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Teststrategie

Österreich verteilt Corona-Selbsttests über Apotheken

Unser Nachbarland Österreich erweitert seine Teststrategie Schritt für Schritt. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) setzt dabei auf die Mithilfe der Apotheken. Seit einer Woche führen die österreichischen Apotheken kostenlose Antigentests durch. Ab 1. März sollen die Apotheken zudem fünf Selbsttests pro Person und Monat gratis an alle Österreicher abgeben. 
Charlotte Kurz
15.02.2021  17:02 Uhr

In Deutschland wird derzeit sehnlichst auf die ersten zur Eigenanwendung zertifizierten Antigentests gewartet. Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sollen die ersten Selbsttests Anfang März auf den Markt kommen. Es könnte sein, dass allerdings bereits auch schon früher entsprechende Tests in die Apotheken und Drogeriemärkte kommen. Allerdings werden die Tests zur Eigenanwendung in Deutschland vermutlich zunächst auf Selbstzahlerleistung erfolgen. In Österreich gibt es die Corona-Selbsttests schon seit Januar. In unserem Nachbarland müssen die Hersteller allerdings keine entsprechende CE-Zertifizierung für Laien und entsprechende Laienstudien vorweisen. Dort reicht es aus, eine Selbstverpflichtung auszufüllen und zu unterschreiben, um die Tests befristet bis Ende Juni 2021 auch an Laien verkaufen zu dürfen. Damit sind bereits mehr als 100 Schnelltests für den Eigengebrauch auf dem österreichischen Markt.

Um die Pandemie effektiv bekämpfen zu können, will die österreichische Regierung die Teststrategie ausweiten und mithilfe von Selbsttests in der Breite und in allen Bevölkerungsschichten testen, heißt es in Medienberichten. Nun hatten Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Die Grünen) angekündigt, alle Österreicher kostenlos mit Selbsttests zu versorgen. Ab 1. März wird es pro Person fünf kostenlose Antigentests zur Eigenanwendung pro Monat geben, erklärte eine Pressesprecherin des Gesundheitsministeriums in Wien gegenüber der PZ.

Die Tests sollen dabei über alle Apotheken, die an dieser Abgabe teilnehmen möchten, bezogen werden. Dabei werden die Qualitätsstandards aktuell definiert, so die Sprecherin. Danach starte der Beschaffungsprozess. Weitere Details, wer genau die Tests erhält, wie die Abrechnung über die Apotheken erfolgen soll und ob die Apotheker ein Honorar für die Testabgabe erhalten, werden derzeit noch erarbeitet, betonte das Ministerium. Die Vermutung liegt aber nahe, dass die Abrechnung über die Krankenversicherungen erfolgen und der Bund für die Kosten aufkommen wird.

Die Abgabe der kostenlosen Selbsttests über das Netz der Apotheken sei als positives Symbol zu bewerten, sagte ein Sprecher der Apothekerkammer Österreich der PZ. Es zeige, welchen wichtigen Beitrag die Apotheken bei der Pandemiebewältigung leisten.

Apotheken wichtiger Bestandteil der Teststrategie

In Österreich gilt seit einer Woche eine neue Corona-Verordnung. Damit konnten nach einem längeren Lockdown Geschäfte, aber auch Friseure, wieder öffnen. Bei körpernahen Dienstleistungen, also beispielsweise beim Friseurbesuch, muss jedoch ein negatives Testergebnis, das nicht älter als 48 Stunden sein darf, vorgezeigt werden. Um den Zugang zu diesen Tests zu erleichtern, ermöglichte die österreichische Regierung kostenlose Antigentests in vielen Apotheken in ganz Österreich. Bereits mehr als 800 der insgesamt 1.400 Apotheken bieten die kostenlosen Tests mittlerweile an. Die kostenlosen Tests in der Apotheke werden sehr gut angenommen.

Die Antigen-Schnelltests, die in der Apotheke durchgeführt werden, heißen auch Zutrittstest. Die Selbsttests jedoch, die ab März kostenlos verfügbar sein sollen, dienen nicht als Zutrittstests sondern lediglich »zur Eigenkontrolle«. Und weiter: »Sie sind lediglich ein ‚Vortest‘, zum Beispiel um bei einem leichten Schnupfen gleich eine erste Einschätzung zu bekommen«, so das Ministerium auf PZ-Nachfrage. Zudem heißt es, sollen die Selbsttests insbesondere in den Schulen verstärkt zum Einsatz kommen, um einen normaleren Schulalltag ermöglichen zu können.

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