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Tierversuch

So führt Stress zu grauen Haaren

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Stress und ergrauenden Haaren – zumindest bei Mäusen. Durch Forscher der Harvard University gibt es dazu nun erstmals wissenschaftliche Erkenntnisse.
Carolin Lang
24.01.2020
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Nachdem die Wissenschaftler um Dr. Bing Zhang im Rahmen einer Studie zunächst Cortisol oder eine durch Stress ausgelöste Immunreaktion als Ursache für das Ergrauen der Haare ausschließen konnten, widmeten sie sich dem sympathischen Nervensystem. Stress bei Mäusen aktiviere einen Nerventyp, der an der »Flucht- oder Kampf-Reaktion« der Tiere beteiligt sei. Dies wiederum verursache dauerhafte Schäden an Pigment-regenerierenden Stammzellen in Haarfollikeln – so heißt es in einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung der Harvard University in Boston. Den Wissenschaftlern zufolge verzweigen sich die Sympathikusnerven in die Haarfollikel auf der Haut und setzen bei Stress Noradrenalin frei. Der Neurotransmitter werde dann wiederum von den nahegelegenen Pigment-regenerierenden Stammzellen aufgenommen.

In der im Fachjournal »Nature« veröffentlichten Publikation wird der Sachverhalt genauer erklärt. Im Haarfollikel seien bestimmte Stammzellen als Reservoir für Pigment produzierende Zellen vorhanden. Bei der Regeneration von Haaren komme es normalerweise zu einer Umwandlung der Stammzellen in Pigment produzierende Zellen, die das Haar färben. Das Noradrenalin aktiviere die Stammzellen allerdings übermäßig, sodass das Reservoir vorzeitig erschöpft werde. »Schon nach wenigen Tagen waren alle Pigment regenerierenden Stammzellen verloren. Und wenn sie einmal weg sind, kann kein Pigment mehr regeneriert werden. Der Schaden ist permanent«, sagt Ya-Chieh Hsu, eine Autorin der Studie, in einer Pressemitteilung der Universität.

»Mit dieser Studie wissen wir nun, dass Neuronen Stammzellen und ihre Funktion kontrollieren können. Und wir können erklären, wie sie auf zellulärer und molekularer Ebene interagieren, um Stress mit dem Ergrauen der Haare in Verbindung zu bringen«, kommentiert Isaac Chiu, Assistenzprofessor für Immunologie an der Harvard Medical School.

Die neuen Erkenntnisse können hilfreich sein, um zu verstehen, wie sich Stress auf verschiedene Organe auswirkt, hoffen die Forscher. Das ebne den Weg für neue Studien – mit dem Ziel, diese schädlichen Auswirkungen zu modifizieren und zu blockieren. »Zu verstehen, wie sich unsere Gewebe unter Stress verändern, ist der erste entscheidende Schritt zu einer Behandlung, die die schädlichen Auswirkungen von Stress aufhalten oder umkehren kann«, so Hu. »Auf diesem Gebiet müssen wir noch viel lernen.«

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