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Qiagen sagt Übernahme ab, Aktie bricht ein

Der abgesagte Verkauf des Biotechnologie-Konzerns Qiagen hat am Donnerstag an der Wall Street ein Erdbeben ausgelöst. Die auch in New York notierte Aktie brach um ein Viertel ein, nachdem der Konzern bekanntgab, nun doch eigenständig bleiben zu wollen. Doch das letzte Wort ist vielleicht noch nicht gesprochen, heißt es heute.
dpa
PZ
27.12.2019  10:42 Uhr

Am Dienstagabend hatte das im MDax-Unternehmen mitgeteilt, dass Vorstand und Aufsichtsrat nach ergebnislosen Gesprächen mit Interessenten beschlossen hätten, dass der Konzern mit seinen 5200 Mitarbeitern doch eigenständig bleiben solle. Die Vorstöße der Kaufinteressenten seien nicht überzeugend gewesen, hatte es weiter geheißen. Aufsichtsratschef Hakan Björklund betonte, dass das Unternehmen auch aus eigener Kraft bestehen könne. »Wir haben ein starkes und differenziertes Portfolio an molekularen Testlösungen, das die Möglichkeit für signifikantes Wachstum bietet.« Nachdem Qiagen einer Übernahme den Riegel vorgeschoben hatte, haben sich in Deutschland viele Aktionäre von dem Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen abgewandt. Der Wert eines Anteilsscheins sackte am Freitag an der Frankfurter Börse um etwa ein Fünftel ab – mancher Anleger hatte wohl darauf spekuliert, bei der Übernahme kräftig Kasse machen zu können. Im November hatte Qiagen Übernahmegespräche verkündet. Als möglicher Käufer kam der US-Technologiekonzern Thermo Fisher Scientific in Betracht.

An der Börse wurden inzwischen Zweifel laut, ob mit der Entscheidung der Firmenspitze in Sachen Übernahme das letzte Wort gesprochen wurde. »Wir glauben, dass die Bieter weiterhin interessiert sind und mit oder ohne Zustimmung des Qiagen-Vorstands und des Aufsichtsrats irgendwann in der Zukunft ein Angebot für Qiagen abgeben könnten«, schrieb Analyst Sven Kürten von der DZ Bank in einem Kommentar vom Freitag. Kurzfristig werde die Aktie jedoch stark unter Druck geraten, da der Markt einen positiven Ausgang der Übernahmegespräche erwartet habe.

Der Gendiagnostik- und Biotechkonzern Qiagen  startete 1984 als Ausgründung der Düsseldorfer Universität, das Unternehmen kam 2018 auf einen Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Euro. Er hat aus rechtlichen Gründen seinen Zentralsitz mit nur relativ wenigen Mitarbeitern im niederländischen Venlo, der größte Standort ist Hilden bei Düsseldorf mit 1300 Beschäftigten. Qiagen stellt zum Beispiel Instrumente für Labore her sowie sogenannte Verbrauchsmaterialien für DNA-Tests, damit sind unter anderem Pipettenspitzen und Probenröhrchen gemeint.

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