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SARS-CoV-2 Diagnostik

PCR-Verfahren ist Antikörper-Schnelltest vorzuziehen

Experten warnen vor dem Einsatz von Antikörper-Schnelltests zum Nachweis von SARS-CoV-2 Infektionen, denn diese Tests können negativ ausfallen, auch wenn die Betroffenen eventuell bereits hoch infektiös sind.
Carolin Lang
12.03.2020
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Abstrich-Untersuchungen mit etablierten PCR-Verfahren bleiben das Mittel der Wahl zum Nachweis einer Infektion mit SARS-CoV-2. Das meldeten kürzlich die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM e.V.) und der Berufsverband der Ärzte für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie (BÄMI e.V.). Die in Deutschland entwickelte PCR-Methode gelte als Goldstandard und werde im ambulanten Bereich deutschlandweit von 40 Laboren angewendet. Auch international sei die Methode etabliert.

Der Einsatz von Schnelltests sei demgegenüber der falsche Ansatz. Denn die aktuell vermarkteten Schnelltests weisen nicht direkt den Erreger nach, sondern die gegen den Erreger gerichteten Antikörper. Diese müssen vom Infizierten erst produziert werden. »Antikörper sind bei Virusinfektionen wie mit dem SARS-CoV-2 meist frühestens eine Woche nach Erkrankungsbeginn nachweisbar, in der Regel sogar erst nach 14 Tagen. Für SARS-CoV-2 liegen noch gar keine gesicherten Erkenntnisse hierzu vor«, so die Ärztliche Leiterin der Diagnostik im Institut für Virologie des Universitätsklinikums Freiburg. Dementsprechend kann solch ein Test auch bei Infizierten negativ ausfallen.

Ein weiteres Problem mit den Schnelltests sei, dass ein positiver Nachweis eventuell auch auf eine frühere Infektion mit anderen Coronaviren zurückgehen könnte. Daher benötige jeder Schnelltest die Bestätigung durch einen PCR-Test. Das verschwende Ressourcen im Gesundheitswesen. Weder das Robert-Koch-Institut noch die Weltgesundheitsorganisation empfehlen die Antikörper-Schnelltests.

Für die effiziente Betreuung von Infizierten und Verdachtsfällen sei ein möglichst schneller Befund nötig. Proben, die am Nachmittag in einem Labor eintreffen, können häufig noch bis zum Abend untersucht werden, berichtet Dr. Michael Müller, erster Vorsitzender der ALM, in der Mitteilung. Bei negativem Testergebnis läge dieses bereits am nächsten Vormittag beim einsendenden Arzt vor. Fällt der erste Test positiv aus, werde hingegen ein zweiter spezifischer Test durchgeführt. »Innerhalb eines Tages nach Probeneingang im Labor liegt in aller Regel sogar das bestätigte Ergebnis vor«, erklärt Müller.

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