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Seltene Lebererkrankung

Odevixibat ist erste zugelassene Pharmakotherapie

Die progressive familiäre intrahepatische Cholestase (PFIC) ist eine seltene und lebensbedrohliche Lebererkrankung. Seit Mitte September ist mit Odevixibat die erste medikamentöse Therapieoption im deutschen Handel.
Sven Siebenand
29.09.2021  07:00 Uhr

PFIC-Patienten haben einen gestörten Gallensäurefluss, der durch genetische Mutationen verursacht ist. Die daraus resultierende Gallensäure-Ansammlung in der Leber sorgt für weitreichende Probleme. Starker Juckreiz tritt sehr häufig auf und beeinflusst die Lebensqualität. Weitere Symptome bei der auch Byler-Syndrom genannten Erkrankung sind Gelbsucht, Probleme bei der Gewichtszunahme und verlangsamtes Wachstum. In vielen Fällen führt PFIC innerhalb der ersten zehn Lebensjahre zu Zirrhose und Leberversagen. Zur Behandlung gab es bislang ausschließlich chirurgische Optionen, zu denen die partielle externe Gallediversion und die Lebertransplantation gehören.

Odevixibat (Bylvay®, 200 µg, 400 µg, 600 µg und 1200 µg Hartkapseln, Albireo) ist der erste zugelassene Arzneistoff für die Behandlung von PFIC. Er darf ab einem Alter von sechs Monaten zum Einsatz kommen und wirkt lokal im Krummdarm. Der Wirkstoff hemmt dort den ilealen Gallensäuretransporter (IBAT). Über diesen wird normalerweise der Großteil der Gallensäuren rückresorbiert. Wird IBAT gehemmt, wird mehr Gallensäure ausgeschieden und der Gallensäure-Spiegel im Blut und in der Leber sinkt. Dies verhindert bei den Betroffenen zu starke Ansammlungen von Gallensäuren und eine Schädigung des Lebergewebes.

Der Wirkmechanismus setzt voraus, dass der enterohepatische Kreislauf von Gallensäuren und der Gallensalztransport in den Gallenkanälchen erhalten ist. Die Wirksamkeit von Odevixibat kann verringert sein, wenn zum Beispiel die gastrointestinale Mobilität beeinträchtigt ist. Bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung sollte der Arzt eine häufigere Überwachung auf Nebenwirkungen in Betracht ziehen.

Die empfohlene Dosis beträgt 40 µg/kg Körpergewicht. Wenn das Arzneimittel nach drei Monaten nicht ausreichend wirkt, darf die Dosis auf bis zu 120 µg/ kg Körpergewicht gesteigert werden. Die Kapseln sollen einmal täglich morgens eingenommen werden. Sie können entweder im Ganzen geschluckt oder zusammen mit Lebensmitteln eingenommen werden. Ist Letzteres vorgesehen, sollen die Kapseln der gesamten Dosis vorsichtig geöffnet und die enthaltenen Pellets auf weiche Nahrung gestreut und eingerührt werden. Das Gemisch soll sofort verzehrt werden; es darf nicht für den späteren Verzehr aufbewahrt werden. Nach der Einnahme soll der Patient ein Glas Wasser trinken.

Vielversprechende Studiendaten

In einer randomisierten und placebokontrollierten Doppelblindstudie mit 62 PFIC-Patienten im Alter von sechs Monaten bis 18 Jahren wurde Odevixibat in zwei unterschiedlichen Dosierungen (40 und 120 µg/kg KG/d) untersucht. Primärer Wirksamkeitsendpunkt war die Anzahl der Patienten, deren Gallensäurespiegel im Blut nach 24-wöchiger Behandlung um mindestens 70 Prozent sank oder die in Woche 24 einen Wert von 70 µmol/l oder darunter erreichten. Dieses Ziel erreichte kein Patient unter Placebo, jedoch zusammengefasst 33 Prozent der Patienten unter Odevixibat. Ferner zeigte die Studie, dass die Verum-Behandlung zum Beispiel Juckreiz lindern und verzögertes Wachstum verhindern konnte.

Häufig beobachtete Nebenwirkungen sind weicher Stuhl, Durchfall und Bauchschmerzen. Auch eine Lebervergrößerung tritt häufig auf. Zu bedenken ist, dass die Behandlung mit Odevixibat die Aufnahme fettlöslicher Vitamine wie Vitamin A, D und E beeinflussen kann und deren Spiegel gegebenenfalls überwacht werden sollten. Zudem kann die Behandlung die Resorption fettlöslicher Arzneimittel beeinflussen.

Letzteres spielt auch für Frauen im gebärfähigen Alter unter Umständen eine Rolle. Sie sollten unter Bylvay eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Da die Aufnahme von lipophilen oralen Kontrazeptiva durch Odevixibat beeinträchtigt werden kann, sollte eine Barrieremethode angewendet werden. Die Einnahme während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird nicht empfohlen. Bei Stillenden muss eine Entscheidung getroffen werden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung verzichtet wird.

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