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Aufwand durch Lieferengpässe

Schmidt fordert Honorar für Apotheken

ABDA-Präsident Friedemann Schmidt betont in einem Interview mit der Tageszeitung »Passauer Neue Presse«, wie sehr sich die Lieferengpass-Problematik derzeit zuspitzt. Für den Mehraufwand, der den Apotheken entsteht, fordert er eine Entschädigung.
Christina Müller
10.01.2020  11:22 Uhr

»In den letzten 30 Jahren haben Apotheker in Deutschland eine solche Situation nicht erlebt«, sagte der ABDA-Chef der Zeitung. Inzwischen seien Engpässe nicht mehr nur ein Ärgernis im Berufsalltag der Pharmazeuten. Es gehe jetzt um die Gesundheit der Patienten. Denn auch die Zahl der Versorgungsengpässe nehme zu. Fällt ein Wirkstoff komplett aus, muss der Arzt auf ein anderes Mittel ausweichen. »Chronisch Kranke leiden besonders darunter«, so Schmidt. »Sie tun sich sehr schwer, mögliche Dosisänderungen umzusetzen.« Die Folge: Einige der Betroffenen nähmen ihre Medikamente gar nicht mehr oder nur sehr unregelmäßig ein.

Für die Apotheker steige durch die Engpässe die Arbeitsbelastung. »Sie sind viel damit beschäftigt, den Patienten zu erklären, wie schwierig die Lage geworden ist.« Für den durch Lieferschwierigkeiten entstehenden Mehraufwand in den Offizinen pocht Schmidt auf ein Honorar.

Darüber hinaus befürwortet er die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geplante Meldepflicht, wenn Arzneimittel knapp werden. »Die Apotheker, Ärzte und Patienten werden immer wieder von den Engpässen überrascht«, moniert der ABDA-Präsident. Hersteller und Großhändler sollten aus seiner Sicht frühzeitig mitteilen, wenn Lieferprobleme drohen – etwa wenn absehbar ist, dass ein Arzneimittel nur noch für vier Wochen verfügbar sein wird. »Ärzte und Apotheker müssen darüber informiert werden, damit sie neue Patienten nicht auf solche Medikamente einstellen.« Auch die Grünen dringen in einem gestern veröffentlichen Autorenpapier zum Thema Lieferengpässe auf das Einführen einer Meldepflicht.

Um langfristig gegenzusteuern, will Schmidt das Problem auf europäischer Ebene angehen. »Wir haben die Bundesregierung aufgefordert, sich des Themas während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 anzunehmen.« Ziel müsse es sein, die Produktion von Arzneimitteln in Europa zu stärken. Die vollständige Auslagerung der Pharmakoproduktion nach Asien zurückzudrehen, nennt Schmidt »eine sehr schwierig zu erfüllende Forderung«. Für die Versorgungssicherheit hierzulande sei es jedoch notwendig – auch wenn dadurch die Medikamentenpreise steigen würden.

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