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Niedersachsen

Ministerin unterstützt Apotheken-Impfungen

Viel Medientrubel gab es gestern in der Torhaus-Apotheke in Hannover: Apothekeninhaberin Stephanie Schnare impft dort bereits seit zehn Tagen gegen Covid-19. Am Mittwoch hat sich dort aber die niedersächsische Gesundheitsministerin selbst ein Bild gemacht und sprach sich deutlich für das niederschwellige Angebot aus.
Daniela Hüttemann
17.02.2022  09:00 Uhr

Die regulären Kunden müssen sich an diesem Mittwochmittag ihren Weg durch Kamerateams bis zum HV bahnen, während TV- und Radio-Journalisten in den schmalen Gängen der Offizin Interviews mit Daniela Behrens (SPD), Niedersachsens Gesundheitsministerin, Cathrin Burs, Präsidentin der Apothekerkammer, sowie Berend Groeneveld, Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbands, führen.

Derweil nehmen sich die Impfgäste auf der quietschgrünen Couch der Offizin ganz in Ruhe die Zeit, den Aufklärungsbogen auszufüllen. Das Aufklärungsgespräch selbst erledigt Apothekerin Schnare lieber in Ruhe unter vier Augen im Beratungsraum. Bei der vorherigen Rekonstitution des Impfstoffs vor Eintreffen der Impflinge und beim eigentlichen Impfvorgang durften die Journalisten (einschließlich der PZ) dagegen dabei sein.

»Wo ist meine Liege?«, fragt Apothekerin Schnare kurz verblüfft, die vom Kamerateam kurzerhand für bessere Bilder hochkant hinter die Tür gestellt wurde. »Ohne Liege kann ich nicht impfen«, betont die Apothekerin. Ihr ist wichtig, dass die Journalisten das richtige Bild vom Impfen in der Apotheke bekommen. Geduldig und gut gelaunt stellt Schnare den Impfvorgang dann aber sogar noch einmal an ihrer Mitarbeiterin nach, damit alle zu ihren Bildern kommen. Auch Ministerin Behrens hat Zeit mitgebracht, um ausdrücklich für die Impfungen in der Apotheke zu werben.

»Apotheken sind hoch geschätzt in der Bevölkerung und wir brauchen mehr niederschwellige Impfangebote in einem Flächenland wie Niedersachsen«, erklärt die Ministerin vor den Kameras, wieso sie sich für das Impfen in der Apotheke einsetzt. Bedenken der Ärztevertreter könne sie nicht verstehen, schließlich werde in anderen Ländern der Welt ja schon lange in Apotheken geimpft. Sie selbst sei »leider« schon dreimal gegen Covid-19 geimpft, sonst hätte sie die Gelegenheit heute hier auch gern wahrgenommen – »aber gern beim nächsten Mal«, so Behrens.

Auf kritische Anmerkung einer Journalistin, dass bislang »nur« 85 Apotheken in Niedersachsen laut DAV-Portal die Impfung anbieten, erinnert Behrens daran, dass das Impfen in der Apotheke überhaupt erst vor wenigen Wochen beschlossen wurde. »Wir sind gerade erst am Anfang.«

Der Medienandrang ist groß, als die Ministerin in der Apotheke ankommt.
Apothekerin Stephanie Schnare zieht die Impfdosen auf, die sie heute für ihre zwölf Impflinge braucht.
Ministerin Behrens lässt sich zeigen, wie Schnare impft.
Mehreren Fernseh- und Radiosendern erklärt die Ministerin, warum sie das Impfen in der Apotheke für wichtig hält, um aus der Pandemie zu kommen.
Auch Kammerpräsidentin Cathrin Burs hat bereits die Schulung hinter sich – sowie mehr als 250 weitere Apothekerinnen und Apotheker in Niedersachsen.
Bereits in der Vorwoche zum offiziellen Impfstart war die Presse in der Torhaus-Apotheke mit dabei.

Apotheken werden bei nächster Impfwelle gebraucht

Mehr als 250 Apothekerinnen und Apotheker hätten seitdem die nötige Schulung absolviert. Bis Ende März sollen es 375 sein, ergänzt Kammerpräsidentin Cathrin Burs. Hinzu kommen etwa 500 Apotheker, die durch die Grippeschulung auch berechtigt sind, Erwachsene gegen Covid-19 zu impfen. Von derzeit 220 Offizinen lägen bereits die nötigen Selbstauskünfte für die Covid-19-Impfung bei der Kammer vor, sodass sich das Angebot rasch erweitern werde. »Ich war begeistert, wie viele Apotheken von Anfang an mitmachen wollten«, ergänzt LAV-Vorsitzende Berend Groeneveld.

Zwar sinke die Nachfrage nach der Covid-19-Impfung derzeit wieder. Behrens fürchtet jedoch weitere Virusmutationen und rechnet mit einer weiteren großen Impfwelle im kommenden Herbst. »Darauf müssen wir uns vorbereiten und werden froh sein, wenn wir möglichst viele Impfangebote haben«, so die Ministerin.

Burs ergänzt, dass zum Teil nun schon zweite Booster-Dosen für bestimmte Personen anstehen. Und man in den Apotheken auch noch einmal andere Zielgruppen erreichen könne, zum Beispiel diejenigen ohne festen Hausarzt oder Zögernde. »Aufklärung können wir ganz niederschwellig ohne Termin leisten«, ist die Kammerpräsidentin überzeugt. »Wir erhöhen gern die Impfquote gemeinsam mit den Ärzten.«

Impfen als Teamleistung

»Ich bin selbst überrascht, wie groß das Medieninteresse heute war«, sagt Schnare zur PZ. Zum offiziellen Impfstart am 8. Februar sei auch schon Presse in ihrer Apotheke gewesen – »aber hintereinander und nicht so viele Kameras«. Sie selbst habe sogar schon am Samstag zuvor, als die Anbindung an die Impfsurveillance stand, die ersten Termine ganz ohne Zuschauer durchgeführt. Daher sei die Aufregung heute auch nicht mehr allzu groß gewesen. Zudem nimmt sie am Grippeimpf-Modellprojekt teil und hat daher bereits Impferfahrung.

Gegen Covid-19 habe sie in den ersten zehn Tagen bereits etwa 50 Personen geimpft. »Bisher meist an meinen eigentlich freien Nachmittagen«, erklärt sie, aber man merkt ihr an, wie sehr sie hinter dieser Dienstleistung steht. »Es geht auch nur, weil ich ein super Team habe, dass die Termine managt und auch mal rekonstituiert«, betont die junge Apothekerin, die die Torhaus-Apotheke erst Anfang des Jahres von ihrer Mutter übernommen hat. Schmunzelnd meint sie: »So langsam könnte ich meinen ersten Urlaub gebrauchen.«

Zumindest ist in der Torhaus-Apotheke nach Abzug von Ministerin und Presse erst einmal wieder Ruhe eingekehrt. Der nächste Impfling sitzt bereits auf der grünen Couch.

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