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America first?

Sanofi will Corona-Impfstoff allen zur Verfügung stellen

Der französische Pharmagigant Sanofi hat versichert, einen künftigen Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 allen anzubieten. Zuvor hatte es Spekulationen gegeben, dass die USA bevorzugt beliefert werden sollen.
dpa
PZ
14.05.2020  10:44 Uhr

Es sei klar, dass der Impfstoff für alle zugänglich sein werde, betonte der Frankreich-Chef von Sanofi, Olivier Bogillot, am Donnerstag im Fernsehsender BFMTV. Dass die USA nach einer Entwicklung eines Impfstoffes Vorrang bei der Lieferung bekommen könnten, bestätigte er nicht.

Zuvor hatten Aussagen des Sanofi-Generaldirektors Paul Hudson für Aufsehen gesorgt. In einem Interview habe Hudson deutlich gemacht, dass die USA bei dem Impfstoff Vorrang hätten, berichtete die US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch auf ihrer Internetseite. Die USA hätten als erste die Forschung unterstützt. Die US-Regierung habe «das Recht für die größte Vorausbestellung», zitierte die Agentur den Sanofi-Chef. Es stimme, dass der Pharmakonzern eine Zusammenarbeit mit der US-Regierung begonnen habe, sagte Bogillot. Die EU müsse ebenso «wirksam» dabei helfen, den Impfstoff verfügbar zu machen, betonte er.

Sanofi Deutschland teilte heute mit: «Sanofi hat den Vorteil einer flächendeckenden, diversifizierten Präsenz auf der ganzen Welt. Wir verfügen über Produktionskapazitäten in den USA, Europa und allen anderen wichtigen Regionen. Die US-Produktion wird hauptsächlich für die USA selbst erfolgen, alle anderen Produktionskapazitäten decken Europa und den Rest der Welt ab. Die Zusammenarbeit, die wir mit BARDA (Biomedical Advanced Research and Development Authority) in den USA haben, ermöglicht es uns, die Produktion zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt aufzunehmen, schon während die Entwicklung und Registrierung des Impfstoffs laufen. Zugleich ermutigt es uns zu sehen, dass die EU-Kommission in den letzten Wochen zu ähnlichen Maßnahmen mobilisiert, die sowohl die Entwicklung von Impfstoffen als auch deren Zugang für die Bevölkerung in Europa beschleunigen könnten. Wir führen sehr konstruktive Gespräche unter anderem mit den EU-Institutionen und der französischen als auch deutschen Regierung.»

Die Aussagen Hudsons sorgten in Frankreich für Kritik an dem Pharmariesen. Es wäre inakzeptabel, wenn ein Land einen privilegierten Zugang zu einem Impfstoff erhalten würde, sagte die Staatssekretärin im französischen Wirtschafts- und Finanzministerium, Agnès Pannier-Runacher, im Radiosender Sud Radio. Darüber hatte es auch schon Ende April Diskussionen gegeben. Hudson ließ heute verlauten: «Der Impfstoff gegen COVID-19 wird allen Bürgern zur Verfügung gestellt, egal welcher Nationalität.»

Die beiden Pharmakonzerne Sanofi und Glaxo-Smith-Kline (GSK) hatten bereits im April mitgeteilt, sie wollten gemeinsam an einem Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 arbeiten. Sollten Tests erfolgreich verlaufen, könnte ein Impfstoff in der zweiten Jahreshälfte 2021 verfügbar sein. Sanofi teilte nun via Twitter mit, die Teams des Unternehmens seien bemüht, die Entwicklung eines Impfstoffs zu beschleunigen.

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