Pharmazeutische Zeitung online
Neue Masken-Aktion geplant

Spahn prüft Absenkung der Masken-Vergütung für Apotheker

Die Bundesregierung möchte künftig 5 Millionen Leistungsbezieher von Grundsicherung für Arbeitsuchende mit jeweils 10 FFP2-Masken versorgen. Dabei sollen die Apotheken diese Leistungsbezieher zusätzlich zu den 34 Millionen Senioren und Risikopatienten versorgen. Berechtigte werden per Brief von ihren Krankenkassen benachrichtigt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kündigte auch an, das derzeitige Masken-Honorar der Apotheker (6 Euro) zu überprüfen.
Charlotte Kurz
Stephanie Schersch
28.01.2021  15:15 Uhr

Seit einigen Tagen gilt bundesweit eine verschärfte Maskenpflicht. Kritik gab es dabei vor allem, dass sich insbesondere Hartz-IV-Empfänger die medizinischen Masken und insbesondere die teuren FFP2-Masken nicht leisten können, da sie für medizinische Produkte nur einen geringen Betrag pro Monat erhalten.

Hier möchte die Bundesregierung nun gegensteuern: Bedürftige sollen nun auch mit FFP2-Masken versorgt werden, das kündigten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Bundesminister für Arbeit und Soziales Hubertus Heil (SPD) am heutigen Donnerstag im Bundestag an. »Wichtig ist, dass wir die gesamte Bevölkerung berücksichtigen. Menschen in der Grundsicherung haben in der Regel keine Reserven, und deshalb ist es wichtig, dass wir die Menschen mit Masken versorgen«, erklärte Heil. Er habe dies am Freitag bereits angekündigt.

Konkret ist geplant, dass 5 Millionen Leistungsbezieher von Grundsicherung für Arbeitsuchende jeweils 10 FFP2-Masken erhalten sollen. Die Verteilung der Masken soll über den bereits etablierten Weg der Apotheken erfolgen. »50 Millionen FFP2-Masken stehen zur Verfügung«, erklärte Heil. Die 5 Millionen Leistungsbezieher sollen ebenso wie die bereits 34 Millionen Risikopatienten Briefe von ihren Krankenversicherungen erhalten und können diese dann in den Apotheken zusammen mit ihrem Personalausweis in 10 FFP2-Masken einlösen. Es soll dabei keine »Schutzgebühr« fällig werden, so Heil.

Bezüglich der Apothekenvergütung ließ Spahn auf Nachfrage der PZ wissen, dass auch dafür ein Honorar für die Apotheker geplant sei. Die Höhe stehe jedoch noch nicht fest. Sicher sei es aber, dass die Vergütungshöhe je Maske bei weniger als 6 Euro angesetzt wird. Dieses Honorar sei Anfang Dezember mit dem Eindruck der damaligen Marktlage festgelegt worden. Jetzt hätte sich die Marktlage entspannt, so Spahn. »Ich gehe davon aus, dass wir einen deutlich niedrigeren Preis in der Verordnung ansetzen können.«

Spahn: Apothekenhonorar für Masken-Verteilung wird überprüft

Auch die Vergütung der Apotheken für die Masken für Risikopatienten solle nochmals überprüft und angepasst werden, sagte Spahn. Demnach ist durchaus damit zu rechnen, dass die Apotheker künftig für Masken, die noch nicht an Risikopatienten ausgegeben wurden, nicht mehr 6 Euro je Maske erhalten. Wörtlich erklärte der Minister: »Für die Masken, die noch nicht ausgegeben sind, weil wir auch ein Stück Vertrauenserhalt haben bei denen, die sich Vorräte angelegt haben, werden wir das aber auch prüfen.« Zur Erklärung: Zuletzt hatte es in diesem Punkt großen politischen Druck auf den Minister gegeben. Die Grünen hatten Spahn mit Blick auf die Vergütungshöhe kritisiert.

Die neue Verteilaktion soll laut den Ministern bald starten. Fraglich ist dabei, wie schnell die Kassen die Briefe an die 5 Millionen Bedürftigen versenden können, bzw. wie zügig die Bundesdruckerei angeworfen werden kann. Spahn kündigte aber an, dass die Kassen die Briefe »zügig« versenden werden. Außerdem kündigten Heil und Spahn an, weitere Bereiche mit Masken zu versorgen. So sollen 90.000 Pakete mit FFP2-Masken an Pflegeheime, 30.000 Pakete an Behinderteneinrichtungen und 2000 Pakete an Obdachlosenhilfen gesendet werden.

Auch Bundestag debattiert über Maskenverteilung

Auch der Bundestag hat sich heute mit der Ausgabe kostenloser FFP2-Masken befasst. Hintergrund war ein Antrag der AfD-Fraktion, der die bisherige Verteilaktion der Bundesregierung nicht weit genug geht. Derzeit erhalten rund 34 Millionen Risikopatienten insgesamt 15 Atemschutzmasken bis Ende April. Die AfD drängt darauf den Kreis der Berechtigten zu erweitern. So sollten grundsätzlich auch Bezieher von Erwerbsunfähigkeitsrente sowie Menschen, die aufgrund einer Schwerbehinderung verrentet sind, Anspruch erhalten. Darüber hinaus stört sich die Fraktion aber auch am Umfang der ausgegebenen Maskensets. Er könne mit Blick auf die Anzahl der Masken nur den Kopf schütteln, sagte Uwe Witt von der AfD. »Das ist aus medizinischen und arbeitsschutzrechtlicher Sicht nicht tragbar.« So würden etwa die Berufsgenossenschaften empfehlen, FFP2-Masken ohne Atemventil maximal 75 Minuten zu tragen mit einer anschließenden Erholungsdauer von mindestens 30 Minuten. Witt zufolge sollten Risikopatienten daher ganze 20 Masken pro Monat erhalten, um gut durch die kalte Jahreszeit zu kommen.

Das Pressestatement der Bundesminister Spahn und Heil am Donnerstag kann hier nochmals angesehen werden:

Mehr von Avoxa