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Schätzung

Nur 15 Prozent der Corona-Infektionen werden erkannt

Nach Berechnung von Göttinger Forschern hatten sich in Deutschland unter Berücksichtigung einer hohen Dunkelziffer bereits bis Ende März mehr als 460.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert.
dpa
08.04.2020
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Bislang seien schätzungsweise 15,6 Prozent der Infektionen in Deutschland festgestellt worden, errechneten die Entwicklungsökonomen Christian Bommer und Sebastian Vollmer, wie die Universität Göttingen mitteilte. Die Zahl registrierter Infektionen lag indes am Mittwoch bei etwas über 100.000.

Um die Qualität der offiziellen Fallaufzeichnungen zu prüfen, nutzten die Forscher unter anderem Daten aus einer Studie zur Mortalität von Covid-19 und zum Zeitraum bis zum Tod von Betroffenen. Auf dieser Grundlage gehen die Ökonomen davon aus, dass die Zahl der Infektionen womöglich in allen betroffenen Ländern deutlich höher liegt, als bislang angenommen. Sie vermuten, dass weltweit bislang im Durchschnitt nur etwa 6 Prozent aller Infektionen nachgewiesen wurden. Nach ihren Berechnungen könnte die tatsächliche Zahl der Infizierten weltweit demnach bereits mehrere zehn Millionen erreicht haben.

Unzureichende und verzögerte Tests könnten erklären, warum einige europäische Länder wie Italien und Spanien viel höhere Opferzahlen im Vergleich zu den gemeldeten bestätigten Fällen aufweisen als Deutschland. Während Deutschland eine Entdeckungsrate von schätzungsweise 15,6 Prozent habe, liege sie in Italien bei 3,5 Prozent oder 1,7 Prozent in Spanien. Noch niedriger seien sie in den USA mit 1,6 Prozent und Großbritannien mit 1,2 Prozent. Im Gegensatz dazu habe Südkorea fast die Hälfte aller seiner Infektionen entdeckt.

Mehr als 2.000 offizielle Todesopfer

In Deutschland sind bis Mittwochnachmittag mindestens 2.007 Menschen, die mit dem neuen Coronavirus infiziert waren, gestorben (Vortag Stand 16.15 Uhr: 1.747). Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die neuesten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt. Zudem wurden bundesweit mindestens 107.700 Infektionen mit SARS-CoV-2 registriert (Vortag Stand 16.15 Uhr: 101.700 Infektionen).

Die Uhrzeit, wann ein neuer Tagesstand gemeldet wird, variiert von Bundesland zu Bundesland. Zudem melden einige der Bundesländer ihre Zahlen jeweils nicht immer zur gleichen Uhrzeit. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts haben in Deutschland rund 33.300 Menschen die Infektion überstanden. Die Bundesregierung geht sogar von 46.000 Genesenen aus. Das habe Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch gesagt, hieß es von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) auf Facebook.

Besonders hohe Infiziertenzahlen haben Bayern mit mehr als 28.000 nachgewiesenen Fällen und mindestens 589 Toten, Nordrhein-Westfalen mit mehr als 22.600 Fällen und mindestens 408 Toten sowie Baden-Württemberg mit mehr als 20.600 Fällen und mindestens 464 Toten. Gerechnet auf 100.000 Einwohner verzeichnet Bayern mit einem Wert von 214,5 die meisten Infektionen. Im Bundesschnitt waren es 129,6. Wie für andere Länder rechnen Experten auch in Deutschland mit einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle.

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