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Maßgeschneiderte Wirkstoffe gegen Covid-19

Nur noch eine Frage der Zeit

Vor diesem Hintergrund sei es fast verwunderlich, dass zumindest einzelne Arzneistoffe für die Behandlung von Covid-19 in recht kurzer Zeit zugelassen wurden. Inzwischen wisse man, dass es mehrere Ansätze gebe, die potenzielle Targets für antivirale Substanzen darstellen. Zwei Schlüsselenzyme spielten hier intrazellulär eine wichtige Rolle, eines davon ist die RNA-abhängige RNA-Polymerase. »Der erste Ansatz, der auf die Hemmung der RNA-Polymerase abzielt, war Remdesivir«, informierte Schubert-Zsilavecz. Das Virustatikum sei inzwischen von der EMA unter bestimmten Bedingungen zugelassen worden. Hier sei nach kritischer Abwägung gesagt worden, dass »die Substanz zwar nicht das Gelbe vom Ei ist«, aber angesichts der Tatsache, dass es derzeit nichts Besseres gebe, es besser sei, diese Substanz dort einzusetzen, wo eine Evidenz vorliegt. Dies ist der Fall bei schwer an Covid-19 Erkrankten, die beatmet werden müssen. Hier könne Veklury® bei einzelnen Patienten die Krankheitsdauer verkürzen. Keinen positiven Effekt habe das Virustatikum allerdings auf die Mortalität.

Neben Remdesivir sei eine weitere antivirale Substanz bei Covid-19 zugelassen worden: Das ursprünglich als Grippemittel eingesetzte Favipiravir sei in Russland auf die Schnelle zugelassen worden. »Die bisher verfügbaren Daten zeigen, dass die Wirkung eher lausig ist«, kommentierte Schubert-Zsilavecz. Ob der Wirkstoff bei der EMA die Hürde der Zulassung geschafft hätte, stellte er infrage.

Zurück zur Wirkstoffentwicklung: Inzwischen sei die räumliche Struktur der Corona-Polymerase entschlüsselt worden: »Wir können den Steckbrief unseres Feindes an die Wand pinnen.« Auf dieser Basis würden nun mit Nachdruck in chemischen Laboren antivirale Substanzen entwickelt, die die RNA-Polymerase viel effektiver als Remdesivir hemmten. Schubert-Zsilavecz zeigte sich überzeugt, dass spätestens im Frühjahr erste Kandidaten in der klinischen Prüfung sein werden.

In ähnlicher Weise stelle sich die Situation für ein zweites Schlüsselenzym der Virusvermehrung von SARS-CoV-2 dar: die Protease. Schubert-Zsilavecz erinnerte daran, dass es auch hier Überlegungen gegeben habe, mit Protease-Inhibitoren, die bereits in anderen Indikationen eingesetzt werden wie Ritinavor/Lopinavir bei HIV, Therapieversuche zu starten. Rückblickend könne man sagen: »Genutzt hat es nichts«. Man brauche maßgeschneiderte Therapien, resümierte der Referent.

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