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BPhD Positionspapier

Mehr Praxisbezug, längere Studiendauer

Vergangenes Wochenende hat die 129. Mitgliederversammlung des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) stattgefunden. Gemeinsam erarbeitete der Verband unter anderem ein Positionspapier zur Neuerung des Studiums und der Approbationsordnung.
Michelle Haß
20.11.2020  10:00 Uhr

In dem neuen Positionspapier »Pharmaziestudium und Approbationsordnung für Apotheker« setzt sich der BPhD mit den Inhalten des Pharmaziestudiums auseinander und fasst seine Forderungen, die bei einer Novellierung der Approbationsordnung für Apotheker (AAppO) berücksichtigt werden sollen, zusammen. Bereits 2016 hatte der BPhD ein »Thesenpapier zur Bewertung und Überarbeitung der Approbationsordnung und Verbesserung des Pharmaziestudiums« veröffentlicht. Vier Jahre später zieht er Bilanz und kritisiert die bisherige Entwicklung: »Dabei muss leider festgestellt werden, dass sich – trotz diverser Veröffentlichungen unsererseits und anderer Verbände – wenig auf diesem Gebiet verändert hat«, heißt es in dem aktuellen Positionspapier. Zuletzt wurde die AAppO 2000 novelliert.

Neugewichtung der Fächer

Die Forderungen im Positionspapier des BPhD sind umfangreich und betreffen alle drei Abschnitte der pharmazeutischen Ausbildung. Ein Hauptmerkmal liegt auf der stärkeren Verknüpfung der einzelnen Studienfächer untereinander sowie einem größeren und praxisnähren Bezug zu pharmazeutischen Fragestellungen. »Pharmazie ist ein interdisziplinäres Fach, was sich ebenso in Lehre und Studium widerspiegeln muss«, heißt es in dem Positionspapier. Der Verband regt unter anderem an, im Hauptstudium eine themenbezogene Lehre einzuführen. Anhand eines festgesetzten Themenkomplexes könne beispielsweise für eine Woche jede Vorlesung ein Thema aufgreifen und sich damit aus dem jeweiligen Blickwinkel des Fachbereichs beschäftigen.

Außerdem sollen die einzelnen Stoffgebiete sowohl im Haupt- als auch im Grundstudium neu gewichtet werden. Der BPhD verlangt die Stunden im Hauptstudium gleichmäßig, das heißt jeweils 20 Prozent der Stunden, auf die Pharmazeutische Biologie, die Pharmazeutische und Medizinische Chemie, die Pharmakologie und Toxikologie, die Klinische Pharmazie und die Pharmazeutische Technologie zu verteilen. Zurzeit entfällt der Großteil des Gesamtstundenumfangs auf die Pharmazeutische und Medizinische Chemie. Im Grundstudium soll unter anderem die Arzneiformenlehre weiter ausgeweitet und auch im Ersten Abschnitt der Pharmazeutischen Ausbildung mit 40 von insgesamt 80 gestellten Fragen entsprechend berücksichtigt werden.

Mehr Zeit für neue Inhalte

Als naturwissenschaftliche Disziplin unterliege die Pharmazie zudem einem ständigen und rasanten Wissenszuwachs. Die Lehre werde deshalb zunehmend problem- und lösungsorientiert strukturiert, jedoch ohne der gesamten Stofffülle Rechnung tragen zu können, kritisiert der Verband. Um dennoch weiterhin alle Inhalte in ausreichendem Umfang und Intensität behandeln zu können, ist laut BPhD eine Ausweitung der Studienzeit auf zehn Semester dringend notwendig. Die Verlängerung soll vor allem zur Vertiefung und Ausweitung der Pharmakologie und Klinischen Pharmazie genutzt werden. Denn auch hier sieht der BPhD Nachholbedarf.

Die Klinische Pharmazie wurde im Jahr 2000 mit der letzten Novellierung der AAppO als neues Fach eingeführt. 20 Jahre danach sei an einigen Studienstandorten noch immer keine eigenständige Professur vorhanden und die Lehre auf das Engagement einzelner Apotheker angewiesen, kritisiert der BPhD. »Hier bedarf es dringend der sofortigen Schaffung und Besetzung der nötigen Lehrstühle für die Fächer Pharmakologie und insbesondere Klinische Pharmazie

Interprofessionelle Zusammenarbeit

Der Verband befürwortet außerdem eine interprofessionelle Verknüpfung verschiedener gesundheitsbezogener Studiengänge. Dafür fordert er die Universitäten auf, Modellprojekte für eine interprofessionelle Lehre zu etablieren und sich darüber in regelmäßigen Abständen untereinander auszutauschen. Die Landesregierungen sieht der BPhD in der Pflicht, solche Projekte für interprofessionelle Lehre finanziell zu fördern. Ergänzend heißt es: »Es kann nur im Interesse des Verordnungsgebers liegen, die Vernetzung und das gegenseitige Verständnis der verschiedenen gesundheitsbezogenen Professionen zu fördern. Ein verbessertes gegenseitiges Verständnis kann das Fehlerrisiko verringern, die Therapiesicherheit für den Patienten und die Kosteneffizienz einer Therapie erhöhen.«

Apotheker beim Impfen einbinden

Neben der Verabschiedung des neuen Positionspapiers standen noch andere Themen auf dem Programm der Bundesverbandstagung. So wurde vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie eine Aktualisierung des Positionspapiers »Impfen« vom November 2019 beschlossen, die eine Einbindung der Apotheker bei der Pandemiebewältigung fordert. Die Mitgliederversammlung bestätigte außerdem die aktuellen Positionierungen der internationalen Dachverbände, darunter ein Positionspapier zu »Resistenzen gegen Antimikrobiell wirksame Substanzen« der International Pharmaceutical Students Federation IPSF.

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