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Grippeimpfstoffe

Nachschub ist unterwegs

In den vergangenen Wochen haben sich Apotheker und Ärzte immer wieder über Lieferengpässe bei Grippeimpfstoffen beschwert. In einem Schreiben an die Heilberufler, das der PZ vorliegt, beruhigt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nun erneut die Gemüter. Dem Minister zufolge sollen die nachbestellten Impfstoffe nun wochenweise bis in den Dezember hinein in den Großhandel kommen.
Benjamin Rohrer
04.11.2020  12:30 Uhr

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie gibt es seit Wochen eine erhöhte Nachfrage nach Grippeimpfungen für die laufende Grippesaison. Damit ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, hatte der Gesetzgeber im Zweiten Bevölkerungsschutzgesetz im Mai dieses Jahres beschlossen, dass Ärzte ohne Regressrisiko 30 Prozent mehr saisonalen Impfstoff bestellen können. Außerdem hatte das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) im September zusätzlich sechs Millionen Dosen Influenza-Impfstoffe beschafft. Insgesamt hat das BMG 26 Millionen Impfstoffdosen versprochen.

Trotzdem ist es in den vergangenen Wochen zu Lieferengpässen gekommen. Apotheker aus ganz Deutschland berichteten wochenlang, dass kein einziger Impfstoff über den Großhandel verfügbar war. So bestätigten in einer Blitzumfrage des Apothekerverbands Nordrhein Mitte Oktober etwa 95 Prozent der befragten 280 Apotheken, dass sie weder Großpackungen noch Einzeldosen am Lager haben. Die große Mehrheit (mehr als 95 Prozent) bewertet die Nachfrage nach Grippeimpfstoff als höher im Vergleich zu den Vorjahren.

Spahn schreibt an KBV und ABDA

Stand 30. Oktober hatte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) rund 22,7 Millionen Impfdosen freigegeben, eine erste Lieferung mit einer Charge französisch deklarierten Vaxigrip® Tetra an den Großhandel solle nach Aussage vom 28. Oktober Anfang November folgen, war aber am gestrigen Mittwoch noch nicht verfügbar. Wie Hesteller Sanofi der Pharmazeutischen Zeitung auf Nachfrage mitteilte, soll die Auslieferung der ersten Chargen Vaxigrip Tetra in französischer Aufmachung voraussichtlich in der Kalenderwoche 47, also erst in der zweiten Novemberhälfte beginnen, und werde bis circa zur 50. Kalenderwoche andauern. Um wie viele Dosen genau es sich handelt, gab Sanofi nicht bekannt.

Der Pharmazeutischen Zeitung liegt nun ein Schreiben aus dem BMG vor, in dem der Minister erneut die Auslieferung weiterer Dosen verspricht. Nach Informationen der PZ hat der Minister sowohl die ABDA als auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) angeschrieben, der Brief datiert vom 28. Oktober.

Darin verspricht der Minister, dass ab der Kalenderwoche 44, also letzter Woche, bis zur Kalenderwoche 50, also die zweite Dezemberwoche, insgesamt noch 7,4 Millionen Impfstoffdosen ausgeliefert werden sollen. Die Hersteller würden diese tranchenweise und wochenweise ausliefern, heißt es wörtlich. Bei rund 80 Prozent der noch zu erwartenden Dosen handle es sich um die sechs Millionen zusätzlich vom BMG bestellten Impfstoffe

Diese Präparate kommen noch

Konkret sollen in den kommenden Wochen noch Chargen der folgenden Vakzine in den deutschen Markt kommen: Influsplit® Tetra (GSK), Influvac® Tetra (Mylan), Flucelvax® Tetra (Seqirus), Vaxigrip® Tetra (Sanofi, in französischer Aufmachung) sowie Fluzone® High-Dose Quadrivalent (in US-amerikanischer Aufmachung, Sanofi). Letzterer ist die US-Version des kürzlich in der EU zugelassenen Efluelda®. Mehr über die regulär für die Grippesaison 2020/2021 vorgesehenen Impfstoffe lesen Sie hier.

Ein Großteil kommt wohl von Sanofi. »Die Influenza-Impfstoffe Vaxigrip Tetra und Fluzone High-Dose Quadrivalent 2020/21 machen einen beachtlichen Anteil an der »Nationalen Influenza-Impfstoff-Reserve« aus«, so das Unternehmen gegenüber der PZ.

Efluelda/Fluzone High-Dose hat eine Sonderrolle: Das Präparat hat eine viermal so hohe Antigen-Dosis wie andere Grippeimpfstoffe und ist speziell für ältere Patienten ab 65 Jahren bestimmt. Dieser Impfstoff wurde erst im Mai dieses Jahres in der EU zugelassen – zu spät für die reguläre Produktion und Lieferung für den deutschen Markt. In den USA ist Efluelda bereits seit 2009 unter dem Namen Fluzone High-Dose Quadrivalent verfügbar.

Dieser Impfstoff soll in Deutschland vor allem in Alten- und Pflegeheimen zum Einsatz kommen. Diesbezüglich teilte das BMG nun mit, dass Fluzone High-Dose Quadrivalent über die »normalen« Vertriebswege (Großhandel, Apotheke) verfügbar sein soll. Das Präparat werde in 10er-Packungen (zehn Fertigspritzen ohne Kanüle) ausgeliefert. Die Bereitstellung solle Anfang November beginnen.

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