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Phase-II-Studie

Monoklonaler Antikörper schützt vor Malaria-Infektion

CIS43LS ist ein monoklonaler Antikörper zum Schutz vor Malaria. In einer klinischen Phase I-Studie war bereits die Wirksamkeit des Antikörpers bei einer kontrollierten Infektion mit Plasmodium falciparum gezeigt worden. Jetzt wurden die Verträglichkeit und die Effizienz des Antikörpers als passive Immunisierung in Mali überprüft, wo Malaria endemisch ist.
Theo Dingermann
22.11.2022  07:00 Uhr

In einer klinischen Phase-II-Studien überprüften Dr. Kassoum Kayentao vom Malaria Research and Training Center der Universität von Bamako, Mali, und Kollegen bei gesunden erwachsenen Probanden während einer sechsmonatigen Malariasaison die Sicherheit und Wirksamkeit einer einzelnen intravenösen Infusion des monoklonalen Antikörpers CIS43LS. Die Ergebnisse dieser Studie erschienen jetzt im »New England Journal of Medicine« (NEJM). CIS43LS richtet sich gegen das Circumsporozoid-Protein (PfCSP), dass der Parasit als Sporozoid bei der Übertragung vom Moskito auf den Menschen exprimiert. Plasmodium falciparum braucht dieses Protein, um in die Leberzellen einwandern zu können.

Im ersten Teil der Studie stellten die Forschenden eine sichere Anwendung des monoklonalen Antikörpers für drei eskalierende Antikörper-Dosen sicher. Dazu wurden je sechs Probanden entweder 5 mg, 10 mg oder 40 mg CIS43LS pro Kilogramm intravenöser infundiert. Die innerhalb von sieben Tagen nach der CIS43LS-Verabreichung berichteten lokalen und systemischen unerwünschten Ereignisse wurden als nicht schwerwiegend eingestuft. Auch bis zum Ende des 24-wöchigen Studienzeitraums traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf. Zudem schlossen die Prüfärzte einen Zusammenhang der unerwünschten Ereignisse mit der Prüfmedikation aus.

Guter Schutz vor Infektion

Im zweiten Teil der Studie erhielten je 110 Probanden nach 1:1:1-Randomisierung, entweder eine Placebo-Infusion oder eine Infusion mit 10 mg oder 40 mg CIS43LS pro Kilogramm Körpergewicht. Als primärer Endpunkt wurde eine erstmals diagnostizierte P. falciparum-Infektion festgelegt, die bei Blutausstrichuntersuchungen nachgewiesen wurde, die mindestens alle zwei Wochen über einen Zeitraum von 24 Wochen durchgeführt wurden. Vor der ersten Wirkstoffgabe waren alle Teilnehmer mit Artemether-Lumefantrin behandelt worden, um eine möglicherweise bereits vorhandene Infektion mit P. falciparum zu stoppen.

Eine Infektion mit P. falciparum innerhalb des Untersuchungszeitraums wurde bei Blutausstrichuntersuchungen von 39 Teilnehmenden (35,5 Prozent) aus der Gruppe diagnostiziert, die CIS43LS in einer Dosis von die 10 mg CIS43LS pro Kilogramm Körpergewicht erhalten hatten. In der Gruppe, in der die Probanden 40 mg CIS43LS pro Kilogramm infundiert bekommen hatten, infizierten sich 20 Probanden (18,2 Prozent) innerhalb des Untersuchungszeitraums. Demgegenüber wurden unter den Probanden aus der Placebo-Gruppe 86 Infektionen (78,2 Prozent) diagnostiziert.

Aus diesen Daten leiten die Forschenden ab, dass nach sechs Monaten die Wirksamkeit einer Dosis von 40 mg pro Kilogramm CIS43LS im Vergleich zu einer Placebo-Gabe bei 88,2 Prozent und die Wirksamkeit einer Dosis von 10 mg pro Kilogramm CIS43LS bei 75,0 Prozent lag. Bei der hohen Dosis klagten die Probanden 3,3-mal häufiger über mäßige Kopfschmerzen als bei Gabe einer Placebo-Infusion.

Die Autoren schließen, dass eine einmalige Infusion von CIS43LS ohne offensichtliche Sicherheitsbedenken vor einer Infektion mit P. falciparum schützt, zumindest eine sechsmonatige Regensaison lang.

Intervention vor Ort nicht einfach umsetzbar

In einem Editorial zu der Publikation begrüßt Dr. Umberto D'Alessandro von der Abteilung des Medical Research Council in Gambia an der London School of Hygiene and Tropical Medicine in Banjul, Gambia, den in dieser Studie erbrachten Machbarkeitsnachweis, dass monoklonale Antikörper gegen P. falciparum über einen Zeitraum von mehreren Monaten vor einer Infektion schützen können. Allerdings sieht er substanzielle Schwierigkeiten, diese Option praktisch umzusetzen.

Zum einen ist unklar, welche Kosten eine solche Prophylaxe verursachen wird. Zum anderen wird es nicht leicht sein, eine einzelne intravenöse Infusion von 100 ml über einen Zeitraum von 30 Minuten in den Endemiegebieten breitflächig zu verabreichen. Daher wäre nach seiner Einschätzung die Entwicklung einer subkutanen Formulierung wünschenswert.

Zudem ziele der monoklonale Antikörper CIS43LS auf das gleiche Parasitenstadium ab, gegen das sich auch die Malaria-Impfstoffe RTS,S/AS01 und R21/Matrix-M richten. Letztere zeigen durchaus vielversprechende Wirksamkeitsdaten, so der Experte. Allerdings deutet sich an, dass die anfängliche Lieferung von RTS,S/AS01 wahrscheinlich nicht ausreichen wird, um den Bedarf zu decken, sodass durchaus Bedarf an alternativen Interventionsmöglichkeiten bestehe.

So könne ein monoklonaler Antikörper wie CIS43LS, eventuell in Kombination mit medikamentösen Interventionen wie eine saisonaler Malaria-Chemoprävention, sehr willkommen sein, kommentiert D'Alessandro.

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