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Neue Arzneimittel

Hohe Erwartungen an 2020

Ein neues Parkinson-Mittel könnte demnächst häufiger in der Apotheke auftauchen: Inbrija®. Nicht der enthaltene Wirkstoff Levodopa macht das vor wenigen Wochen zugelassene Medikament interessant, sondern die Darreichungsform. Es handelt sich um Kapseln, die ein Pulver zur Inhalation enthalten. Das Präparat wird zur Behandlung von Symptomen während der sogenannten Off-Perioden angewendet. Durch die Inhalation wird rasch zusätzliches Levodopa (und damit Dopamin) zur Verfügung gestellt, um die Off-Zeit abzukürzen.

Erwähnenswert ist auch das Ket­amin-Enantiomer Esketamin (Spravato®). Es ist das erste Antidepressivum, das in Form eines Nasensprays angewendet wird. Der große Vorteil von Esketamin ist, dass es vergleichsweise schnell wirkt. Der antidepressive Effekt kommt vermutlich über einen Antagonismus am NMDA-Rezeptor zustande. Spravato darf bei therapieresistenten depressiven Patienten zum Einsatz kommen und wird mit einem selek­tiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) kombiniert.

Auch Upadacitinib (Rinvoq®) hat eine Zulassung erhalten. Es ist nach ­Tofacitinib (Xeljanz®) und Baricitinib (Olumiant®) der dritte zugelassene Januskinase-Hemmer für Patienten mit rheumatoider Arthritis. Upadacitinib wird einmal täglich als Tablette eingenommen – als Monotherapie oder in Kombination mit Methotrexat.

Mit Delafloxacin (Quofenix®) befindet sich auch ein neues Antibiotikum unter den Präparaten mit einer Zulassung. Das Fluorchinolon hemmt die ­Topoisomerasen II sowie IV und soll bei bakteriellen Hautinfektionen zum Einsatz kommen.

Weiterentwicklungen bei AMD und MS-Peroralia

Das Einsatzgebiet derjenigen Präparate, die eine Zulassungsempfehlung erhalten haben und voraussichtlich bald auch eine EU-Zulassung vorweisen können, ist breit gefächert. Interessant ist zum Beispiel ein weiteres Präparat zur Behandlung der feuchten alters­bedingten Makuladegeneration (AMD): Brolucizumab (Beovu®). Das Medikament hat Ende 2019 die Zulassungsempfehlung für diese Indikation erhalten und könnte die Therapieoptionen demnächst erweitern. Wie Ranibizumab (Lucentis®) hemmt der Neuling den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor A (VEGF-A) und damit die Angiogenese. Brolucizumab muss wie die anderen Biologika zur Behandlung der feuchten AMD in den Glaskörper des Auges injiziert werden.

Siponimod (Mayzent®) ist eine Weiterentwicklung des Multiple-Sklerose-Wirkstoffs Fingolimod (Gilenya®). Der Wirkstoff ist für Erwachsene mit ­sekundär progressiver Multipler Skle­rose (SPMS) mit aktiver Erkrankung vorgesehen. Anders als Fingolimod ist der Neuling ein selektiver Sphingosin-1-­Phosphat-(S1P-)Rezeptormodulator, der spezifisch an die Rezeptorsubtypen 1 und 5 (S1P1 und S1P5) bindet.

Während Siponimod bereits eine ­Zulassungsempfehlung bekommen hat, wartet ein anderer S1P1- und S1P5-­Rezeptormodulator noch darauf: Ozanimod. Die Zulassung ist bereits bei der EMA beantragt.

Solriamfetol (Sunosi®) ist dagegen ein neues Stimulans, das als Noradrenalin- und Dopamin-Wiederaufnahmehemmer wirkt. Es soll laut Zulassungsempfehlung bei übermäßiger Tagesschläfrigkeit bei Patienten mit Narkolepsie oder obstruktiver Schlafapnoe eingesetzt werden.

Die bisher vorgestellten neuen Wirkstoffe kommen allesamt nicht bei Krebs zum Einsatz. Das heißt aber nicht, dass sich im Bereich der Onkologie 2020 nichts tun wird. Zulassungsanträge bei der EMA wurden zum Beispiel für den selektiven Androgen-Rezeptormodulator Darolutamid (Nubeqa®), den Brutonkinase-Hemmer Acalabrutinib (Calquence®) und Selinexor (XPovio®), einen Hemmer des Exportin-1-Proteins, gestellt. Darolutamid soll beim nicht ­metastasierten kastrationsresistenten Prostatakrebs eingesetzt werden, Acala­brutinib beim Mantelzell-Lymphom und Selinexor beim Multiplen Myelom.

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