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Prognose

Schwere Grippefälle bei Senioren erwartet

Die Grippesaison ist zwar noch jung, aber die Europäische Seuchenschutzbehörde ECDC wagt dennoch bereits eine Prognose über die erwartete Heftigkeit. Demnach lassen die derzeit zirkulierenden Stämme schwere Erkrankungen vor allem bei Senioren erwarten.
Annette Mende
07.01.2020  11:32 Uhr

Der Winter war bislang in weiten Teilen Europas eher mild, aber die Grippesaison hat trotzdem schon begonnen – sogar schon etwas eher als in früheren Jahren. Wie das Europäische Zentrum für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) im Dezember mitteilte, wurde bereits in der Kalenderwoche 47/2019 die Schwelle von 10 Prozent positiver Influenzanachweise unter den eingesandten Proben der Referenzlabore im europäischen Durchschnitt überschritten. 71 Prozent der identifizierten Virusstämme waren vom Typ A und 29 Prozent vom Typ B. Unter den Stämmen des Typs A dominierte der Subtyp A (H3).

Obwohl derzeit noch keine erhöhte Mortalität zu verzeichnen ist, gibt dies der ECDC Anlass zur Sorge. Denn das Influenzavirus A (H3N2) sei typischerweise mit schweren Erkrankungsverläufen bei Personen ab 60 Jahren assoziiert. Das wisse man aus früheren Saisons, in denen dieser Subtyp dominiert hatte.

Der Grippeimpfstoff der aktuellen Saison enthält unter anderem diesen Stamm und bietet somit Schutz davor. Die ECDC rät deshalb dringend dazu, dass bislang ungeimpfte Personen, die für eine Impfung infrage kommen, diese schnellstmöglich nachholen. Die Empfehlung richtet sich insbesondere an ältere Menschen, Patienten mit Herz- oder Lungenerkrankungen sowie an Beschäftigte im Gesundheitswesen. Um die Verbreitung möglichst einzudämmen, sollte auch auf Maßnahmen wie freiwillige Selbstisolation von Patienten, Händewaschen und »Atmungshygiene«, sprich Husten oder Niesen in ein vorgehaltenes Taschentuch oder die Armbeuge, gesetzt werden.

Aus den USA meldet die dortige Seuchenschutzbehörde CDC weiter eine erhöhte Grippeaktivität. Allein in der letzten Kalenderwoche des Jahres 2019 kam es dort landesweit zu 800 grippebedingten Todesfällen. In Deutschland überwacht die AG Influenza des Robert-Koch-Instituts das Infektionsgeschehen. Sie veröffentlicht aktuelle Zahlen für die Kalenderwochen 51 und 52/2019 sowie 1/2020 erst am 8. Januar. In der Kalenderwoche 50/2019 hat die Grippewelle noch nicht begonnen. Es war fast im gesamten Bundesgebiet eine normale Grippeaktivität zu verzeichnen gewesen abgesehen von einzelnen Hotspots etwa in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern. 

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