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Demenz

Screening ängstigt Senioren nicht

Ältere Menschen auf Demenz zu screenen, ist umstritten, denn es gibt keine Medikamente, die den Verlauf der Erkrankung aufhalten oder gar zurückdrehen könnten. Ein Screening könnte Senioren daher bloß unnötig verunsichern, ohne ihnen zu nützen. US-Forscher konnten jetzt aber zeigen, dass diese Befürchtung unbegründet ist.
Annette Mende
17.01.2020
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Bei der Studie, die Anfang Dezember im »Journal of the American Geriatrics Society« erschien, handelt es sich um die erste randomisierte Untersuchung der Vor- und Nachteile eines bevölkerungsweiten Screenings auf Demenz. Teilnehmer waren 4005 durchschnittlich 74 Jahre alte Bewohner des US-Bundesstaats Indiana aus ländlichen Gegenden sowie aus kleineren und großen Städten. Die Hälfte von ihnen unterzogen die Untersucher um Dr. Nicole Fowler von der Indiana University School of Medicine in Indianapolis einem Demenz-Screening, die andere Hälfte nicht. Ergaben sich bei dem Screening Auffälligkeiten, wurde den Betroffenen eine weiterführende Untersuchung empfohlen. Anhand validierter Fragebögen wurden einen Monat nach dem Screeningtermin die Ängstlichkeit und Depressivität der Teilnehmer erfasst sowie zwölf Monate danach die Gesundheits-bezogene Lebensqualität.

Bei der ersten Befragung waren Teilnehmer des Screenings zwar etwas ängstlicher und hatten stärkere Symptome einer Depression als diejenigen, die nicht gescreent worden waren. Der Unterschied war aber so marginal, dass beide Gruppen noch als gleich eingestuft wurden. Bei der Gesundheits-bezogenen Lebensqualität zeigte sich keinerlei Unterschied zwischen der Interventions- und der Kontrollgruppe.

»Ein Screening auf Demenz schafft bei Patienten und ihren Familien ein Bewusstsein für die Erkrankung und erlaubt es ihnen, aktiv zu werden, indem sie etwa Regelungen für den Fall einer künftigen Pflegebedürftigkeit treffen«, sagt Fowler in einer Mitteilung der Universität. »Jetzt wissen wir, dass ein solches Screening nicht schadet.« Von den Teilnehmern mit auffälligem Screeningergebnis hätten zwar nur 30 Prozent die empfohlene Folgeuntersuchung in Anspruch genommen. Aber das Wissen um die Auffälligkeit hätte es ihnen zumindest ermöglicht, beobachtend abzuwarten oder eben doch aktiv zu werden, wenn sie es wollen, so Fowler.

Unter dem Strich sehen die Forscher keine Nachteile, aber auch keine Vorteile eines bevölkerungsweiten Screenings auf Demenz. Denn auch auf die Häufigkeit von Besuchen der Notaufnahme oder von Krankenhauseinweisungen hatte das Screening keinen Einfluss. Die Autoren führen fehlende Daten, eine niedrige Demenz-Detektionsrate sowie die geringe Inanspruchnahme der empfohlenen Folgeuntersuchung als mögliche Gründe hierfür an.

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