Pharmazeutische Zeitung online
Grippeimpfung in der Apotheke
Mut zur Chance

Zwei Ebenen des Widerstands

PZ: Der Kampf um Ressourcen ist eine Sache. Eine andere ist der gefühlte Eingriff in das Hoheitsgebiet des Arztes.

Schmidt: Es gibt zwei Ebenen des Widerstands: Der eine findet an der Basis der Ärzteschaft statt, wo der bislang befreundete Arzt zu seinem befreundeten Apotheker geht und sagt: Das mit dem Impfen hältst du doch auch für Blödsinn, oder? Das ist eine emotionale Geschichte und weniger monetär geprägt. Die Ärzte sind gut ausgelastet, viele nehmen gar keine neuen Patienten mehr an. Und es geht ja auch nicht darum, Patienten abzuziehen. Solche Modelle führen nicht dazu, dass Ärzte weniger Patienten haben. Im Gegenteil: Oft steigt die Awareness und in der Folge auch die Zahl der Menschen, die sich in den Praxen impfen lassen. Das muss jeder Kollege an der Basis seinen Ärzten nahebringen. Wir tun es auf politischer Ebene in Berlin. Bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung kommt aber ein zweiter Aspekt ins Spiel. Da geht es darum, wo künftig das Geld für Behandlungen hinfließt. Kassen neigen dazu, jede Leistung nur einmal bezahlen zu wollen. In jedem Fall versuchen wir den Ärzten klarzumachen, dass wir keinen Preiswettbewerb wollen. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass wir keine Preisspirale nach unten lostreten.

Kühne: Die Menschen gehen ja nicht zweimal pro Saison zum Impfen. Mehrkosten für Krankenkassen entstehen nur bei einer besseren Versorgung der Versicherten, weil sich mehr Leute impfen lassen. Und das muss doch im Interesse der Kassen sein.

Schmidt: Von den Krankenkassen erwarte ich wenig Widerstand. Einige haben sich bereits gesprächsbereit ­gezeigt. Wenn die Kostenträger aber meinen, sie könnten Impfungen über die Apotheken preiswerter haben, sollte man sie gleich entmutigen. Einen Preiswettbewerb mit den Ärzten schließen wir aus.

»Wir bieten ein niedrigschwelliges Angebot für Menschen, die sonst gar nicht geimpft würden, weil sie nicht zum Arzt gehen.«
Hannes Müller, Vorstandsmitglied der Bundesapothekerkammer

Müller: Dabei sollten wir auch unbedingt betonen, dass wir den Menschen nicht sagen: Kommt zu uns statt zum Arzt. Wir bieten lediglich ein niedrigschwelliges Angebot für Menschen, die sonst gar nicht geimpft würden, weil sie nicht zum Arzt gehen. Auf keinen Fall sollten wir offensiv dafür werben, dass die Patienten zu uns kommen sollen statt zum Arzt zu gehen.

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