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Lungenkrebs-Screening

Raucher könnten von Vorsorge profitieren

In einem Vorbericht deutet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) an, dass für (ehemals) starke Raucher der Nutzen eines Lungenkrebs-Sscreenings größer ist als der Schaden.
Theo Dingermann
09.07.2020  09:02 Uhr

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte das IQWiG beauftragt, zu untersuchen, ob es gerechtfertigt ist, (ehemals) starken Rauchern ein Lungenkrebs-Screening unter Einsatz der Niedrigdosis-Computertomografie (Low-Dose-CT) auf Kosten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) anzubieten. Nach Auswertung der Studienlage kommt das Institut in einem Vorbericht zu dem Ergebnis, dass das Screening tatsächlich einige Personen davor bewahren könnte, an Lungenkrebs zu sterben. Für andere könnte sich durch ein solches Screening möglicherweise die Lebenszeit verlängern. In jedem Fall scheint der Nutzen eines solchen Screenings größer zu sein als der potenzielle Schaden.

Die Sterblichkeit ist bei Lungenkrebs sehr hoch

Zur Problematik führt das IQWiG aus, dass Lungenkrebs in Deutschland die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern ist. Bei Frauen ist es nach Brustkrebs die zweithäufigste. Erschreckend ist, dass bei etwa neun von zehn erkrankten Männern und bei mindestens sechs von zehn erkrankten Frauen der Lungenkrebs auf aktives Rauchen zurückzuführen ist. Da meist der Lungenkrebs erst in einem späten Stadium entdeckt wird, leben fünf Jahre nach der Erstdiagnose nur noch etwa 15 Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen.

Früherkennung ist daher besonders wichtig. Ein geeignetes Verfahren könnte die Low-Dose-CT sein, bei der durch Optimierung verschiedener CT-Parameter eine Reduzierung der Strahlendosis erreicht wird, ohne Einbußen bei der Bildqualität in Kauf nehmen zu müssen.

Vorsorge verringert das Sterberisiko

Für seine Untersuchung berücksichtigte das IQWiG acht Studien mit mehr als 90.000 Personen. Daraus konnte abgeleitet werden, dass das Low-Dose-CT-Screening bei (ehemals) starken Rauchern das Risiko für einen Lungenkrebstod verringert.

Die Auswertung der Studiendaten ergab, dass ein Screening bei sechs von 1000 Personen den Tod durch Lungenkrebs verhindert. Das bedeutet nicht zwingend, dass die am Screening teilnehmenden Personen auch insgesamt länger leben. Das könnte daran liegen, dass die Raucher stattdessen an weiteren tabakassoziierten Erkrankungen versterben, also etwa an anderen Krebsarten oder an kardiovaskulären Erkrankungen.

Dennoch hält es das IQWiG für wahrscheinlich, dass sich der Effekt des Low-Dose-CT-Screenings auf die lungenkrebsspezifische Sterblichkeit auch im Gesamtüberleben niederschlägt.

Für die Hochrisikogruppe überwiegt der Nutzen den Schaden

Dem Nutzen der Untersuchung hinsichtlich des Überlebensvorteils steht wie immer auch ein Schaden gegenüber, der vornehmlich aus falschen Befunden und Überdiagnosen resultiert. So kommt es den Studien zufolge wegen falsch-positiver Befunde bei 1 bis 15 von 1000 Personen zu invasiven Abklärungseingriffen, die ohne das Screening nicht durchgeführt worden wären.

In der Gesamtabwägung sieht das IQWiG jedoch einen Anhaltspunkt für einen Nutzen des Low-Dose-CT-Screenings gegenüber keinem Screening. Für (ehemals) starke Raucherinnen und Raucher überwiegt der Nutzen des Low-Dose-CT-Lungenkrebsscreenings den Schaden.

Bis zum 04. August 2020 kann zu dem Vorbericht Stellung genommen werden.

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