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Rennen um Impfstoffe

Russland will bald ersten Corona-Impfstoff zulassen

Russland will nach eigenen Angaben demnächst eine Vakzine gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 zulassen – aber erst ab Oktober die Bevölkerung impfen. Die Ankündigungen der Regierung werfen viele Fragen auf.
PZ/dpa
03.08.2020  13:54 Uhr

Russland will im Herbst mit Impfungen gegen Covid-19 beginnen. Dies sei für Oktober geplant, sagte Gesundheitsminister Michail Muraschko der Staatsagentur Tass zufolge am Samstag in Nischni Nowgorod. Zunächst sollten dann Ärzte und Lehrer geimpft werden, dann schrittweise der Rest der Bevölkerung. Die klinischen Tests des in Russland entwickelten Impfstoffes seien mittlerweile abgeschlossen, sagte Muraschko.

Allerdings hatte der Gesundheitsminister am 23. Juli der Agentur Interfax zufolge erst den Start einer Phase-III-Studie mit 800 Teilnehmern angekündigt. Phase-III-Studien prüfen die Wirksamkeit eines Präparats, zielen auf die Zulassung ab und beinhalten gewöhnlich deutlich mehr Teilnehmer. Die Konkurrenzpräparate werden zum Beispiel an jeweils 30.000 Probanden getestet.

Der russische Impfstoff wurde vom staatlichen Gamalaja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau entwickelt. Die Zulassung sei in Vorbereitung, sagte der Minister. Ein Datum nannte er nicht. Zuletzt war der 10. August als Termin im Gespräch. Russland wäre damit das erste Land, das einen Impfstoff zulässt.

Weltweit suchen mehr als 170 Projekte nach Corona-Impfstoffen – und mehrere Forscherteams haben vielversprechende Zwischenergebnisse veröffentlicht. Bisher rechneten Experten generell mit einem marktfähigen Impfstoff erst im kommenden Jahr. Einige Unternehmen kündigten jedoch in den letzten Tagen an, es noch in diesem Jahr schaffen zu wollen.

Daten zum russischen Impfstoff noch nicht veröffentlicht

Laut einer Liste der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Freitag sind derzeit fünf Impfstoff-Kandidaten in einer Phase-III-Studie – russische Präparate zählen nicht dazu. Russland hat bislang auch keine wissenschaftlichen Daten zu seinem Impfstoff für eine unabhängige Bewertung veröffentlicht.

Kreml-Chef Wladimir Putin hatte schon früh Druck bei der Entwicklung gemacht. Nach Angaben von Muraschko wird noch ein zweiter Impfstoff gegen das Virus SARS-CoV-2 klinisch getestet. Weitere sollen folgen. Das Gamalaja-Institut hatte bereits im Mai mitgeteilt, einen Impfstoff entwickelt zu haben. Nach eigener Darstellung liefen die Tests erfolgreich. Die Impfung habe eine Immunität gegen die Krankheit Covid-19 erzeugt, ohne Nebenwirkungen, hieß es. Das Präparat wurde demnach an 50 Soldaten getestet, die sich freiwillig gemeldet hätten. Die Wissenschaftler hatten es zuvor auch teils an sich selbst erprobt.

Sicherheit des russischen Impfstoffs fraglich

Das Tempo, mit dem Russland einen Corona-Impfstoff entwickelt haben will, wirft die Frage auf, wie sicher und wirksam das Präparat ist. Nach früheren Angaben des Gesundheitsministers soll die Produktion schon während der Phase-III-Studie beginnen. Außerdem würden dann bereits freiwillige Impfungen für besonders gefährdete Berufsgruppen angeboten.

Muraschko betonte am Sonntag im Staatsfernsehen, die Impfung werde kostenlos und freiwillig sein. «Wir sehen aber, dass das Interesse der Bevölkerung daran sehr hoch ist.» Derzeit lägen 3100 Patienten wegen Covid-19 auf Intensivstationen. Bislang sind die Russen angehalten, sich mit Masken und Abstand zu schützen. Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums gilt an den Universitäten im Wintersemester eine Maskenpflicht. Ausgenommen seien nur diejenigen, die mit einem Antikörpertest nachweisen könnten, dass sie bereits eine Infektion hatten.

Russland hat nach offizieller Statistik landesweit mehr als 850.000 Corona-Infektionen verzeichnet. Täglich kommen mehr als 5000 neue Infektionen hinzu. Bis Sonntag starben nach offiziellen Angaben mehr als 14.100 Menschen mit dem Virus, mehr als 646.000 galten als genesen. Die meisten Infektionen gibt es in Moskau

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