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Neue Daten

Sputnik V schützt zu 91,6 Prozent

Nach Kritik an fehlenden belastbaren Studien haben russische Forscher im Fachjournal »The Lancet« weitere Details zu dem Corona-Impfstoff Sputnik V veröffentlicht. Demnach hat die Vakzine eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent.
Christina Hohmann-Jeddi
dpa
02.02.2021  16:30 Uhr

Der russische Vektorimpfstoff Sputnik V hat einen Impfschutz von 91,6 Prozent. Das zeigt eine Zwischenanalyse der klinischen Phase-III-Studie mit rund 20.000 Freiwilligen. Die Ergebnisse decken sich mit früheren Angaben: Ende November war schon von einer Wirksamkeit von 92 Prozent ausgegangen worden.

In die jetzt vorgestellte Interimsanalyse gingen die Daten von 19.900 Probanden ein, von denen fast 15.000 den Impfstoff und etwa 4900 ein Placebo erhalten hatten. In die Bewertung gingen Covid-19-Erkrankungen ein, die 21 Tage nach der ersten Impfstoffdosis auftraten. Das ist der Tag der zweiten Dosis. 16 Probanden (0,1 Prozent) der Vakzinegruppe und 62 Probanden (1,3 Prozent) der Kontrollgruppe erkrankten an Covid-19, was einer Effizienz von 91,6 Prozent entspricht.

Dies bedeutet, dass in der geimpften Gruppe 91,6 Prozent weniger Erkrankungen pro 100 Probanden auftraten als in der Kontrollgruppe. Damit hätte Sputnik V nahezu die gleiche Wirksamkeit wie die mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer und eine höhere als der Vektorimpfstoff von Astra-Zeneca, der 59,5 Prozent der Erkrankungen verhindert.

Wie bei dem neu zugelassenen Produkt von Astra-Zeneca handelt es sich bei der russischen Vakzine ebenfalls um einen Vektorimpfstoff mit rekombinanten Adenoviren, die das Gen für das Spike-Protein von SARS-CoV-2 in die Zellen der Geimpften schleusen. Während Astra-Zeneca zwei Dosen eines Schimpansen-Adenovirus einsetzet, besteht Sputnik V aber aus zwei aufeinanderfolgenden Gaben von unterschiedlichen Vektoren: Auf ein humanes Adenovirus Typ 26 folgt ein humanes Adenovirus Typ 5.

Der Publikation im Fachjournal »The Lancet« zufolge ist das heterologe Prime-Boost-System nicht nur wirksam, sondern auch sicher. Es habe bei Sputnik V nur in wenigen Fällen schwerwiegende Nebenwirkungen gegeben, die aber nicht auf die Vakzine zurückgeführt würden, berichten die Forscher um Denis Logunov vom Gamaleya-Forschungszentrum für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau. Die meisten Freiwilligen hätten von milden Nebenwirkungen wie grippeähnlichen Symptomen, Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen und Kraftlosigkeit berichtet. Während der Studie habe es zudem vier Todesfälle gegeben, die den Wissenschaftlern zufolge nicht im Zusammenhang mit der Impfung gestanden hätten. Ein Freiwilliger habe einen Schlaganfall erlitten.

Den russischen Forschern zufolge wurde Sputnik V auch an mehr als 2000 Menschen über 60 Jahren getestet. In dieser Gruppe sei das Vakzin »ähnlich wirksam und gut verträglich gewesen«, heißt es in der Arbeit. Die Studie sei aber noch nicht abgeschlossen. Für Angaben zur Wirksamkeit nach Alter lägen noch nicht ausreichend Daten vor, auch die Dauer der Immunität könne noch nicht beziffert werden. Insgesamt sollte der Corona-Impfstoff an 40.000 Freiwilligen getestet werden. Die Freigabe in Russland erfolgte vor gut einem halben Jahr.

Statt Kritik Lob für »eindeutige« Ergebnisse

Damals gab es international Kritik, weil die Erlaubnis für eine breite Anwendung in der Bevölkerung vorlag, obwohl bis dahin wichtige Tests noch nicht begonnen hatten. Erste Details zu dem Wirkstoff hatten die Forscher Anfang September in »The Lancet« veröffentlicht. Mehrere internationale Wissenschaftler hatten die Studie damals kritisiert. Die Forscherin Professor Dr. Polly Roy von der London School of Hygiene & Tropical Medicine sagte, es habe Kritik an Sputnik V wegen dessen schneller Entwicklung und mangelnder Transparenz gegeben. Das nun vorliegende Ergebnis sei hingegen eindeutig. Das wissenschaftliche Prinzip der Impfung sei aufgezeigt worden, sagte sie gegenüber »The Lancet«.

Logunov vom Gamaleya-Institut, das den Wirkstoff entwickelt hat, sagte: »Um die Covid-19-Pandemie zu stoppen, muss es verschiedene Impfstoffe geben, die auf unterschiedlichen Wirkmechanismen basieren.« Sputnik V trage zur Diversifizierung der Impfstoffe bei. Russland strebt eine Registrierung in der EU an, die Entwickler stehen diesbezüglich bereits mit der Europäischen Arzneimittelagentur in Kontakt. In mehr als 15 Ländern wie Brasilien, Indien, Mexiko und Venezuela wird der Impfstoff mittlerweile eingesetzt.

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