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Arzneistofforschung

Nicht nur Krebsmedikamente helfen gegen Krebs

Antidiabetika, Mittel gegen Entzündungen oder gar Arthritis beim Hund: Keiner hätte gedacht, dass viele altbekannte Arzneistoffe auch Krebszellen abtöten können – und das mit teils unbekannten Wirkmechanismen.
PZ/Aponet (zou)
28.01.2020
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Die Forscher analysierten an 578 menschlichen Krebszelllinien die Wirkung von mehreren tausend Arzneistoffen, die bereits zugelassen sind oder von denen bekannt ist, dass sie für die Verwendung beim Menschen geeignet sind. Sie fanden bereits knapp 50, von denen man bisher nicht wusste, dass sie das Wachstum von Krebszellen stoppfen können, darunter Medikamente gegen Diabetes, Entzündungen, Alkoholismus und Cholesterinsenker.

»Wir dachten, wir hätten Glück, wenn wir auch nur eine einzige Verbindung mit krebsbekämpfenden Eigenschaften finden würden, und wir waren überrascht, so viele zu finden«, sagte Todd Golub, wissenschaftlicher Leiter und Direktor des Krebsprogramms beim Dana-Farber-Krebsinstitut und Professor für Pädiatrie an der Harvard Medical School in Boston.

Einige der Substanzen töteten Krebszellen auf unerwartete Weise: Während die meisten existierenden Krebsmedikamente bestimmte Stoffwechselwege blockieren, wirkten einige aktivierend oder stabilisierten Wechselwirkungen zwischen Zellbestandteilen. Auch unbekannte Ziele wurden auf diese Weise entdeckt, zum Beispiel tötete ein entzündungshemmendes Medikament für die Behandlung von Osteoarthritis bei Hunden, der Wirkstoff Tepoxalin, Krebszellen durch ein bisher unbekanntes Ziel, das an der Resistenz gegen Chemotherapeutika beteiligt ist, das Protein MDR1.

Diese Entdeckungen machte ein zellbasiertes Screening möglich, bei dem das Überleben der Zellen gemessen wird. Damit dafür nicht Millionen von Tests erforderlich sind, werden in einem Ansatz gleichzeitig mehrere Zelllinien getestet, die genetisch markiert wurden. Da man die Eigenschaften der Zelllinien zudem sehr gut kennt, lassen sich Vorhersagen treffen, gegen welche weiteren Zelllinien ein Medikament mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls wirksam sein wird. Auf diese Weise könnte man später auch Patienten identifizieren, die höchstwahrscheinlich von bestimmten Arzneistoffen profitieren werden.

Das Charmante an einer Umwidmung bereits zugelassener Wirkstoffe ist, dass die Testphase deutlich kürzer ausfallen kann, da viele präklinische Tests wegfallen können.

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