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Coronavirus-Pandemie

Noventi launcht Corona-Warn-System in Apotheken

Der Software-Dienstleister Noventi möchte ab heute 5000 öffentliche Apotheken in Deutschland mit einem ortsbezogenen Coronavirus-Warnsystem ausstatten. Damit sollen die Offizinen einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung einer zweiten Infektionswelle leisten.
Charlotte Kurz
01.09.2020  10:35 Uhr

Die deutsche Corona-Warn-App legte einen erfolgreichen Start hin. Nach ihrem Launch am 16. Juni wurde die Anwendung bereits 17,5 Millionen Mal heruntergeladen. Jetzt plant der Apothekenwarenwirtschafts-Dienstleister Noventi zusammen mit dem Wort & Bild-Verlag und dem Berliner Healthcare Unternehmen Doctor Box eine Anwendung in den öffentlichen Apotheken, die als Ergänzung der staatlichen Corona-Warn-App dienen soll.

Mit einem ortsbezogenen Frühwarnsystem möchte Noventi ab heute 5000 Apotheken ausstatten. Das Frühwarnsystem beruht auf einem sogenannten »Beacon«. Der englische Begriff bedeutet so viel wie Leuchtfeuer. Dieser Beacon, ein kleiner weißer Kasten, soll möglichst zentral in der Apotheke platziert werden, damit er ein Signal an eine App auf dem Smartphone der Kunden senden kann. Diese App, Noventi empfiehlt dabei die App von Doctor Box, müssen die Kunden vor dem Betreten der Apotheke bereits auf dem Handy installiert haben. Sendet Beacon ein Signal an das Handy der Kunden, wird es automatisch in eine Art Tagebucheintrag umgewandelt. So könne die App als Kontakttagebuch genutzt werden und den Kunden in ein paar Tagen erinnern, zu welcher Zeit er an welchem Ort in welcher Apotheke war.

Somit ergänze die Initiative nicht nur bestehende Hygienekonzepte, sondern auch die personenbezogene Corona-Warn-App der Bundesregierung ideal, erklärte der Noventi-Vorstandsvorsitzende Hermann Sommer gegenüber der PZ. »Damit kann die Apotheke zeigen, dass sie vorausschauend und verantwortungsvoll mit der für uns alle großen Herausforderung umgeht und einen aktiven Beitrag gegen die zweite Welle leistet«, ist Sommer überzeugt. Denn wer positiv auf das Coronavirus getestet wird, müsse dem Gesundheitsamt einen detaillierten Bericht über seine Kontakte in den letzten zwei Wochen abliefern. Dies sei schwierig und oft fehlerhaft, wenn man sich dabei nur auf sein Gedächtnis verlasse. Daher biete sich das Kontakttagebuch via App an, erklärte Noventi.

Seit Anfang August wird das System bereits in 200 Pilotprojekten getestet. Darunter ist auch Dirk Vongehr, Apothekeninhaber der Paradies-Apotheke in Köln. »Die Installation war ganz einfach«, erklärte er. »Allerdings bin ich das einzige Geschäft in der Straße mit so einem System«, sagte er im Gespräch mit der PZ. Und so komme das Frühwarnsystem bei den Kunden nicht wirklich an, erst wenn alle Geschäfte mitmachen, dann hätte es einen großen Nutzen, meint Vongehr.

Erweiterung der Anwendung ist geplant

Noventi ist aktuell mit verschiedenen Akteuren im Austausch, um auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens diese Technologie einzusetzen. »Je mehr mitmachen, desto besser. Seit dem sehr erfolgreichen Pilotprojekt mit den Beacons sind wir unter anderem mit der Politik, Verbänden, Gemeinden, Versicherungen und Touristik-Unternehmen im engen Austausch«, sagte Sommer.

Die Corona-Warn-App funktioniert auf anonyme Weise, die Noventi-Anwendung arbeitet mit transparenteren Informationen. Während die staatliche App nicht herausgibt, wo es einen Infektionsfall gab, listet die Doctor-Box-App genau auf, in welcher Apotheke zu welchem Zeitpunkt ein Infektionsfall eintrat. Durch diese detaillierten Informationen können zwar genau die Apothekenkunden, die zu der bestimmten Zeit in der Offizin war, benachrichtigt werden, vorausgesetzt sie hatten die App installiert. Andererseits könnte die Apotheke nach einem Infektionsfall in ihrem Verkaufsraum auch unter Kunden- und Umsatzeinbußen leiden, da Kunden die Offizin mit einem Coronavirusfall in Verbindung brächten. Über diese Problematik hat auch Vongehr nachgedacht, macht sich dazu aber keine großen Sorgen. »Viel größere Sorgen mache ich mir um die Gesundheit meiner Mitarbeiter«, erklärte er gegenüber der PZ. Sommer appelliert an die Apotheken, »sich der Initiative anzuschließen, um gemeinsam und solidarisch gegen eine zweite Welle vorzugehen. Dabei hat der Apotheker stets selbst die volle Kontrolle, ob und wann er seine Apotheke als infektiös meldet.« Dies passiere laut Sommer in der Regel nur, wenn die Apotheker vom RKI oder Gesundheitsamt dazu aufgefordert werden. »Dann ist es auch in seinem ureigenen Interesse, seine Kunden, Mitarbeiter und sich selbst zu schützen. Darüber hinaus geschieht dies unter voller Berücksichtigung des Datenschutzes und ist nur für einen bestimmten Zeitraum aktiv«, ergänzte Sommer.

In Kooperation mit dem Wort & Bild Verlag und Doctor Box hat Noventi die Initiative unter dem Namen #Coronastoppen Apotheken Kit ins Leben gerufen. Die Ausstattung mit dem Apotheken-Kit wird für die teilnehmenden Apotheken kostenlos erfolgen. »Als Zeichen der Solidarität in Zeiten von Covid-19« soll auch die eigentlich anfallende Jahresgebühr von Noventi und den teilnehmenden Partnern übernommen werden. Eine besondere Bewerbung der Apotheken um das Kit zu erhalten, müsse nicht vorliegen, so Sommer. Zudem bestehe auch kein Zwang zur Nutzung. Das Warn-Kit könne auch mittels Rücksendeetikett zurückgesendet werden.

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