Pharmazeutische Zeitung online
PhiP im HV

Selbstmedikation bei Hämorrhoidalleiden

Hämorrhoiden hat jeder Mensch, Hämorrhoidalleiden etwa jeder zweite Erwachsene im Lauf seines Lebens. Im vierten Teil der Serie »PhiP im HV« geht es um die Beratung zu diesem für viele Betroffene unangenehmen Thema, aufbereitet für Pharmazeuten im Praktikum. 
Carolin Lang
01.03.2021  07:00 Uhr

Der Begriff Hämorrhoiden bezeichnet ein arteriovenöses Gefäßpolster, das ringförmig vor dem Schließmuskel des Afters liegt. Dort dient es der Feinabdichtung des Darms nach außen und verhindert einen unbeabsichtigten Abgang von Gasen und Stuhl: Soll keine Darmentleerung erfolgen, füllt sich das Schwellkörpersystem mit Blut, vor einer Defäkation entleert es sich.

Sind die Hämorrhoiden krankhaft vergrößert, können sie Beschwerden auslösen. Dann spricht man von Hämorrhoidalleiden. Mögliche Symptome sind Juckreiz, Nässen und Brennen am After, Schmerzen beim Stuhlgang, Vorwölbung des Gefäßkissens (Prolaps) in den Analkanal oder vor den Schließmuskel sowie Schwellungen. Auch schmerzlose Blutungen sind häufig. Diese können auftreten, wenn fester Stuhl die dünnen Gefäßwände der Hämorrhoiden beschädigt. Sichtbar für den Betroffenen werden sie meist als (hell)rote Blutspuren auf dem Toilettenpapier oder dem Stuhl. In den westlichen Industrienationen gelten Hämorrhoidalleiden als Volkskrankheit mit hoher Dunkelziffer. Geplagt sind schätzungsweise mehr als die Hälfte aller über 30-Jährigen. Verstopfung, ballaststoffarme Ernährung, Schwangerschaft oder tägliches langes Sitzen können das Krankheitsbild auslösen beziehungsweise begünstigen.

Vier Schweregrade

  1. Die Hämorrhoiden sind leicht vergrößert und von außen nicht sichtbar.
  2. Die Hämorrhoiden sind stärker vergrößert und können beim Stuhlgang aus dem After heraustreten, ziehen sich aber spontan wieder zurück.
  3. Die Hämorrhoiden treten beim Stuhlgang oder körperlichen Aktivitäten aus dem After heraus. Sie ziehen sich nicht von alleine zurück, können aber mit der Hand zurückgeschoben werden.
  4. Die Hämorrhoiden treten dauerhaft aus dem After aus und können nicht mehr zurückgeschoben werden.

Wichtige Fragen bei der Beratung 

  • Wer leidet unter den Beschwerden? Von Hämorrhoidalleiden sind tendenziell eher Ältere betroffen, der Häufigkeitsgipfel liegt bei 45- bis 65-Jährigen. Bei Kindern sind sie äußerst selten.
  • Waren Sie bereits beim Arzt? Jede Vermutung über Hämorrhoidalleiden sollte unbedingt ärztlich abgeklärt werden. Möglicherweise verursachen andere proktologische Erkrankungen die Beschwerden.
  • Welche Beschwerden liegen vor? Für eine geeignete Empfehlung sind die jeweils vorherrschenden Symptome entscheidend. Blutungen sollten vor Beginn einer Therapie ärztlich abgeklärt werden, um andere schwerwiegende Ursachen wie maligne Tumore des Rektums auszuschließen.
  • Wie häufig und stark sind die Beschwerden? Bei immer wiederkehrenden, belastenden Beschwerden müssen die Hämorrhoiden eventuell von einem Arzt entfernt werden. Akuter starker Schmerz kann auf eine Analvenenthrombose hindeuten.
  • Welche Medikamente nehmen Sie ein? Einige Medikamente können eine Verstopfung begünstigen, zum Beispiel Opioide, Anticholinergika oder Eisensalze.

Lokal applizierbare Therapieoptionen

Grundsätzlich gilt: Vergrößerte Hämorrhoiden, die keine Beschwerden verursachen, müssen nicht behandelt werden. Für moderate Beschwerden stehen zahlreiche Lokaltherapeutika zur Verfügung. Diese haben meist eine adstringierende (zum Beispiel Bismutgallat, Hamamelisextrakt, Tannin), entzündungshemmende (zum Beispiel Kamille, Panthenol), feuchtigkeitsbindende (zum Beispiel Titan-, Zinkoxid) oder lokalanästhetische (zum Beispiel Lidocain, Quinisocain) Wirkung. Zwischen diesen sollte je nach vorherrschender Symptomatik gewählt werden: Gegen Juckreiz und Nässen eignen sich vor allem Adstringenzien. Stehen Schmerzen und Juckreiz im Vordergrund, sind Lokalanästhetika eine Empfehlung wert. Bei starkem Nässen können feuchtigkeitsbindende Inhaltsstoffe helfen.

Zusätzlich gibt es Präparate, die die Gleitfähigkeit beim Stuhlgang erhöhen sollen, indem sie den Darmausgang mit einer Fettschicht überziehen. Gleichzeitig sollen sie die Analschleimhaut vor Rissen und Juckreiz schützen. Die Präparate enthalten beispielsweise Jojobawachs oder gelbes Bienenwachs.

Lokaltherapeutika bei Hämorrhoidalleiden gibt es in Form von Salben, Sitzbädern, Zäpfchen und Analtampons. Salbenpräparate sind meist mit einem Applikator zum Einführen in den Analkanal versehen. Sitzbäder haben den Vorteil, dass sie neben einer raschen Linderung gleichzeitig den Analbereich reinigen. Zäpfchen sollten möglichst nach dem Stuhlgang und nicht zu tief eingeführt werden. Bei Analtampons handelt es sich um Zäpfchen mit eingeschmolzenen Mullstreifen. Diese sollen Schleim und Blutungen absorbieren.

Orale Therapieoptionen 

Ein sehr harter Stuhl kann Schmerzen und Blutungen verursachen. Daher ist es bei Hämorrhoidalleiden ratsam, für eine weiche Stuhlkonsistenz zu sorgen. Die Einnahme von Quellstoffen wie Flohsamen (-schalen) oder auch osmotisch wirksame Laxanzien wie Macrogol kann dies begünstigen. Einige wissenschaftliche Studien ergaben positive Wirkungen von Flavonoiden wie Rutin, Citrusbioflavonoiden und Diosmin. Wegen ihrer gefäß- und ödemprotektiven Wirkung werden die als Venenmittel konzipierten Stoffe auch peroral bei Hämorrhoidalleiden eingesetzt.

Nichtmedikamentöse Tipps

  • Ausreichend trinken
  • Regelmäßige Bewegung
  • Stuhldrang nicht zurückhalten
  • Ballaststoffreiche Ernährung
  • Sanfte Analhygiene
  • Stuhlkonsistenz verbessern
  • Beim Stuhlgang nicht pressen
  • Analvorlagen verwenden

Schwangerschaft 

Hämorrhoidalleiden treten während der Schwangerschaft recht häufig auf. Mögliche Gründe sind die hormonelle Umstellung und der zusätzliche Druck auf den Hämorrhoidalplexus. Ratsam sind dann eine ballaststoffreiche Ernährung, erhöhte Flüssigkeitszufuhr und Sitzbäder. Laut Embryotox können Lidocain-haltige Salben sowie Gerbstoff- oder Zinkoxid-haltige Topika eingesetzt werden. Schwangere sollten immer einen Arzt konsultieren, denn häufig stecken auch Analfissuren, Analthrombosen oder Marisken, also weiche bis derbe Knoten oder Hautlappen am äußeren Analrand, hinter den Beschwerden. Diese verschwinden oftmals ohne Behandlung innerhalb von bis zu 24 Wochen nach der Entbindung wieder.

Mehr von Avoxa