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Plasmatherapie

Pilotstudien zeigen gute Wirksamkeit bei Covid-19

Die Gabe von Antikörper-reichem Blutplasma von genesenen SARS-CoV-2-Infizierten soll schwer erkrankten Covid-19-Patienten helfen. Dass dieser Ansatz wirkt, zeigen zwei kleine Studien aus China .
Christina Hohmann-Jeddi
08.04.2020
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Da noch keine spezifische antivirale Therapie gegen SARS-CoV-2 existiert, arbeiten Forscher an einer Alternative: Das Antikörper-reiche Plasma von Genesenen einzusetzen. In Deutschland testen neben dem Universitätsklinikum Erlangen auch die Medizinische Hochschule Hannover und das Universitätsklinikum Münster den Einsatz von Plasma. Auch an der Uniklinik Ulm ist eine entsprechende Studie in Planung. In den USA hat die Aufsichtsbehörde FDA inzwischen die Verwendung von Plasmapräparaten von genesenen Patienten zur Behandlung von Menschen, die schwer an Covid-19 erkrankt sind, zugelassen. Das Prinzip dahinter: Akut Erkrankte, die noch keine eigenen Antikörper gebildet haben, bekommen diese von Personen gespendet, die die Infektion schon durchgemacht haben.

Dass dieser Ansatz erfolgreich sein kann, zeigen zwei Untersuchungen aus China. Forscher um Kai Duan von der China National Biotec Group Company Limited in Peking berichten im Fachjournal »PNAS« von zehn schwer an Covid-19 erkrankten Patienten, die je 200 ml Rekonvaleszenten-Plasma erhalten hatten (DOI: 10.1073/pnas.2004168117). Die Patienten waren zwischen 34 und 78 Jahre alt. Innerhalb von drei Tagen nach der Transfusion besserten sich die klinischen Symptome wie Fieber, Husten, Kurzatmigkeit und Brustschmerzen, berichten die Forscher. Die Lymphozytenzahl stieg, Leber- und Lungenfunktion verbesserten sich und die Entzündungsreaktion wurde gedämpft. Die Anzahl der neutralisierenden Antikörper blieb nach der Transfusion hoch.

Sieben Tage nach der Plasmagabe bildeten sich die Lungenschäden zurück, was in Computertomografie-Aufnahmen zu erkennen war. Es waren keine Nebenwirkungen der Therapie zu beobachten. Obwohl es sich um vorläufige Ergebnisse handelt, halten Duan und Kollegen die Therapie mit Rekonvaleszenten-Plasma bei Covid-19 für vielversprechend.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen Forscher um Dr. Chenguang Shen, die ihre Erfahrungen im Fachjournal »JAMA« vorstellen (DOI: 10.1001/jama.2020.4783). Das Team hatte fünf kritisch kranke Covid-19-Patienten im Alter von 36 bis 65 Jahren in Shenzhen mit je 400 ml Rekonvaleszenten-Plasma mit hohem IgG-Titer behandelt. Alle fünf Patienten hatten auf vorherige Therapien mit antiviralen Wirkstoffen und Steroiden nicht angesprochen und mussten wegen eines akuten Lungenversagens (ARDS) beatmet werden.

Die passive Immunisierung führte bei allen zu einer raschen Stabilisierung. Innerhalb von drei Tagen nach der Infusion normalisierte sich bei vier der Patienten die Körpertemperatur und innerhalb von zwölf Tagen die Viruslast. Das akute Lungenversagen konnte bei vier Patienten behoben werden, bei drei Patienten konnte innerhalb von zwei Wochen nach der Behandlung die Beatmung eingestellt werden. Drei Patienten wurden inzwischen entlassen, die beiden anderen sind nach insgesamt 37 Tagen in stabiler Verfassung. Den Forschern zufolge hat die Methode Potenzial, der Nutzen der passiven Immunisierung müsse aber in größeren Studien getestet werden. 

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