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Coronavirus-Epidemie

RKI: Trend zur Abflachung der Kurve erkennbar

Die ergriffenen Maßnahmen zur sozialen Distanzierung scheinen zu wirken. Ein Trend zur Abflachung der Kurve der SARS-CoV-2-Infektionszahlen sei bereits erkennbar, heißt es vom Robert-Koch-Institut (RKI) – allerdings mit Vorbehalt.
Christina Hohmann-Jeddi
23.03.2020
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Die Zahl der Infektionen mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 nimmt international, aber auch in Deutschland weiter zu, erklärte RKI-Präsident Professor Dr. Lothar Wieler heute in Berlin. Bis zum 23. März um 0 Uhr seien dem Institut für Deutschland 22.672 SARS-CoV-2-Infektionen elektronisch gemeldet worden. Das sind 4062 Infektionen mehr als am Vortag. Insgesamt 86 Covid-19-Patienten sind verstorben. »Die Zahlen werden auch weiterhin noch zunehmen« sagte Wieler.

Doch er hatte auch eine gute Nachricht: »Wir sehen den Trend, dass die exponenzielle Wachstumskurve sich etwas abflacht«, sagte der RKI-Präsident und berief sich auf tägliche Analysen der Fallzahlen. Für eine definitive Bewertung sei es jedoch zu früh, auch weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter bundesweit ihre Daten elektronisch gemeldet hatten. Eine bessere Bewertung sei wahrscheinlich erst am Mittwoch möglich. »Aber ich bin optimistisch, dass diese Maßnahmen schon jetzt sichtbar sind – was sehr früh ist, weil sie ja erst seit einer Woche wirklich gefahren werden«, sagte Wieler.

Außerdem schließe das RKI aus Handydaten, dass sich die Mobilität in Deutschland zuletzt schon reduziert habe – aber es reiche noch nicht aus, so Wieler. Dieser Effekt werde sich nun aber durch die am Sonntag verkündeten Maßnahmen verstärken. An die Bevölkerung appellierte er, sich konsequent an die beschlossenen Regelungen zu halten. Eine Befragung unter dem Titel »Covid-19 Snapshot Monitoring« (COSMO), die das RKI zusammen mit der Universität Erfurt seit Anfang März durchführt, zeige, dass die Risikowahrnehmung in der Bevölkerung in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen habe. »Das ist sehr wichtig.« Doch es gebe noch immer eine Kluft zwischen Wissen und Handeln, so Wieler. Die empfohlenen Maßnahmen, wie Abstand zu anderen Personen einzuhalten und Händehygiene zu befolgen, sollten von allen konsequent umgesetzt werden.

Containment-Strategie bleibt aktuell

An das medizinische Personal gerichtet betonte Wieler, dass die Containment-Strategie weiterhin konsequent verfolgt werden müsse. »Es ist und es bleibt wichtig, Infizierte, Kranke und deren Kontaktpersonen frühzeitig zu erkennen und in Quarantäne zu isolieren.« Das sei das Kernstück der Strategie, um die Epidemie in den Griff zu bekommen. Dabei müssten die Gesundheitsämter bestmöglich unterstützt werden. Hierfür hatte das RKI die Medizinstudierenden dazu aufgerufen, sich zu bewerben, um den Ämtern vor Ort bei der Nachverfolgung von Kontaktpersonen zu helfen. »Der Aufruf war sehr erfolgreich«, sagte Wieler. Es sei schon eine große Zahl an Bewerbungen eingegangen. »Und das ist gut so.«

Um Personalmangel in Klinken und Arztpraxen vorzubeugen, hat das RKI auch neue Optionen zum Management von Kontaktpersonen von Covid-19-Patienten veröffentlicht, berichtete der RKI-Präsident. Demnach muss medizinisches Personal, das engen Kontakt mit Infizierten hatte, nicht mehr solange in Quarantäne wie bislang und kann bei dringendem Bedarf in Kliniken und Praxen weiterarbeiten, solange keine Symptome auftreten. Die Optionen sollen den Kliniken und Praxen Handlungsspielraum geben für den Fall, dass die adäquate Versorgung der Patienten durch Personalengpässe nicht mehr möglich ist. »Das soll die Balance zwischen Praktikabilität und Patientenschutz wahren«, so Wieler.

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