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JAK-Inhibitoren

Neues Wirkprinzip für Neurodermitis zugelassen

Baricitinib hat als erster JAK-Hemmer eine Zulassungserweiterung für die atopische Dermatitis erhalten. Mit Upadacitinib könnte bald ein zweiter Vertreter dieser Klasse für Neurodermitis-Patienten folgen.
Daniela Hüttemann
03.11.2020  17:00 Uhr

Baricitinib (Olumiant® von Eli Lilly) ist seit 2017 in Deutschland zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer rheumatoider Arthritis (RA) auf dem Markt. Der Arzneistoff hemmt die Januskinase (JAK), ein Enzym, das am Entzündungsgeschehen beteiligt ist.

Am 19. Oktober hat nun die EU-Kommission eine Zulassungserweiterung für die Behandlung erwachsener Patienten mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis erteilt. »Indiziert ist die Tablette für Patienten, bei denen topische Therapien allein nicht zur Kontrolle der Symptome ausreichen und die für eine systemische Therapie infrage kommen«, teilte Hersteller Lilly mit. Wirksamkeit und Sicherheit seien im Phase-III-Studienprogramm BREEZE-AD mit mehr als 4500 Patienten untersucht worden. Als für den Praxisalltag am relevantesten von den sieben Studien bezeichnet der Hersteller BREEZE-AD7. Darin wurde Baricitinib einmal täglich in Kombination mit topischen Corticosteroiden der Klassen 1 und 2 als Behandlungsstandard gegenüber oralem Placebo plus topischen Corticoide getestet.

31 Prozent der Probanden unter Therapie mit 4 mg Baricitinib  konnten einen Neurodermitis-Score von 0 (symptomfrei) bis 1 (fast symptomfrei) erreichen. Unter 2 mg Baricitinib täglich, der Hälfte der bei RA üblichen Dosis, schafften dies 24 Prozent, während es unter Placebo plus Cortison-haltige Dermatika nur 15 Prozent waren. Die Daten wurden erst Ende September im Fachjournal »JAMA Dermatology« veröffentlicht.

»Wir sehen bei diesem Krankheitsbild nach wie vor einen hohen therapeutischen Bedarf, denn atopische Dermatitis beeinträchtigt den Alltag auf vielfältige Weise«, so Lillys Senior Medical Director Professor Dr. Elisabeth Riedl. Baricitinib könne Juckreiz schnell und anhaltend lindern. Auch der Schlaf verbessere sich, sodass die Lebensqualität insgesamt steige.

Zweiter JAK-Hemmer in den Startlöchern

Baricitinib ist der erste JAK-Inhibitor, der für Neurodermitis-Patienten zugelassen wurde, doch der nächste könnte schon bald folgen. Upadacitinib-Hersteller Abbvie meldete vergangene Woche positive Ergebnisse aus seinen Studien Measure Up 1 und 2. Dabei wurde Upadacitinib bei Patienten ab einem Alter von zwölf Jahren mit mittelschwerer und schwerer atopischer Dermatitis eingesetzt.

In den Studien bekamen die Probanden entweder 15 mg oder 30 mg einmal täglich oder Placebo. Unter Upadacitinib erreichten in beiden Studien signifikant mehr Patienten eine mindestens 90-prozentige Verbesserung des Hautbilds (EASI90) als in der Vergleichsgruppe (Measure Up 1: 53 beziehungsweise 66 Prozent der Patienten unter Upadacitinib 15 beziehungsweise 30 mg versus 8 Prozent unter Placebo; Measure Up 2: 42 beziehungsweise 58 Prozent der Patienten unter Upadacitinib 15 beziehungsweise 30 mg versus 5 Prozent unter Placebo). Auch auf den Juckreiz wirkte sich der JAK-Hemmer besser aus als Placebo.

»Sowohl die Schnelligkeit als auch der Grad des Ansprechens unter Upadacitinib sind für die Patienten von Bedeutung, von denen viele unter einer erheblichen Krankheitslast leiden, die mit einer entsprechenden Beeinträchtigung des täglichen Lebens einhergehen kann«, kommentiert die leitende Prüferin Dr. Emma Guttman-Yassky, Professorin für Dermatologie und Immunologie, Direktorin des Center for Excellence in Eczema und des Laboratory for Inflammatory Skin Diseases und die neue Leiterin der Abteilung für Dermatologie an der Icahn School of Medicine am Mount-Sinai-Krankenhaus in New York.

Upadacinitib (Rinvoq®) kam im Februar dieses Jahres in Deutschland auf dem Markt, genau wie Baricitinib als Mittel der zweiten Wahl für erwachsene Patienten mit mittelschwerer bis schwerer rheumatoider Arthritis, die auf die Behandlung mit einem oder mehreren krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARD) unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben. Abbvie hat bereits die Zulassung für die atopische Dermatitis bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA beantragt.

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