß - alles folgt strengen Vorschriften und unterscheidet sich deutlich vom zivilen Leben. Durch mein Pharmaziestudium wurde ich direkt in den Dienstgrad Stabsapotheker, äquivalent zum Hauptmann, eingestuft. Für einen Ungedienten ein sehr hoher Dienstgrad.

PZ: Was bedeutet es, jetzt Reservistin zu sein?

Schnölzer: Wie der Name schon sagt, engagiere ich mich in der Reserve der Bundeswehr. Das bedeutet, ich werde bei personellem Bedarf nicht einfach eingezogen, sondern werde gefragt, ob ich zur Verfügung stehe und mein Arbeitgeber mich freistellt. Prinzipiell kann ich mich jederzeit freiwillig auch zu einer Reservistendienstleistung für einen bestimmten Zeitraum melden. Das Interessante an der Bundeswehr ist, dass man so die Möglichkeit hat, immer wieder etwas Neues kennenzulernen und in verschiedenen Städten Deutschlands seinen Dienst zu leisten. Das ist eine tolle Ergänzung zum Apothekenalltag, zudem zahlreiche Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten werden.

PZ: Was waren im Bundeswehrkrankenhaus Berlin Ihre Aufgaben als Frau Stabsapotheker?

Schnölzer: Die Apotheke des Bundeswehrkrankenhauses ist in verschiedene Teileinheiten aufgeteilt. Dazu gehören beispielsweise Rezeptur und Defektur, Qualitätsmanagement und pharmazeutische Dienstleistungen. Ich war im Bereich der Nachschubgruppe tätig. Dort war ich verantwortlich für die Ausgabe von Arzneimitteln, die Belieferung von Stationen und die Kontrolle der auszuliefernden Arzneimittel. Ich habe viele administrative Aufgaben erledigt, jedoch auch die Soldaten in der Arzneimittelausgabe bedient und beraten.

PZ: Wie haben Sie Ihre Reservedienstleistung erlebt?

Schnölzer: Ich hatte eigentlich keine besonderen Erwartungen, da ich gar nicht wusste, was mich überhaupt erwartet. Sich an die militärischen Umgangsformen der Bundeswehr anzupassen, war die größte Umstellung. Zu Beginn war es sehr ungewohnt für mich, dass ich im Dienst plötzlich nicht mehr Frau Schnölzer war, sondern Frau Stabsapotheker. Und ich muss sagen, ich war sehr stolz, die Uniform mit meinem Dienstgrad tragen zu dürfen. Insgesamt war es ein großes Kontrastprogramm zur öffentlichen Apotheke und ich stand vor vielen neuen Herausforderungen. Eine dieser Herausforderungen war zum Beispiel, einen Fachvortrag über die Logistik und Belieferung der Arzneimittel in den weltweiten Auslandsdienststellen im Streitkräfteamt in Bonn zu halten.

PZ: Seit Dezember arbeiten Sie wieder in der öffentlichen Apotheke. Was haben Sie für den Apothekenalltag mitnehmen können?

Schnölzer: Was in der Krankenhausapotheke hervorragend geregelt war, ist das Qualitätsmanagement. In diesem Bereich habe ich viel dazugelernt und festgestellt: Es gibt einiges, das ich in unserer Apotheke anpassen und optimieren könnte.

PZ: Wie sind Ihre Zukunftspläne?

Schnölzer: Im Februar und gegen Ende des Jahres werde ich erneut eine Reservistendienstleistung im Bundeswehrkrankenhaus antreten. Zwischenzeitlich werde ich weiterhin im Familienbetrieb arbeiten.

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