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UK- und Südafrika-Varianten

Moderna-Impfstoff neutralisiert Coronavirus-Mutanten

Die Seren von Geimpften, die den Covid-19-Impfstoff von Moderna erhalten haben, können die SARS-CoV-2-Varianten aus England (B.1.1.7) und Südafrika (B.1.351) in vitro neutralisieren. Damit sollte der Impfstoff auch vor den neuen Virusstämmen schützen. Moderna arbeitet nun an Booster-Konzepten, auch speziell gegen B.1.351.
Daniela Hüttemann
25.01.2021  16:42 Uhr

Mit dem Auftauchen neuer Virusvarianten kamen gleichzeitig neue Fragen auf: Sind die Mutanten ansteckender? Lösen sie eine stärkere Covid-19-Erkrankung aus und sind gar tödlicher? Und schützen die gerade zugelassenen oder klinisch getesteten Impfstoffe vor ihnen?

Erste Daten lieferte Biontech Anfang Januar, am heutigen Montag teilte Moderna entsprechende Untersuchungsergebnisse per Pressemitteilung mit, die demnächst auf dem Preprint-Server BioRxiv erscheinen sollen. Demnach hat das US-Unternehmen In-vitro-Neutralisierungsstudien mit Seren von Personen, die mit dem Impfstoff COVID-19 Vaccine Moderna geimpft wurden, mit den mutierten Virusvarianten B.1.1.7 (erstmals in Großbritannien nachgewiesen) und B.1.351 (erstmals in Südafrika nachgewiesen) durchgeführt. Diese Varianten haben jeweils mehrere Mutationen im Spike-Protein, welches das Virus für den Eintritt in die menschlichen Zellen braucht und das als Antigen für vielen Impfstoffen verwendet wird.

Laut Moderna gab es keine signifikante Auswirkung auf die neutralisierenden Titer gegen die Variante B.1.1.7. Anders ausgedrückt: Die Reaktion war genauso gut wie gegen die ursprüngliche SARS-CoV-2-Variante. Bei der B.1.351-Variante dagegen beobachteten die Forschenden eine sechsfache Reduzierung der neutralisierenden Titer. Trotzdem habe der Titer weiterhin über den Werten gelegen, die als schützend gelten. Während Biontech dazu auch bereits beruhigende Daten aus Tierversuchen vorgelegt hat, fehlen diese noch bei Moderna. 

Booster-Impfung mit neuer mRNA-Variante

Dafür geht das US-Unternehmen gleich noch vorsorglich einen Schritt weiter und in die klinische Entwicklung, das heißt mit Untersuchungen an Menschen: Zum einen will es untersuchen, ob nach der Grundimmunisierung mit zwei Dosen mRNA-1273 noch eine zusätzliche Auffrischungsdosis (Booster) erfolgen sollte, um die Titer neutralisierender Antikörper noch weiter zu erhöhen.

Zum anderen will Moderna eine weitere mRNA-Variante als Booster-Dosis testen. Statt einer dritten Dosis der bereits zugelassenen COVID-19 Vaccine Moderna mit mRNA-1273 sollen Probanden dann eine Auffrischung mit einer modifizierten mRNA (mRNA-1273.351) erhalten. Demnächst soll eine entsprechende Phase-I-Studie in den USA starten.

»Die neuen Daten bestärken uns in unserer Annahme, dass der Covid-19-Impfstoff von Moderna vor diesen neu entdeckten Varianten schützt«, sagte Stéphane Bancel, Geschäftsführer von Moderna. Das Unternehmen wolle jedoch proaktiv handeln, solange sich das Virus weiterentwickle.

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