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Polatuzumab Vedotin

Neue Therapieoption bei Lymphom

Die EU-Kommission hat das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Polatuzumab Vedotin (Polivy® von Roche) zugelassen. Es kann bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom in einer schwierigen Behandlungssituation das Überleben verlängern.
Annette Mende
22.01.2020  12:00 Uhr

Das Non-Hodgkin-Lymphom ist mit jährlich etwa 18.400 Neuerkrankungen in Deutschland die häufigste bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems. Anders als das Hodgkin-Lymphom, vom dem vor allem junge Menschen betroffen sind, ist das Non-Hodgkin-Lymphom überwiegend eine Erkrankung des höheren Lebensalters: Frauen sind bei Diagnose im Mittel 72, Männer 70 Jahre alt. Von den verschiedenen Krebserkrankungen, die unter dem Dachbegriff »Non-Hodgkin-Lymphom« zusammengefasst werden, ist das diffus großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL) mit rund 30 Prozent das häufigste.

Die Standardtherapie des DLBCL besteht aus der Chemoimmuntherapie R-CHOP (Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und Prednisolon), je nach Allgemeinzustand des Patienten über unterschiedlich viele Zyklen. Sie erzielt eine Heilungsrate von 60 bis 70 Prozent. Für diejenigen Patienten, die nicht darauf ansprechen oder bei denen der Tumor nach vorübergehendem Verschwinden schnell zurückkommt (refraktäres oder rezidiviertes DLBCL), kann eine Stammzelltransplantation eine Option darstellen. Kommen sie aufgrund ihres Alters oder Komorbiditäten hierfür nicht infrage, ist die Prognose schlecht.

Polatuzumab Vedotin ist eine neue Therapieoption für genau diese Patienten. Es ist zunächst ausschließlich zugelassen in Kombination mit dem Zytostatikum Bendamustin und dem Anti-CD20-Antikörper Rituximab. Wie bei der Launch-Pressekonferenz von Roche in Berlin deutlich wurde, laufen aber bereits Studien, in denen Polivy auch mit anderen Kombinationspartnern und bei anderen Non-Hodgkin-Lymphomen getestet wird. Darunter sind auch Chemotherapie-freie Regimes.

Polivy besteht aus dem Anti-CD79b-Antikörper Polatuzumab, der über einen Peptid-Linker an den hoch potenten Mitosehemmstoff Monomethyl-Auristatin E (MMAE) gekoppelt ist. Dieses Spindelgift ist allein zu toxisch für eine systemische Anwendung. Die Bindung an einen Antikörper, der gegen ein Krebszell-spezifisches Oberflächenmerkmal gerichtet ist, reduziert jedoch die Toxizität, sodass MMAE auch im bereits zugelassenen Brentuximab Vedotin (Adcetris®) enthalten ist. Der Namenszusatz »Vedotin« steht für MMAE plus den Linker.

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