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Deutscher Apothekertag 

Spahn macht Hoffnung auf Entfristung von Sonderregeln 

Wenige Tage vor der Bundestagswahl dankte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Apotheken für ihre Leistungen in der Pandemie. Beim Deutschen Apothekertag in Düsseldorf zog er eine positive Bilanz der auslaufenden Legislatur und machte den Apotheken Hoffnung, dass Teile der Pandemie-bedingten Sonderregeln auch nach der Krise weiterhin Bestand haben können.
Stephanie Schersch
Charlotte Kurz
23.09.2021  11:18 Uhr

Die Apotheke vor Ort ist unverzichtbar – mit diesem Slogan werben die Offizinen schon lange für ihre Dienste. Selten hat sich die Bedeutung der Apotheken so sehr gezeigt wie in der Coronavirus-Pandemie. Und so griff auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn diese Losung beim Deutschen Apothekertag (DAT) am heutigen Donnerstag gerne auf: »Die Apotheken sind unverzichtbar, gerade wenn es darauf ankommt.«

Ab dem ersten Tag der Pandemie seien die Offizinen wichtige und niedrigschwellige Anlaufstellen für verunsicherte Bürger gewesen. »Sie haben viele Sorgen auffangen können«, sagte Spahn und sprach damit auch »ein ehrliches Dankeschön« für die Arbeit der Apotheken in den vergangenen Monaten aus. Immer wieder haben die Offizinen in den vergangenen Monaten neue Aufgaben übernommen, etwa die Herstellung von Desinfektionsmitteln und die Verteilung von Schutzmasken an Risikopatienten. Für ihre Dienste haben sie dabei stets eine Vergütung bekommen, wie Spahn in Düsseldorf noch einmal hervorhob. »Wer in der Pandemie etwas leistet, muss dafür auch einen finanziellen Ausgleich bekommen, das ist richtig und fair.«

Tatsächlich stand der Minister zu Beginn des Jahres mit Blick auf die Vergütung der Apotheken allerdings auch in der Kritik. So hatten Apotheken für die Abgabe jeder einzelnen Schutzmaske an Risikopatienten zunächst 6 Euro bekommen. Auf Druck der Opposition wurde die Vergütung schließlich heruntergesetzt. In Düsseldorf verteidigte der Minister allerdings noch einmal den Beschluss für das ursprüngliche Honorar, der auch im Vertrauen in eine ehrliche Apothekerschaft gefallen war. »Ich stehe zu jeder Entscheidung, die ich getroffen habe.«

Im Zuge der Pandemie waren zuletzt auch zahlreiche Regeln in den Apotheken ein Stück weit gelockert worden. So können Apotheken derzeit etwa einfacher von den Rabattverträgen abweichen, wenn ein Arzneimittel nicht lieferbar ist. In Düsseldorf machte der Minister den Apothekern Hoffnung, dass diese Sonderregelnwie von der Delegiertenversammlung gefordert auch nach der Pandemie weiterhin Bestand haben könnten. So habe die Krise gezeigt, dass man Regeln »auch einfach aussetzen oder sogar ganz abschaffen kann«, sagte Spahn.

Kassen können nicht bei pharmazeutischen Dienstleistungen sparen

Auch auf die pharmazeutischen Dienstleistungen ging der Minister ein. Für deren Umsetzung sollen eigentlich Krankenkassen und Apotheken gemeinsam eine Lösung finden. Doch nach monatelangen zähen Verhandlungen soll nun die Schiedsstelle eine Entscheidung fällen.

Insgesamt 150 Millionen Euro sollen für diese Services ab 2022 zur Verfügung stehen. Das ist auch dem Minister sehr wichtig. Er zeigte kein Verständnis für die ablehnende Haltung des GKV-Spitzenverbands. »Die Kassen werden damit keinen Cent sparen, egal wie bockig sie sich anstellen.«

Spahn kündigte zudem an, dass eine entsprechende Rechtsverordnung in der kommenden Woche veröffentlicht werde, die die Rücknahme der Grippe-Impfstoffe, die noch von letztem Jahr in den Apotheken liegengeblieben sind regeln soll. 

Spahn vorerst gegen Covid-19-Impfung in der Apotheke

Dem Angebot der Apotheker, Auffrischimpfungen gegen Covid-19 zu übernehmen, erteilte Spahn eine klare Absage. Zwar freue er sich über die vielen Modellprojekte zur Grippeimpfung in der Apotheke. Aber mit Blick auf einen neuen Impfstoff, der zusätzlichen Beratungsbedarf mit sich bringe, sei jetzt nicht die richtige Zeit, diese Grundsatzdiskussion zu führen.

Auch über Antikörpertests, die den Titer vor einer Auffrischungsimpfung prüfen, sprach Spahn in Düsseldorf. Gerade sei in der Prüfung, inwiefern die Kosten der Tests gerade für Immunsupprimierte vom Bund übernommen werden könnten. In diesem Zuge werde auch geklärt, wer die Tests anbieten könnte. Ob auch Apotheken dafür infrage kommen, ließ Spahn jedoch offen. Zudem sei es eine Überlegung, dass mit dem Nachweis eines Antikörpertests plus einer Impfung auch der vollständig immunisierte Status erreicht werden könne, ähnlich wie es jetzt mit einem PCR-Testergebnis funktioniere. Dafür soll es auch ein Zertifikat geben. »Da sind wir gerade in der Umsetzung«, so Spahn.

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