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Bund setzt Programm fort

Millionenschwere Fördertöpfe bringen Covid-19-Forschung voran

Der Bund will die Entwicklung von neuen Covid-19-Medikamenten weiter vorantreiben. Dazu greift er erneut tief in die Tasche und stellt für die Förderung pharmazeutischer Unternehmen 300 Millionen Euro bereit. Schwerpunkt wird die späte klinische Phase sowie eine mögliche Markteinführung sein. Schon im Januar hatte der Bund 50 Millionen Euro an Fördergeldern für die frühe klinische Phase bereitgestellt. Aus diesem Topf dürfen sich acht Unternehmen bedienen.
Cornelia Dölger
14.05.2021  13:00 Uhr

Nach mehr als einem Jahr Pandemie und inzwischen merklichen Fortschritten in Sachen Impfung gibt es offenbar auch bei wirksamen Medikamenten gegen Covid-19 ein Licht am Ende des Tunnels. Erst vor wenigen Monaten stellte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) ein Förderprogramm des Bundes vor, dessen Ziel es war, die klinische Phase bei der Entwicklung von Therapien gegen Covid-19 zu unterstützen. Besonders dringend sei die Entwicklung maßgeschneiderter Wirkstoffe, hatte Karliczek damals betont. In dieser Woche teilte die Ministerin gemeinsam mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit, dass das Förderprogramm fortgesetzt werde.  Maßgeschneiderte Arzneien gegen Covid-19 waren darüber hinaus auch Thema beim  Webcast von Pharma4u und PZ Mitte dieser Woche. Darin prognostizierte der pharmazeutische Chemiker Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, dass erste passgenaue Wirkstoffe spätestens Ende des Jahres verfügbar sein könnten.

Schon länger hält der Bund Fördermittel für Forschung in diesem Bereich bereit. Seit dem Frühjahr 2020 habe das Bundesforschungsministerium die Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten unterstützt »und zu Beginn dieses Jahres die Unterstützung auf dem Gebiet auch auf die Prüfungen in den klinischen Testphasen I und II ausgeweitet«, erklärte Bundesforschungsministerin Karliczek in einem Pressestatement. »Ich freue mich daher, dass wir nun die Forschung und Entwicklung auch auf die finale Testphase und die Herstellungskapazitäten ausdehnen können.« Ziel sei, dass »damit wirksame und sichere Arzneimittel gegen Covid-19 möglichst rasch bei den Patientinnen und Patienten ankommen«.

Schwerpunkt des im Januar vorgestellten Förderprogramms war die frühe klinische Phase. Der Fördertopf des Bundes umfasst diesbezüglich 50 Millionen Euro. Pharmazeutische Unternehmen konnten sich bis Mitte Februar für eine entsprechende Förderung bewerben, inzwischen wurden für acht Bewerber »Förderempfehlungen ausgesprochen«, wie ein Sprecher des Bundesbildungsministeriums heute auf PZ-Nachfrage erklärte und wie die PZ kürzlich in einem Überblicksartikel vorgestellt hat. Eine internationale Expertenkommission hatte die Empfehlungen ausgesprochen, wie der Ministeriumssprecher sagte. Sie würden derzeit noch geprüft.

Förderanträge bis 25. Juni

Aufbauend auf dieses laufende Programm soll nun der Schwerpunkt des neuen Angebots auf die späte klinische Phase III sowie auf eine mögliche Markteinführung des Arzneimittels gelegt werden, heißt es von den Ministerien. Zudem würden Studien zur Anwendung von bereits bekannten Therapien gefördert. Unternehmen, die die Unterstützung in Anspruch nehmen möchten, können ihre Förderanträge ab sofort bis zum 25. Juni 2021 vorlegen. Spätestes Laufzeitende ist der 30. Juni 2023.

Adressat des Programms, das ein Volumen von 300 Millionen Euro umfasst, sollen laut Bundesgesundheitsminister Spahn vor allem kleine und mittelständische Biotech-Unternehmen sein. Diese sollten in der Entwicklung innovativer Corona-Medikamente unterstützt werden. »Corona wird nicht einfach verschwinden«, betonte Spahn. Auch wenn es gelinge, die Pandemie in den Griff zu bekommen, werde es auf längere Sicht Menschen geben, die schwer erkranken. »Das zu verhindern, ist Ziel dieses Förderprogramms«, so der Minister.

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