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Phoenix schließt weitere Konditionenkürzungen nicht aus

Auf Apotheken, die beim Großhändler Phoenix bestellen, könnten in den kommenden Monaten weitere Kostensteigerungen zukommen. Das geht aus der am heutigen Dienstag veröffentlichten Jahresbilanz des Mannheimer Konzerns hervor. Transport- und Energiekosten machen demnach rund 15 Prozent der Gesamtkosten des Konzerns aus – man werde zu »kompensierenden Maßnahmen« greifen müssen.
Benjamin Rohrer
24.05.2022  17:00 Uhr

Der Pharmahandelskonzern Phoenix hat am heutigen Dienstag seine Bilanz für das Jahr 2021 vorgestellt. Demnach ist der Gesamtumsatz um knapp 9 Prozent auf 30,7 Milliarden Euro gestiegen. Das Ergebnis vor Steuern ist minimal gesunken, von 298,7 Millionen Euro auf 298 Millionen Euro. Bereinigt um Pandemie-bedingte Einmaleffekte erhöhte sich das Ergebnis vor Steuern allerdings auf rund 335 Millionen Euro.

Größter Markt für Phoenix bleibt weiterhin Deutschland, wo der Konzern im vergangenen Jahr 10,7 Milliarden Euro umsetzte – also knapp 10 Prozent mehr als noch 2020. Die Phoenix Group ist derzeit in 26 europäischen Ländern aktiv und beschäftigt rund 40.000 Mitarbeiter. In 13 Ländern betreibt Phoenix einen Großhandel und beliefert insgesamt rund 70.000 Apotheken. Aber auch Apothekenketten gehören weiterhin zum Kerngeschäft des Konzerns – mehr als 2800 Betriebsstätten gehören in Europa zu Phoenix, rund 1500 davon werden unter der Marke Benu geführt.

Digitalisierung, Energiepreise, McKesson-Übernahme

Mit Blick auf das Geschäftsjahr 2022/2023 sind es derzeit drei große Themen, die den Phoenix-Konzern beschäftigen: die Digitalisierung, die steigenden Energiekosten und die Teil-Übernahme des McKesson-Europe (Ex-Celesio)-Geschäftes. Was die Digitalisierung betrifft, will der Konzern weiter auf den Ausbau von Omnichannel-Angeboten setzen, also die Verbindung des stationären und digitalen Handels. In Deutschland setze man weiterhin auf »gesund.de« – das Gesundheitsportal, das Phoenix unter anderem mit dem Noventi-Konzern betreibt. Im Vereinigten Königreich betreibt der Mannheimer Konzern mit »Hey Pharmacist« bereits eine ähnliche Plattform, bei der Patienten nach einer Konsultation beim Online-Arzt Folgerezepte an die Apotheken weiterleiten können.

Individuelle Vereinbarungen mit Apotheken

Ebenfalls noch lange beschäftigen dürften den Pharmahandelskonzern die gestiegenen Energiekosten. Im Pressegespräch zu den Jahreszahlen erklärte Konzernchef Sven Seidel, dass man beim Gas mit Steigerungen von bis zu 275 Prozent rechne und beim Strom um Preiserhöhungen von bis zu 75 Prozent. Zudem rechne man mit einem Benzin-Durchschnittspreis von 2,10 Euro im Jahr 2023. Man habe daher schon jetzt die Konditionen der Apotheken angepasst – dafür gebe es allerdings keinen »flächendeckenden Ansatz«. Vielmehr sei man dabei, individuelle Vereinbarungen mit den Apotheken zu treffen.

Schaut man sich die Details zu diesem Thema in der Jahresbilanz an, wird jedoch schnell klar, dass die seit März dieses Jahres erfolgte Anpassung der Apotheken-Konditionen nicht die letzte gewesen sein wird. Denn in dem Geschäftsbericht heißt es, dass Transport- und Energiekosten etwa 15 Prozent der Gesamtkosten von Phoenix ausmachen. Und weiter: »Angesichts der Unsicherheiten über den Fortgang von Rohstofflieferungen aus Russland nach Europa besteht das Risiko, dass es künftig zu weiteren Preissteigerungen im Treibstoff- und Energiesektor kommen könnte. Durch kompensierende Maßnahmen wird die Phoenix Group versuchen, daraus resultierende negative Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage zu reduzieren.« Konzernchef Seidel verteidigte zudem grundsätzlich das Vorgehen, die gestiegenen Kosten an die Apotheken durchzureichen. Auch im kommenden Geschäftsjahr erwarte man im deutschen Großhandel einen hohen Margendruck, der durch Kostensteigerungen in zweistelliger Millionenhöhe flankiert werde. Man müsse daher Anpassungen vornehmen, um das System aufrechtzuerhalten. Mit diesem Vorgehen ist der Phoenix-Konzern jedoch nicht allein: Die PZ hatte zuvor ausführlich über Anpassungen bei allen anderen größeren Grossisten berichtet.

Widerspricht Frankreich beim McKesson-Deal?

Nicht einfach ist die Lage auch bei der Teil-Übernahme des Phoenix-Konkurrenten McKesson Europe (ehemals Celesio). Im vergangenen Jahr hatte die Phoenix Group bekanntgegeben, dass man große Teile des Europa-Geschäfts von McKesson übernehmen wolle, darunter die Aktivitäten in Belgien, Irland, Italien, Portugal, Frankreich, Slowenien. Auch die Stuttgarter Firmenzentrale von McKesson will Phoenix übernehmen. Seidel teilte heute mit, dass die EU-Kommission den Zusammenschluss bereits freigegeben habe. Aber: Die französischen Kartellbehörden hätten sich zu Wort gemeldet und Nachfragen zu dem Geschäft. Da man die Übernahme nur »gesamthaft« abschließen könne, sei man nun auf die Abstimmung mit Frankreich angewiesen. Er sei aber zuversichtlich, dass dies bald gelinge, so Seidel.

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