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Covid-19-Impfstoffe

Praxen können ab Dienstag Impfstoff-bezogen bestellen

Am nächsten Dienstag werden die Ärzte erstmals selbst entscheiden können, wie viele Dosen welches Covid-19-Impfstoffes sie bestellen. Völlig frei sind die Praxen dabei allerdings nicht. Denn mehr als 30 Dosen Comirnaty und 50 Dosen Vaxzevria gibt es pro Mediziner vorerst nicht.
Stephanie Schersch
15.04.2021  09:32 Uhr

In der kommenden Woche können Ärzte und Apotheker bereits zum vierten Mal Covid-19-Impfstoffe bestellen und dennoch wird es eine Premiere sein. Erstmals müssen Ärzte die Vakzine nicht mehr generisch verordnen, sondern können selbst auswählen, wie viele Dosen Impfstoff vom welchem Hersteller sie beziehen wollen. Das steht nun nach einem Treffen der sogenannten High-Level-Group am Mittwochabend fest. In dieser Runde setzt sich das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) täglich mit Apothekern, Ärzten, dem Großhandel und dem Paul-Ehrlich-Institut zusammen.

In vielen Praxen dürfte diese Ankündigung Erleichterung bringen. Zuletzt hatte der Widerstand einiger Ärzte gegen den Astra-Zeneca-Imfpstoff Vaxzevria® für einen nervenaufreibenden Wochenstart auch in den Apotheken gesorgt. So wollten die Mediziner nicht akzeptieren, dass die Offizinen Comirnaty®(Biontech/Pfizer) und Vaxzevria in jeweils gleichem Umfang an die Hauarztpraxen verteilen. Stattdessen wollten sie nur das Biontech-Vakzin beziehen. Erst nach erneuten Beratungen mit dem BMG stand kurz vor Bestellschluss an diesem Dienstag schließlich fest: Ärzte müssen beide Präparate akzeptieren, wenn sie ein Teil der Impfkampagne sein wollen.

KBV empfiehlt Ärzten, beide Impfstoffe zu bestellen

Auch am gestrigen Mittwoch schwelte weiterhin Unmut in der Ärzteschaft. In der kommenden Woche sollen die Praxen nun immerhin Impfstoff-spezifisch bestellen können. Völlig frei sein werden sie dabei allerdings nicht, schließlich bleiben die Vakzine bis auf Weiteres ein knappes Gut. Für Kalenderwoche 17 (26. April bis 2. Mai) sollen nach Zahlen aus dem BMG insgesamt 1,5 Millionen Dosen in die Praxen kommen. Knapp 70 Prozent davon werden auf Comirnaty entfallen, 30 Prozent auf Vaxzevria.

Auch wenn damit deutlich mehr Biontech-Dosen zur Verfügung stehen – verschmähen sollten die Ärzte Astra-Zeneca auch bei den Bestellungen in der kommenden Woche nicht. »Um möglichst viele Patienten impfen zu können, wird dringend empfohlen, beide Impfstoffe zu bestellen«, heißt es bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Die Praxen können demnach 18 bis maximal 30 Dosen Comirnaty (drei bis fünf Vials) ordern sowie 10 bis maximal 50 Dosen Vaxzevria (ein bis fünf Vials). Im Klartext bedeutet das: Wer nur auf einen der beiden Impfstoffe setzt, muss dafür akzeptieren, dass er entsprechend weniger Dosen als die maximal zulässige Menge bekommt. Das stellt auch die ABDA in einem Rundschreiben an die Mitgliedsorganisationen klar. »Bestellt der Arzt nur einen der beiden Impfstoffe, erhöht sich ‒ sofern gekürzt werden muss ‒ die Liefermenge für diesen Impfstoff nicht aufgrund der Nicht-Bestellung des zweiten Impfstoffs.« Grundsätzlich sollte jede Praxis nach Möglichkeit mindestens drei Vials Comirnaty und ein Vial Vaxzevria bekommen.

Die Apotheken müssen die Dosis-bezogene Bestellungen der Ärzte auch in der kommenden Woche wieder aufmerksam prüfen, in Vials umrechnen und unter Umständen einkürzen. In keinem Fall dürfen sie aufstocken und mehr Dosen ordern als auf den Rezepten stehen. Wie bislang auch ordern die Apotheken die Vials beider Impfstoffe über die vereinbarten Sonder-PZN für Comirnaty (17377588) und Vaxzevria (unter der Bezeichnung »COVID-19 Vaccine AstraZeneca Inj.-Suspension BUND« PZN 17377625). Das erforderliche Impfzubehör legt der Großhandel den Bestellungen automatisch bei.


 

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