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Digitalkonferenz AK Niedersachen

Schulterschluss von Apothekern und Ärzten vonnöten

Zwar bietet Big Data große Chancen und Potenziale für die Gesundheitsversorgung. Als Geschäftsfeld für neue Player im Gesundheitsmarkt birgt die Sammlung und Auswertung wachsender Datenmengen jedoch auch Gefahren. Das hob die Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen, Cathrin Burs, hervor. 
Christiane Berg
23.10.2020  16:30 Uhr

Angesichts der durch die Corona-Pandemie beschleunigten Digitalisierung im Gesundheitswesen sei dringend der verstärkte Schulterschluss aller Heilberufe und hier insbesondere der Apotheker und Ärzte erforderlich, mahnte die Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen, Cathrin Burs. Bei der »Digitalkonferenz Focus Patient«  in Hannover am gestrigen Donnerstag sprach sie von einer »Herkulesaufgabe«, denn es gehe es auch darum, Grundrechte des Patienten und seine Souveränität zu schützen. »Digitale Technologien sind kein Wert an sich. Im Gegenteil: Sie müssen dem Menschen dienen und nicht umgekehrt, insbesondere wenn es um Gesundheit und Krankheit geht«, warnte sie.

Apotheker und Ärzte seien aufgefordert, alle IT-technischen Maßnahmen zur Gewährleistung der individuellen und körperlichen Integrität des Patienten umzusetzen und zu nutzen. Ob digital oder persönlich: Dabei seien Vertrauenswürdigkeit und Verlässlichkeit Attribute, die die Apotheke in der Begegnung mit dem Patienten auch weiterhin auszeichnen müssen. »Hier sind wir nicht nur ihm, sondern auch uns selbst verpflichtet«, betonte Burs.

Digitale Player setzen auf Big Business

Am Rande der »Digitalkonferenz Focus Patient« hob der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar hervor: »Die Digitalisierung birgt viele Chancen, aber auch zahlreiche Gefahren, die die verstärkte politische Debatte dringend notwendig machen.« Daten seien »das neue Gold« und die »Komplett-Digitalisierung und wachsende Algorithmisierung der Medizin und des Gesundheitswesens« bringe neue Unsicherheiten und Bedrohungen mit sich, da weltweit operierende digitale Player oftmals nicht auf Solidarisierung, sondern auf »Big Business« und Ökonomisierung setzten.

Die Corona-Pandemie zeige »als erste Krise, die der Mensch in Zeiten der sozialen Netzwerke erlebt«, mehr denn je die Vor- und Nachteile der Digitalisierung auf. Die Corona-App als ein IT-basiertes Handwerkszeug diene dem Kampf gegen Covid-19. Auch garantiere das Internet mit all seinen Möglichkeiten, dass der Mensch selbst bei einem kompletten Lockdown nicht in die Total-Isolierung falle.

KI-Systeme als Werkzeuge zur Manipulation

Big Data berge dennoch Gefahren. Generell könne die Kommunikation in sozialen Medien in »abgeschotteten Filterblasen« zu einer Zunahme der Polarisierung und weiteren Spaltung der Gesellschaft führen. »Wir werden konfrontiert nicht nur mit dem Phänomen von Fake News in völlig neuer Größenordnung«, konstatierte der Wissenschaftsjournalist. Die unkontrollierte Generierung von Daten und exponentielle Zunahme von Algorithmen durch selbst lernende KI-Systeme berge zudem die Gefahr des Missbrauchs und somit der Manipulation und Steuerung der Bevölkerung nicht nur durch ökonomisch starke Marktkräfte, sondern auch durch totalitäre Strukturen bis hin zum potenziellen Zerfall der Demokratie.

Menschen, so Yogeshwar, würden »auslesbar« und somit auch »kategorisierbar«, sofern keine politischen und rechtlichen Gegenmaßnahmen ergriffen werden. »Wir sollten die Sensibilität haben, die negativen Auswüchse der Digitalisierung zu erkennen und uns ihnen entgegenzustellen, damit sie sich keinesfalls ausbreiten können.«

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