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Neuartiger Cholesterolsenker

Bempedoinsäure steigert Wirkung von Statinen

Klinische Studien zeigen, dass der noch nicht zugelassene Cholesterolsenker Bempedoinsäure als Add-On zu Statinen den LDL-Wert noch einmal um 20 Prozent senken kann. Darüber hinaus scheint er den Blutzucker nicht negativ zu beeinflussen. Das Medikament könnte im kommenden Jahr auf den Markt kommen.
Daniela Hüttemann
26.11.2019
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Bempedoinsäure wäre der erste Vertreter der ATP-Citrat-Lyase (ACL-)Inhibitoren. Sie hemmt die Cholesterol-Synthese in der Leber, dadurch sinkt das im Blut zirkulierende LDL-Cholesterol. Hersteller Daiichi-Sankyo strebt eine Zulassung für Patienten mit Hypercholesterolämie und / oder hohem Risiko für eine artherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung an, bei denen trotz maximaler verträglicher Statin-Therapie der LDL-Zielwert nicht erreicht wird. Bempedoinsäure (180 mg) muss einmal täglich oral eingenommen werden. Sowohl die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) als auch die US-Arzneimittelbehörde FDA beraten derzeit über die Zulassung.

Derweil präsentierte Daiichi-Sankyo die Ergebnisse zweier Metaanalysen der vier Phase-III-Studien mit insgesamt rund 3600 Patienten bei der Jahrestagung der American Heart Association in Philadelphia. Bei Patienten mit bestehender maximaler verträglicher Statin-Therapie konnte die zusätzliche Einnahme von Bempedoinsäure den LDL-Wert gegenüber Placebo um 18 Prozent senken.

Darüber hinaus wirkte sich der neue Arzneistoff positiv auf den Langzeit-Blutzuckerwert aus. Nach zwölf Wochen Therapie reduzierte sich bei den Patienten, die bereits Diabetes hatten, der HbA1c um 0,19 Prozent gegenüber Placebo. Es traten weniger neue Fälle von Diabetes und Hyperglykämien auf. »Die Metaanalyse legt nahe, dass Bempedoinsäure – sowohl bei Patienten mit als auch ohne Diabetes – keine nachteilige Auswirkung auf die Blutzuckereinstellung hat, wenn sie zusätzlich zu einer stabilen Hintergrundtherapie mit Lipidsenkern gegeben wird«, teilt Daiichi-Sankyo mit. Das Unternehmen spricht von einer kostengünstigen, einfach anzuwendenden Zusatztherapie für Patienten, die ihren LDL-Zielwert trotz optimierter oraler lipidsenkender Therapie nicht erreichen und bei denen weiterhin ein hohes Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis wie Herzinfarkt oder Schlaganfall besteht.

»Viele Patienten mit Hypercholesterolämie sowie hohem und sehr hohem Risiko sind darum bemüht, ihren Blutzuckerwert unter Kontrolle zu halten«, sagt Dr. Wolfgang Zierhut, Leiter der Abteilung Antithrombotic and Cardiovascular Medical Affairs bei Daiichi Sankyo Europe. »Sie haben eventuell schon Diabetes oder bei ihnen besteht ein Risiko, dass sich diese Erkrankung entwickelt.« Denn sowohl ein hoher Cholesterol- als auch ein hoher Blutzuckerwert gelten als Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Unabhängige Analysen zeigen, dass die Statin-Einnahme mit einem erhöhten Diabetes-Risiko verbunden ist, wobei noch unklar ist, ob nur eine Korrelation vorliegt oder die Statine selbst an der Pathophysiologie beteiligt sind. Daher wäre eine blutzuckerneutrale oder gar -senkende LDL-Senkung von Vorteil. Auch soll Bempedoinsäure ein niedrigeres Potenzial für muskelbezogene Nebenwirkungen haben als Statine. Allerdings war die Häufigkeit solcher unerwünschter Ereignisse und dadurch begründete Behandlungsabbrüche in beiden Behandlungsgruppen in den klinischen Studien ähnlich.

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