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Kammerversammlung

Niedersachsens Apotheken sind startklar fürs E-Rezept

Das E-Rezept rückt näher. In einer Einführungsphase können Ärzte ab Mitte dieses Jahres ihren Patienten Rezepte digital bereitstellen. Die meisten Apotheken sind trotz der großen organisatorischen Belastungen durch die Corona-Pandemie auf den Start des E-Rezeptes vorbereitet. In Niedersachsen gibt es laut Landesapothekerkammer nur noch wenige Apotheken und Apotheker, die noch nicht technisch ausgestattet sind.
Christiane Berg
15.04.2021  12:35 Uhr

Die technische Infrastruktur für das E-Rezept muss laut Gesetz ab dem 1. Juli 2021 für gesetzlich Versicherte verfügbar sein. In den anschließenden sechs Monaten dürfen noch alte Papierrezepte ausgestellt und eingelöst werden. Ab dem 1. Januar 2022 muss das E-Rezept jedoch von allen an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzten für die Verordnung verschreibungspflichtiger Arzneimittel genutzt werden.

Die Apotheken in Niedersachsen sind offenbar perfekt vorbereitet: »Wir sind startklar«, unterstrich die Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen, Cathrin Burs, bei der gestrigen Kammerversammlung, die aufgrund der Covid-19-Krise erneut als Web-Konferenz stattfand.  Bis Ende März wurden laut Burs bundesweit etwa 14.000 Apotheken mittels E-Health-Konnektor an das digitale Gesundheitsnetz, die Telematikinfrastruktur, angebunden. Die für die Apotheken-Anbindung erforderlichen Institutionskarten (SMC-B) haben bundesweit schon 90 Prozent aller Apotheken erhalten. Rund 60 Prozent der Apotheker verfügten zudem bereits über die notwendigen elektronischen Heilberufsausweise, sagte sie. 

»In Niedersachsen haben sogar schon 93 Prozent der Apotheken ihre SMC-B. 81 Prozent der Apothekeninhaber sind bereits im Besitz des Heilberufsausweises«, unterstrich die Kammerpräsidentin. Sie sprach von beeindruckenden Zahlen.

Burs: Apotheker haben keine Vorbehalte gegen die Digitalisierung

Denn: »Diese Zahlen bestätigen, dass Apotheken schon seit vielen Jahren hoch digitalisiert im Back Office arbeiten und keine Berührungsängste oder Vorbehalte gegen die digitale Kommunikation im Gesundheitswesen haben«, so Burs. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dürfe sich in seiner Annahme bestätigt sehen, dass es für die Apotheker im Gegensatz zu den Ärzten keines Drucks durch Einführung von  Sanktionsmechanismen aufgrund nicht rechtzeitiger Anbindung an die TI bedarf.  Zur Erklärung: Niedergelassene Mediziner müssen im Gegensatz zu Apothekern mit Honorareinbußen rechnen, wenn sie sich nicht an die TI anbinden. Die Frist für die Anbindung der Apotheker lief laut Gesetz bereits im vergangenen Herbst ab, die der Mediziner schon vorher.

Die Apotheken hätten zügig mit den technischen Entwicklungen Schritt gehalten, unterstrich Burs. Auch die Apotheker sähen die Vorteile der digitalen Kommunikation unter den Akteuren des Gesundheitswesens. Das gelte nicht nur für das E-Rezept, sondern auch für den elektronischen Medikationsplan, der rein theoretisch schon jetzt über die elektronische Gesundheitskarte (eGK) der Versicherten gespeichert und von Heilberuflern bearbeitet werden kann.

Burs: „Unsere Patienten nehmen unseren Mehrwert längst schon wahr“

»Wir Apotheker gehen den Weg in das neue digitale Zeitalter mit. Nicht nur das: Wir nehmen dabei auch die Menschen mit. Ob Digital Natives oder digital unerfahren – bei uns ist jeder Patient in guten Händen«. Dieses sei wichtig angesichts der Tatsache, dass die diesbezügliche Gesundheitskompetenz bei 54 Prozent der Bevölkerung als vollkommen unzureichend gilt. Hier bestehe, wie auch der »Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz« zeige, großer Handlungsbedarf.

Nicht zufällig habe sich die Apothekerschaft in der Gematik dafür eingesetzt, dass den Patienten zwingend ihr Recht auch auf freie Apothekenwahl erhalten bleibt. »Wir werden auch zukünftig alles dran setzen, dass das rote A der Vor-Ort-Apotheke weiter als Zeichen von Qualität, Sicherheit, Zuverlässigkeit und Vertrauen steht«, so Burs. Hätten die großen Online-Versandhändler das Thema E-Rezept seit mehr als zwei Jahren ganz oben auf ihrer Agenda, so hätten sie im direkten Angriff auf die Vor-Ort-Apotheke und hinsichtlich ihrer  imagefördernden Präsentation im Markt keine finanziellen Mittel gescheut. Der von ihnen praktizierte Marketing-Fokus liege dabei auch im Google-Ranking und der Sichtbarkeit in Online-Medien.

»Ob auf Landes- oder auf Bundesebene, ob seitens der Kammern oder seitens der ABDA: Hier werden wir gegenhalten«, so die Kammerpräsidentin. Die Vor-Ort-Apotheker, so Burs, würden sich von großen Online-Versandapotheken nicht die »Butter vom Brot« nehmen lassen. »Über Jahre haben wir uns im Wettbewerb mit den großen, ausländischen Online-Versendern behauptet. Wir bleiben beharrlich und werden zukünftig nicht müde werden, unser Revier im Sinne der Patienten auch im digitalen Raum zu verteidigen.«

Und weiter: »Wir Apothekerinnen und Apotheker bieten mehr als nur die Paketlieferung von Arzneimitteln. Wir  wissen um Versorgungsdefizite und können diesen mit erweiterten Kompetenzen und gezielten pharmazeutischen Dienstleistungen gegensteuern. Wir minimieren durch die Medikationsanalyse die Risiken der Polymedikation und helfen so auch, Kosten durch vermeidbare Krankenhauseinweisungen einzusparen. Wir können durch gezieltes Coaching last but not least die Therapietreue der Patienten verbessern«, sagte Burs.

Aufgrund der hohen Zahl niedrigschwelliger Patientenkontakte hätten die Vor-Ort-Apotheken zudem das Potenzial, sich mit Präventivleistungen einzubringen, Volkskrankheiten früh zu erkennen und Vorsorge zu leisten. »Unsere Patienten nehmen den Mehrwert, den ihnen die Vor-Ort-Apotheken bieten, längst schon wahr«, unterstrich die Kammerpräsidentin. »Auf uns ist Verlass. Das haben wir gerade jetzt auch während der Corona-Pandemie gezeigt«, betonte Burs. Sache der Gesundheitspolitik sei es nunmehr, wirtschaftliche Perspektiven, Planungssicherheit und auch Rahmenbedingungen für einen fairen Wettbewerb, in dem Vor-Ort-Apotheken bestehen können, zu garantieren.

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