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Lungenerkrankungen in China

Sprunghafter Anstieg der Coronavirus-Infektionen

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit einem neuartigen Coronavirus in China steigt von 60 auf 200. Britische Epidemiologen vermuten, dass das Ausmaß der Epidemie noch viel größer sein könnte.
PZ/dpa
20.01.2020
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Nach dem Ausbruch einer Lungenkrankheit in China ist die Zahl der bestätigten Fälle sprunghaft von etwa 60 auf rund 200 gestiegen. Ein weiterer Patient starb. Damit gibt es jetzt drei Todesfälle, wie die Gesundheitsbehörde der zentralchinesischen Stadt Wuhan am Montag berichtete. Erstmals wurden auch Infektionen mit der neuartigen SARS-Variante an anderen Orten in China entdeckt. Im Bezirk Daxing in Peking wurden zwei Patienten positiv auf das neue Coronavirus getestet, in Shenzhen in Südchina einer. Alle drei waren vorher in Wuhan gewesen. Auch die Gesundheitsbehörden in Südkorea haben heute erstmals einen bestätigten Fall der neuen Infektion gemeldet. Betroffen sei eine 35-jährige Chinesin, teilten die Koreanischen Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention mit. Die Frau kam demnach am Sonntag aus Wuhan in Südkorea an.

Der Großteil der Infektionen konzentrierte sich mit 198 Fällen weiter auf die 11-Millionen-Metropole. Von den Patienten dort sind 35 schwer erkrankt, neun in einem kritischen Zustand, wie die Gesundheitsbehörde berichtete. Bis Sonntag waren erst rund 60 Fälle offiziell bestätigte worden. Doch gehen Forscher am britischen Zentrum für die Analyse globaler Infektionskrankheiten am Imperial College London davon aus, dass die Ausbreitung der Krankheit sehr viel größer ist als bisher bekannt. Nach ihrer Wahrscheinlichkeitsrechnung schätzen die Experten die Zahl der Patienten auf mehr als 1.700. Auch warnen die Experten vor einer möglichen Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch.

Chinas Gesundheitskommission mahnte in Peking zur Vorsicht, weil der Ursprung des neuen Typs von Coronavirus noch nicht gefunden sei. Auch sei nicht sicher, wie sich Menschen ansteckten: «Die Übertragung wird noch nicht völlig verstanden.» Experten befürchten, dass der vermutlich von einem Tier übergesprungene

Erreger anders als anfangs angenommen auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Trotzdem wird der Ausbruch bislang als «kontrollierbar» eingestuft. Die anfänglichen Infektionen wurden mit einem inzwischen geschlossenen Fischmarkt in Wuhan in Verbindung gebracht, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden.

Vor gut einer Woche hatten Experten die Gensequenz des neuen Virus entschlüsselt, was die Tests bei Patienten mit Lungenentzündungen unbekannter Ursache erleichtert. Auch im Ausland gibt es bereits Fälle. In Thailand sind zwei Infektionen und in Japan ein Fall bei Reisenden aus Wuhan bestätigt worden. Die drei Patienten hatten aber nicht den Markt besucht, wo der Ursprung vermutet wird. Das ließ Experten vor einer Übertragung von Mensch zu Mensch warnen.

Die Weltgesundheitsorganisation hat bisher keine Reisewarnung für Touristen ausgesprochen. Die US-Gesundheitsbehörde (CDC) riet aber Reisenden nach Wuhan, Tiermärkte und den Kontakt mit Tieren oder mit kranken Personen zu meiden. «Eine begrenzte Übertragung von Mensch zu Mensch könnte vorkommen», hieß es in der Mitteilung.

Asiatische Nachbarn haben vorsorglich Fieberkontrollen bei Einreisenden aus China eingeführt. Auch die US-Flughäfen in New York, San Francisco und Los Angeles machen Gesundheitskontrollen bei Reisenden aus Wuhan. Die Gefahr der Übertragung infektiöser Krankheiten wächst noch mit der laufenden Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag. Bei der größten jährlichen Völkerwanderung sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs.

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