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Metaanalyse

Pharmazeutische Betreuung ist gut für das Herz

Patienten mit Herzinsuffizienz haben in der Regel eine schlechte Prognose und Lebensqualität bei einer komplexen Medikation. Können Apothekerinnen und Apotheker durch pharmazeutische Betreuung eine Verbesserung erzielen? Eine neue Metaanalyse hat dies untersucht.
Daniela Hüttemann
26.07.2021  18:00 Uhr

Ein Team aus Klinischen Pharmazeuten und Kardiologen aus Kanada, den Niederlanden und Deutschland hat unter der Federführung von Professor Dr. Martin Schulz, Geschäftsführer Arzneimittel bei der ABDA und Honorarprofessor für Pharmazie an der Freien Universität Berlin, hat den Wissensstand zur Wirksamkeit pharmazeutischer Betreuung bei ambulant betreuten Patienten mit Herzinsuffizienz zusammengetragen. Zu dem Thema fanden sie 24 randomisierte kontrollierte Studien aus zehn Ländern in der Literatur, darunter auch die PHARM-CHF-Studie aus Deutschland, an der einige der Review-Autoren selbst beteiligt waren. Insgesamt haben an den eingeschlossenen Studien 8029 Patienten teilgenommen. Sie liefen über 30 Tage bis zu fast fünf Jahren. Die Ergebnisse sind vor Kurzem im Fachjournal »ESC Heart Failure« der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie erschienen.

Die pharmazeutischen Interventionen umfassten beispielsweise Medikationsmanagement, Begleitung der Symptomkontrolle oder Schulung der Patienten; je nach Studie in der Apotheke, beim Patienten zu Hause, telefonisch oder bei der Entlassung aus dem Krankenhaus. Das half messbar, das Wissen der Patienten zum Umgang mit ihrer Erkrankung zu verbessern, ihre körperlichen Funktionen zu stärken oder ihre Therapie zu managen. In fünf von sieben Studien wurde auch nachgewiesen, dass die Einnahmetreue (Adhärenz) der Patienten für ihre Medikation signifikant stieg. Zudem sorgte das Medikationsmanagement dafür, dass die Patienten eine leitliniengerechte Therapie erhielten. Insgesamt halfen diese Maßnahmen, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Das Risiko für eine Krankenhauseinweisung aufgrund der Herzinsuffizienz konnte zwar leicht gesenkt werden (Odds Ratio 0,89), doch war dieser Unterschied knapp nicht statistisch signifikant gegenüber »normal« betreuten Patienten (95%-Konfidenzintervall 0,77–1,02). Gleiches gilt für die Gesamtsterblichkeit (Odds Ratio 0,97; 95%-KI 0,84–1,12) und Hospitalisierung aus jeglichem Grund (Odds Ratio 0,86; 95%-KI 0,73–1,03). 

Dass sich kein signifikanter Benefit in Bezug auf die Sterblichkeit oder Krankenhauseinweisungen nachweisen ließ, könne den Autoren zufolge daran liegen, dass ambulante Patienten ein geringeres Risiko für (Re-)Hospitalisierungen haben als stationäre und man solche Interventionseffekte daher nur mit Studien mit sehr vielen Patienten über einen längeren Zeitraum zeigen könne. Diese Studien fehlen aber.

Unbestreitbar sei aber die Steigerung der Adhärenz, allerdings lasse diese sich auch nur solange erhöhen, wie die Betreuung andauere. Daher seien regelmäßige Termine zum Follow-Up in der Apotheke sinnvoll.

Wie genau können Apotheker Herzinsuffizienz-Patienten unterstützen?

»Trotz erwiesener Vorteile und strenger Leitlinienempfehlungen sind der Einsatz und die Dosierung von Medikamenten in der klinischen Routinepraxis nach wie vor suboptimal«, bemängeln die Autoren. Die Einbeziehung von Apothekern in ein multidisziplinäres Versorgungsteam verbessere den leitliniengerechten Einsatz von Medikamenten bei Herzinsuffizienz. Als Mitglied des Teams würden sie mit ihrem fundierten Wissen über eine sichere und effiziente Arzneimitteltherapie besonders zur Optimierung der medikamentösen Therapie beitragen, indem sie Medikationsüberprüfungen durchführen, Arzneimittelinteraktionen vermeiden und die Adhärenz unterstützen.

In der Nationalen Versorgungsleitlinie Herzinsuffizienz wird diese Einbindung von Apothekern in ein interdisziplinäres Team sogar schon seit einigen Jahren umgesetzt. »Die Gesamtheit der Evidenz legt nahe, dass Apotheker Teil der ambulanten Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz sein sollten«, so auch das Fazit der Autoren um Schulz. Sie empfehlen konkret:

  1. Die Durchführung von Medikationsanalysen inklusive Erstellung eines Medikationsplans: Wendet der Patient die Medikamente auch wie verordnet an? Ist die Medikation leitliniengerecht? Gibt es Doppelmedikationen oder Interaktionen? Stimmt die Dosierung? Lässt sich das Einnahmeschema im Alltag umsetzen? Welche Präparate nimmt der Patient noch – auch  in der Selbstmedikation – e in und gibt es hier Probleme?
  2. Unterstützung bei der Therapietreue: Falls es Adhärenzprobleme gibt – woran liegt es? Dem Patienten erklären, warum die richtige Anwendung so wichtig ist und wie sie geht, Dosierhilfen anbieten oder die Medikamente stellen, den Medikationsplan aktualisieren und mit dem Patienten besprechen.
  3. Unterstützung der Symptomkontrolle: Bei Apothekenbesuchen den Blutdruck und Puls der Patienten messen, Tagebücher oder andere Hilfen für die Selbstmessung von Werten wie Gewicht und Blutdruck anbieten.
  4. Den Patienten im Umgang mit seiner Erkrankung schulen: Wie kann er die Medikamentenanwendung im Alltag umsetzen? Was ist Herzinsuffizienz, wie äußern sich die Symptome, wie lassen sie sich managen und was wären sonst die Folgen? Wie erkenne ich frühzeitig Ödeme? Was sollte ich wie selbst messen und was sagen mir die Ergebnisse? Wie wirken die Medikamente und welche Nebenwirkungen können auftreten? Tipps zu Ernährung und Lebensstil.

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