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Review

Parkinson-Patienten sollen Betablocker weiter nehmen

Betablocker stehen im Verdacht, das Parkinson-Risiko zu erhöhen. Die Datenlage für einen Kausalzusammenhang ist jedoch noch dünn, fasst ein aktuelles Review zusammen – und warnt davor, Betablocker aus Sorge vor Parkinson abzusetzen. Der Nutzen sei ungleich höher als das mögliche Risiko, so die Experten.
PZ
30.01.2020
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Laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) haben epidemiologische Studien einen möglichen Zusammenhang zwischen der Langzeiteinnahme von Betablockern und dem Risiko für eine Parkinson-Erkrankung gezeigt. Dagegen sank das Risiko unter einer dauerhaften Behandlung mit Beta-Agonisten. Darüber hinaus hatte eine experimentelle Arbeit gezeigt, dass der Betablocker Propanolol die Produktion von α-Synuclein, dem Hauptbestandteil der Lewy-Körper, hochreguliert. Bekannt ist, dass eine Überproduktion des Proteins α-Synuclein zu einem häufigeren Auftreten von bestimmten Parkinson-Formen sowie der Lewy-Körperchen-Demenz führt. 

»Anlass für den neuen Review war, dass wir von Ärzten gefragt wurden, ob Propranolol bei ihren Patienten nun abzusetzen ist« sagt Professor Dr. Günther Deuschl, Korrespondenzautor der Übersichtsarbeit, die diese Woche in »Lancet Neurology« erschienen ist. Kliniker neigten dazu, epidemiologischen Untersuchungen hohes Vertrauen zu schenken. »Die Assoziationen zwischen Betablockern und erhöhtem Parkinson-Risiko könnten aber auch Resultat statistischer Verzerrungen und Störfaktoren sein«, erläutert Privatdozentin Dr. Franziska Hopfner, Erstautorin der Studie, in einer Pressemitteilung der DGN. Sie verweist darauf, dass Beobachtungsstudien keine Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge nachweisen können – und somit oft zu einem »Henne-Ei-Problem« führen.

Der neue Review relativiert die vorangegangenen Studien: »Unsere Untersuchung konnte zeigen, dass das erhöhte Risiko für Parkinson unter Betablockern nicht mehr nachweisbar war, wenn Patienten mit Tremor ausgeschlossen werden.« Ein unspezifisches Zittern gehöre zu den sehr frühen, wenn auch uncharakteristischen Vorzeichen eines Morbus Parkinson.

Vermutlich sei Propanolol zur symptomatischen Behandlung des Tremors eingesetzt worden, bevor die betroffenen Patienten die Diagnose Parkinson erhielten. Damit wäre Propanolol nicht der Verursacher, sondern die Erkrankung lag bereits im Frühstadium vor. »Das würde auch erklären, warum Primidon, das ebenfalls zur Tremorbehandlung eingesetzt wird, auch mit einem erhöhten Parkinson-Risiko assoziiert zu sein schien – ein Effekt, der ebenfalls verschwindet, wenn man diese Patienten aus der Statistik ausschließt«, schreibt die DGN.

Umgekehrt sei auch ein kausaler Zusammenhang zwischen Beta-Agonisten (Salbutamol) und einem vor Parkinson schützendem Effekt bislang nicht bestätigt. Hier könnten andere Faktoren eine Rolle spielen, zum Beispiel das Rauchen: Verschiedene Beobachtungsstudien hätten gezeigt, dass Raucher seltener an Parkinson erkranken als Nichtraucher. »Insbesondere starke Raucher gehören jedoch prinzipiell zu der Gruppe chronisch lungenkranker Patienten, die regelmäßig Beta-Agonisten verordnet bekommen, sodass ein vermeintlich schützender Effekt der Beta-Agonisten bei diesen Patienten auch über den Nikotinkonsum zu erklären sein könnte«, so die DGN.

Keinen Herzinfarkt riskieren

»Natürlich ist Nikotin nicht als Parkinson-Prophylaxe zu empfehlen«, betont Hopfner. Das Risiko, an den bekannten Folgen des Rauchens zu erkranken und zu versterben, sei deutlich höher als überhaupt eine Parkinson-Erkrankung zu bekommen. »Umgekehrt ergibt es natürlich auch keinen Sinn, zur Senkung des Parkinson-Risikos auf Betablocker zu verzichten und dafür beispielsweise einen Herzinfarkt zu riskieren oder einen Bluthochdruck nicht zu behandeln.«

Betablocker wie Propanolol und Metropolol seien erwiesenermaßen bei Bluthochdruck und bestimmten Herzerkrankungen lebensverlängernd, zum Beispiel in der Sekundärprophylaxe von Herzinfarkten. »Auch bei neurologischen Erkrankungen wie Migräne und dem essenziellen Tremor sind Betablocker aus der Therapie nicht mehr wegzudenken und können die Lebensqualität der Betroffenen deutlich steigern«, betonen die Neurologen.

»Selbst, wenn ein kausaler Zusammenhang zwischen Betablockern und der Parkinson-Krankheit bestehen würde, was derzeit nicht bewiesen ist, so ist er nach jetzigem Kenntnisstand als gering einzustufen«, ergänzt Hopfner. Laut neuer Übersichtsarbeit würde rechnerisch nur eine einzige Parkinsonerkrankung bei 10.000 Patienten nach fünf Jahren Propranolol-Behandlung verursacht. »Das entspricht in der Pharmakologie dem Status einer äußerst seltenen Nebenwirkung«, betont die Autorin. »Ärzte und Patienten sollten daher keinesfalls in Panik geraten und aus Sorge, als Spätfolge der Therapie eine Parkinson-Krankheit zu induzieren beziehungsweise zu erleiden, Betablocker absetzen. Damit würde der Gesundheit mehr geschadet als genutzt.«

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