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Grippeimpfung in der Apotheke
Mut zur Chance

Gespräche mit den Ärzten nötig

PZ: Was raten Sie denn den Kollegen an der Basis, die sich zum Teil mit offensichtlichen Drohungen vonseiten der umliegenden Ärzte konfrontiert sehen?

Schmidt: Das Verhältnis zu den Ärzten ist für uns im Arbeitsalltag extrem wichtig. Natürlich sind alle Parteien im Gesundheitssystem voneinander abhängig. Apotheker sind aber so sozialisiert, dass sie auf Drohungen der Ärzte, sich den Sprechstundenbedarf woanders zu bestellen und ihre Patienten umzuleiten, sehr empfindlich reagieren. Manche Kollegen werden sich sicher in den einzelnen Regionen von Modellprojekten ausnehmen. Ich würde mir wünschen, dass wir mit den Ärzten gemeinsam eine Lösung finden, um ein wenig Luft aus dem Thema herauszulassen. Und von den Gesundheitspolitikern beziehungsweise den Bundestagsabgeordneten vor Ort erhoffe ich mir, dass sie das Geschehen moderieren.

Kühne: Da gebe ich Ihnen völlig recht. Die Politik ist gut beraten, diesen nicht ganz spannungsfreien Prozess gut zu begleiten. Sonst können die Modellprojekte schnell nach hinten losgehen und zu verhärteten Fronten führen. Eines muss aber klar sein: Es geht um den Patienten und nicht um die Verteilung irgendwelcher Claims. Sowas können wir uns bei der aktuellen Versorgungslage der Menschen nicht mehr leisten. Die Leistungserbringer müssen jetzt mit Respekt aneinanderrücken und ausloten, wie sie ihren gemeinsamen Auftrag bestmöglich erfüllen können. Da erwarte ich von allen Beteiligten den Mut, gemeinsam ein Modell zu entwickeln. Unsere Aufgabe als Politiker ist es, dafür zu sorgen, dass die Parteien friedvoll an einen Tisch kommen und auch friedvoll wieder auseinandergehen. Wenn wir dieses Spiel anpfeifen und die Apotheker mitziehen, werden wir die Spieler sicher nicht allein auf dem Feld lassen.

Müller: In Westfalen-Lippe sind wir derzeit im Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung, um zu schauen, wie wir den Ärzten ihre Ängste nehmen können. Dabei haben wir uns überlegt, zusätzlich zum Grippeimpfen ein Modell zu starten, bei dem der Apotheker anhand des Impfpasses den Impfstatus überprüft und den Patienten zum Auffrischen zum Arzt schickt. Das sollte mit einer wie auch immer ­gearteten Vorzugsbehandlung beim Arzt einhergehen. Denn oft fehlt den Leuten Zeit, wegen einer Impfung zum Arzt zu gehen und stundenlang im Wartezimmer zu sitzen. Diesen Faktor wollen wir aufweichen.

Kühne: Das ist eine richtig gute Idee. So eine Zusammenarbeit sollte in Zeiten der Digitalisierung kein Problem sein. Es ist doch grundsätzlich positiv, dass Apotheker impfen wollen und können. Jetzt müssen wir noch darüber sprechen, was die Bedenken der Ärzte sind und warum sie bei dem Thema die Krallen ausfahren. Niemand beginnt ein Studium der Pharmazie oder Medizin, um hinterher um Ressourcen zu kämpfen. Die klare Zielsetzung ist doch, den Menschen zu helfen.

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