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Shop-Apotheke wirbt für »direkte« Rezeptweiterleitung von Zava

Das britische Unternehmen Zava (ehemals DrEd) war einer der Telemedizin-Pioniere in Deutschland. Seit April dieses Jahres kooperiert Zava mit dem EU-Versender Shop-Apotheke, damit Patienten dort Rezepte einlösen können. Die Shop-Apotheke bewirbt die Kooperation derzeit auf ihrer Internetseite und verspricht eine »direkte« Rezeptweiterleitung. Einen Verstoß gegen das Zuweisungsverbot sehen beide Unternehmen nicht.
Benjamin Rohrer
04.11.2020  09:00 Uhr

Der britische Telemedizin-Anbieter Zava bietet Patienten in Deutschland schon seit Jahren ärztliche Online-Beratungen an. Noch vor vier Jahren war das Unternehmen, damals noch als »DrEd« bekannt, ein Dorn im Auge der Gesundheitspolitik. Denn die Große Koalition verabschiedete damals die sogenannte »Lex DrEd« – ein Gesetz, nach dem Arzneimittel-Verordnungen von Zava von deutschen Apotheken nicht beliefert werden dürfen. Doch diese Regelung wurde inzwischen gekippt.

Und so kommen auch immer mehr Zava-Rezepte in den deutschen Apothekenmarkt. Damit Vor-Ort-Apotheken die Online-Verordnungen von Zava beliefern können, kooperiert das Telemedizin-Unternehmen mit dem apothekereigenen Dienstleistungskonzern Noventi. Apotheken mit Awinta-Software können Zava-Rezepte somit annehmen. Für die Apotheken war das grundsätzlich keine schlechte Nachricht, denn zuvor hatte Zava ausschließlich mit EU-Versendern zusammengearbeitet.

Zava kooperiert mit Noventi und Shop Apotheke

Doch im April dieses Jahres verkündete der Telemedizin-Anbieter dann eine Zusammenarbeit mit dem niederländischen Versandkonzern Shop-Apotheke. Seitdem können sich Patienten bei Zava aussuchen, ob sie ihre Verordnung an eine Apotheke oder den Versender schicken.

Die Shop-Apotheke bewirbt die Telemedizin-Kooperation auf ihrer Internetseite aggressiv. Patienten würden bei Zava »schnell, diskret und kompetent« beraten. Der Versender verweist nochmals auf die Behandlungsschwerpunkte der Online-Praxis: Frauengesundheit, Männergesundheit, Reisemedizin, Innere Medizin. »Ohne Besuch in der Arztpraxis« sei dies ein »komfortabler Weg« an Rx-Rezepte zu kommen. Zudem wird auf die Möglichkeit hingewiesen, dass man bei Zava »einfach« einen Online-Fragebogen ausfüllen müsse, um an ein Rezept zu kommen.

Diese Aussage ist juristisch bedenklich. Wörtlich heißt es dort: »Beantworten Sie dafür einfach einen standardisierten medizinischen Online-Fragebogen. Die Zava-Ärzte prüfen Ihre Anfrage, stellen bei Eignung Ihr Rezept aus und übermitteln es direkt an Shop Apotheke.« Auf die Frage, wie diese Aussage mit §11 des Apothekengesetzes zusammenpasse, in dem die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern verboten wird, antwortete ein Sprecher der Shop-Apotheke auf Nachfrage der Pharmazeutischen Zeitung: »Die freie Apothekenwahl der Patienten sowie die Unabhängigkeit der Ärzte sind durch unsere Zusammenarbeit mit Zava in keiner Weise gefährdet.«

Zava und Shop-Apotheke sehen keine Probleme

Und auch Zava hat wenig Bedenken, was diese Aussage betrifft. Eine Sprecherin des Telemedizin-Anbieters erklärte gegenüber der PZ, dass die Patienten immer die Möglichkeit hätten, zwischen »On- und Offline-Apotheken« zu wählen.

Die Zava-Sprecherin verteidigte auch die Verordnungspraxis via Fragebogen. Jede Konsultation werde persönlich von einem Arzt vorgenommen und verantwortet. Rezepte würden ausschließlich bei zweifelsfreier Diagnose ausgestellt. Die Fragebögen seien zudem strikt nach medizinischen Richtlinien entwickelt worden. Ohnehin würden bei Zava keine Medikamente mit Missbrauchspotenzial verordnet, sondern nur in »ausgewählten Krankheitsbildern«, bei denen eine Fernbehandlung Sinn mache (Antibabypille, Reisemedizin, Folgerezepte etc.).

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