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Ernährung

Neue Referenzwerte für Vitamin A und Biotin

Die deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Referenzwerte für Vitamin A und Biotin aktualisiert. Die neuen Empfehlungen stellte die DGE auf einer Tagung am 18. November vor. Die Werte für Vitamin A wurden gesenkt, die für Biotin konkretisiert.
Kerstin Pohl
23.11.2020  11:00 Uhr

Seit 20 Jahren veröffentlichen die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, die Österreichische Gesellschaft für Ernährung und die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung die D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Diese Empfehlungen werden regelmäßig aktualisiert. Für das fettlösliche Vitamin A und das wasserlösliche Biotin sind aktuell neue Referenzwerte festgelegt worden, die auf der gemeinsamen Dreiländertagung der Organisationen vorgestellt wurden.

Vitamin A bezeichnet eine Gruppe fettlöslicher Substanzen, zu denen das Retinol als zentrale Wirkform gehört, das umgewandelt und als Retinylester gespeichert werden kann. Es kann aus einer Vorstufe von Vitamin A, dem Beta-Carotin, im Organismus selbst gebildet werden. Vitamin A ist involviert in den Sehvorgang, die Immunfunktion, das Zellwachstum, wichtig für Nerven- und Immunsystem, Haut- und Schleimhäute sowie den Knochen- und Zahnaufbau. Enthalten ist Vitamin A in tierischen Lebensmitteln, vor allem in Leber, Wurstwaren, Eiern, Milch- und Milchprodukten. Pflanzliche Lebensmittel hingegen sind reich an Beta-Carotin wie beispielsweise Aprikosen, Karotten oder Grünkohl.

Bisher wurde die Empfehlung für die tägliche Vitamin A-Zufuhr in Retinoläquivalenten (RE) angegeben. Neu ist nun die Bezeichnung Retinolaktivitätsäquivalente (RAE). Sie berücksichtigt jetzt auch die Verwertung von Provitamin-A-Carotinoiden. So werden in der aktualisierten Empfehlung Frauen 700 µg RAE und Männern 850 µg RAE täglich empfohlen. Schwangeren werden 800 µg RAE und Stillenden 1300 µg RAE am Tag angeraten. 

Da die Provitamin-A-Carotinoide in Wechselwirkung mit anderen Nahrungsinhaltsstoffen treten und zudem ihre Bioverfügbarkeit differenziert, sind davon auch die Umwandlungsraten in Retinol betroffen. Durch den neuen Faktor Retinoläquivalent (RAE) wird dies mehr berücksichtigt und macht zudem die separate Verwendung eines Referenzwertes für Beta-Carotin überflüssig. Außerdem wird die Aufrechterhaltung der Speicherung von Vitamin A in der Leber stärker berücksichtigt. Daher sind die Referenzwerte nun niedriger als früher. Sie werden auch nicht mehr in Milligramm, sondern in Mikrogramm angegeben.

Konkrete Werte für Biotin

Als Empfehlung für Biotin, das zur Gruppe der B-Vitamine gehört, gibt die DGE in der aktuellen Empfehlung für alle Altersgruppen konkrete Werte an. Vorher sprach die DGE lediglich Schätzwerte mit einer Spanne für Jugendliche, Erwachsene sowie Schwangere und Stillende von 30 bis 60 µg Biotin am Tag aus. Das Vitamin wird als Cofaktor für Enzyme benötigt und ist damit in den Abbau von Aminosäuren, die Bildung von Fettsäuren und die Gluconeogenese involviert. Genaue Bedarfszahlen sind nicht bekannt, deshalb gibt die DGE lediglich Schätzwerte an. Sie liegen bei Erwachsenen nun bei 40 µg am Tag für Männer und Frauen. Schwangeren werden 40 µg und Stillenden 45 µg am Tag empfohlen.

Diese Werte wurden abgeleitet aus der durchschnittlichen Zufuhr an Biotin in der Bevölkerung. Es sind aber nach wie vor lediglich Schätzwerte, da es keine einheitlichen Analysen und Beurteilungskriterien gibt. Zudem ist die Datenlage unzureichend. Um den Bedarf zu decken, sind Lebensmittel wie Milch und -produkte, Eier (Eigelb), Leber, Vollkornprodukte sowie Nüsse und Sojabohnen, Champignons geeignet.

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