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Psoriasis

Nicht nur eine Erkrankung der Haut

Trotz einiger Schwierigkeiten gilt die Schuppenflechte (Psoriasis) als die am besten zu behandelnde Autoimmunerkrankung. Worauf zu achten ist, wurde am vergangenen Wochenende bei der Hermann-Hager-Tagung erklärt.
Christiane Berg
02.03.2021  14:00 Uhr

Als chronisch-rezidivierende Systemerkrankung geht Psoriasis vulgaris nicht nur mit der Ausbildung erythematosquamöser Plaques auf der Haut, sondern auch mit zum Teil schweren Komorbiditäten einher. Hierzu gehören Arthritis, Adipositas, Angststörungen und Depressionen sowie (Mikro-) Inflammationen der Gefäße bis hin zu Atherosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Behandlung erfolgt topisch unter anderem mit Corticoid- beziehungsweise Corticoid- und Calcipotriol-haltigen Therapeutika sowie systemisch mit konventionellen Erstlinientherapeutika wie Acitretin, Ciclosporin, Fumarsäureester oder Methotrexat. Darüber hinaus kommen als systemische (Zweitlinien-) Therapeutika zudem Biologika wie Infliximab, Adalimumab, Etanercept und Certolizumab beziehungsweise Secukinumab oder Ustekinumab zum Einsatz.

Auch wenn ein Großteil der Patienten mit schwerer Psoriasis in Deutschland nach wie vor nicht leitliniengemäß behandelt wird, gilt die Psoriasis zurzeit als die am besten zu behandelnde Autoimmunkrankheit. »Mit modernen Systemtherapeutika ist die PASI-Reduktion um mehr als 90 Prozent bis hin zur völligen Erscheinungsfreiheit der Haut bei Minderung auch der Begleiterkrankungen möglich«, sagte Apothekerin Dr. Verena Stahl bei der Online-Fortbildung der Landesapothekerkammer Brandenburg. Dabei sei beim Einsatz der systemischen Therapeutika jedoch nicht nur hohe Professionalität seitens des behandelnden Arztes, sondern auch der beratenden Apotheke erforderlich. Denn bei falscher Handhabung der Biologika »kann unheimlich viel daneben gehen«, so Stahl.

Diese werden wirkungslos, wenn sie zu kalt (irreversible Strukturveränderungen) oder zu warm (Proteindenaturierung) aufbewahrt werden. Stets müssten sie daher im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C verwahrt werden. Sie dürfen – aus welchen Gründen auch immer – niemals einfrieren, machte Stahl deutlich. Auch bei Flugreisen sei die Aufbewahrung in einer zum Handgepäck zählenden Kühltasche angezeigt. Ganz abgesehen davon, dass der Koffer verloren gehen kann: Nie sollten die Medikamente mit dem Koffer in den Frachtraum gegeben werden, da es dort zur Unterkühlung des Wirkstoffs kommen kann. Stahl betonte zudem, dass die Biologika im Falle der Unterbrechung der Kühlkette innerhalb der vom Hersteller klar definierten Zeit zur Anwendung kommen müssen.

Adhärenz verbessern

Ob Fertigspritze oder Fertigpen: Bei der Applikation seien stets die Besonderheiten der jeweiligen Wirkstoffe zu beachten. Müssen sich diese nach der Entnahme aus dem Kühlschrank nach und nach der Umgebungstemperatur anpassen, so sollten sie 15 bis 45 Minuten lang ungeöffnet bei Raumtemperatur verbleiben und keineswegs geschüttelt oder gar – wie schon vorgekommen – in die Mikrowelle gelegt werden.

Vor der Applikation müsse die entsprechende Hautstelle desinfiziert werden, so Stahl weiter. Keinesfalls dürfe das Medikament etwa in verletzte, vernarbte oder verhärtete Hautstellen beziehungsweise in Leberflecke, Blutergüsse, Dehnungsstreifen oder Plaques injiziert werden. Sollte die Injektionsstelle regelmäßig gewechselt werden, so könne es empfehlenswert sein, dies zu protokollieren.

20 bis 40 Prozent der Psoriasis-Patienten sind von einer Psoriasis-Arthritis (PsA) mit Schmerzen vor allem in den kleinen Gelenken der Finger und Zehen, morgendlicher Gelenksteifigkeit und Rückenschmerzen besonders in der Nacht betroffen. Betroffene neigten häufig dazu, diese Beschwerden zu bagatellisieren, doch es sei dringend angezeigt, ihnen zur umgehenden ärztlichen Konsultation zu raten, empfahl Stahl. »Das therapeutische Fenster wird immer kleiner, je länger mit der Therapie gewartet wird. Es droht die irreversible Zerstörung der Gelenke.« Der früh- und rechtzeitige Einsatz von Biologika hingegen könne auch das Voranschreiten der PsA reduzieren.

Generell erhöhe eine schlechte Adhärenz die Gefahr von Spätfolgen und Komorbiditäten. »Es geht in der Apotheke darum, das grundsätzliche Wissen des Patienten zu schärfen«, so Stahl. Dazu zähle auch, Betroffene über den großen Einfluss spezifischer Lebensstilfaktoren und hier insbesondere die Bedeutung der Meidung von Alkohol- und Nikotinkonsum sowie Übergewicht zu informieren.

Hilfreich für die Patienten könne es auch sein, sie auf Patientenunterstützungsprogramme (PSP) als Ergänzung zur Betreuung durch den Arzt und Apotheker beziehungsweise auf Selbsthilfeorganisationen zu verweisen. Hier finde ein Austausch statt zu verschiedenen Themen wie Arztsuche, Stand der modernen Forschung und juristischer und medizinischer Beratung. Das Engagement in einer Selbsthilfegruppe könne als Chance betrachtet werden, zum Experten in eigener Sache zu werden und somit die Prognose zu verbessern.

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