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Ubrogepant bei Migräne

Gut wirksam innerhalb von zwei Stunden

Demnächst könnte mit Ubrogepant der erste Vertreter einer neuen Klasse von Migränemitteln zur Marktreife gelangen. Hersteller Allergan präsentierte vor Kurzem vielversprechende Studienergebnisse im »New England Journal of Medicine« und rechnet noch diesen Monat mit der US-Zulassung. 
Daniela Hüttemann
10.12.2019  16:54 Uhr

Ubrogepant wäre der erste Vertreter der oral verfügbaren Calcitonin-Gene-Related-Peptide (CGRP)-Rezeptorantagonisten, der sogenannten Gepante. Anders als die zur Migräneprophylaxe zugelassenen Anti-CGRP-Antikörper, die gespritzt werden müssen, soll das niedermolekulare Ubrogepant in Tablettenform bei akuten Migräneattacken zum Einsatz kommen. In dieser Indikation wären die Gepante die erste neue Wirkstoffklasse gegen Migräne-Kopfschmerz seit Einführung der Triptane in den 1990er-Jahren. 

In der ACHIEVE-I-Studie, einer klinischen Phase-III-Studie mit 1.672 erwachsenen Migränepatienten, wurde nun die Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von Ubrogepant untersucht. Bei einer einzelnen akuten Migräneattacke erhielten die Probanden zu gleichen Teilen entweder Placebo, 50 mg oder 100 mg Ubrogepant mit der Option auf eine zweite Dosis. Die primären Endpunkte waren Schmerzfreiheit zwei Stunden nach der Einnahme sowie eine Reduktion der drei wichtigen migräneassoziierten Symptome Lichtscheu, akustische Empfindlichkeit und Übelkeit.

Schmerzfreiheit zwei Stunden nach der Einnahme erreichten 11,8 Prozent der Probanden in der Placebogruppe, 19,2 Prozent unter 50 mg Ubrogepant und 21,2 Prozent unter der höheren Dosis des CGRP-Antagonisten. Darüber hinaus waren bei 27,8 Prozent unter Placebo alle anderen Symptome verschwunden gegenüber 38,6 Prozent unter 50 mg Ubrogepant und 37,7 Prozent unter 100 mg Ubrogepant.

Als sekundärer Endpunkt wurde auch die Schmerzreduktion untersucht. Bei 49,1 Prozent der Patienten in der Placebogruppe ging die Schmerzintensität von moderat bis schwer zu mild bis schmerzfrei zurück gegenüber 60,7 beziehungsweise 61,4 Prozent unter Verum. Dies sei vergleichbar mit Daten aus Studien mit Triptanen, so der Hersteller. Der Effekt hielt unter Ubrogepant deutlich länger an als unter Placebo (36,3 beziehungsweise 38,0 Prozent versus 20,8 Prozent zwei bis 24 Stunden nach der Einnahme). 

Nebenwirkungen innerhalb von 48 Stunden traten bei 12,8 Prozent unter Placebo, 9,4 Prozent unter niedriger Dosis und 16,3 Prozent unter höherer Verum-Dosis auf. Als häufigste Nebenwirkungen kam es zu Übelkeit, Schläfrigkeit und trockenem Mund. Als schwere unerwünschte Ereignisse innerhalb von 30 Tagen wurden Blinddarmentzündung, spontane Fehlgeburt, Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel (Perikard-Erguss) und ein epileptischer Anfall beobachtet. Keiner dieser Fälle trat innerhalb von 48 Stunden nach der Medikamenteneinnahme auf. Hersteller Allergan geht von einem besseren Sicherheitsprofil aus als bei den Triptanen, auch wenn direkte klinische Vergleiche zwischen den Medikamentenklassen noch nicht abgeschlossen sind.

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