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Notdienst

Mehr als 40 Kilometer bis zur nächsten Offizin

Eigentlich sollen Patienten möglichst schnell und unkompliziert zur nächsten Notdienstapotheke kommen. In manchen Regionen müssen sie allerdings sehr weite Wege auf sich nehmen. Das zeigt eine Analyse, die der Allgemeine deutsche Automobil-Club (ADAC) aufgesetzt hat. Demnach sind Strecken von mehr als 20 Kilometern schon lange keine Ausnahme mehr. 
Stephanie Schersch
30.09.2021  19:22 Uhr

Notfälle halten sich selten an die allgemeinen Öffnungszeiten. Wie gut, dass Apotheken bundesweit auch nachts und an Feiertagen erreichbar sind. Zum Teil allerdings müssen Patienten weite Wege zurücklegen, um zur nächsten Offizin zu gelangen. Das trifft besonders auf dünn besiedelten Regionen im Osten Deutschlands zu, wie der ADAC im Rahmen einer Stichprobe festgestellt hat. 

Für seine Analyse hat der Verband knapp 300 Orte mit weniger als 5000 Einwohnern in den 10 Bundesländern mit den meisten strukturschwachen Gemeinden unter die Lupe genommen und an drei Tagen die Routen von zentral gelegenen Orten zur nächsten Notdienstapotheke gemessen. Das Ergebnis: 14 Kilometer mussten die Prüfer im Schnitt zurücklegen. Allerdings gab es erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Während Patienten in Rheinland-Pfalz die nächste Offizin nach durchschnittlich 11,8 Kilometern erreichen konnten, waren es in Bayern 11,9 Kilometer und in Baden-Württemberg 12,4 Kilometer. Am weitesten hatten es die Bürger in Brandenburg (19,4 Kilometer) und Mecklenburg-Vorpommern (19,6 Kilometer). 

Satte 40 Kilometer in Mecklenburg-Vorpommern

Im Nordosten der Republik stellte die Gemeinde Gager auf der Insel Rügen (Mecklenburg-Vorpommern) den Negativrekord auf. Satte 40,4 Kilometer lagen dort an einem der Erhebungstage zwischen Wohnort und Apotheke. Aber auch im brandenburgischen Schwielochsee, in Poppenbüll (Schleswig-Holstein) und in Werben/Elbe (Sachsen-Anhalt) kam der ADAC auf mehr als 30 Kilometer Entfernung. 

Welche Wege zur Notdienstapotheke den Patienten zumutbar sind, steht immer wieder zur Diskussion. Die Apothekerkammern der Bundesländer legen dabei zum Teil unterschiedliche Kriterien fest. In Bayern etwa gelten 15 Kilometer gerade noch als akzeptabel.  Im Rahmen der ADAC-Analyse waren die meisten Wege (30 Prozent)  zwischen 10 und 15 Kilometer lang, in einem knappen Fünftel (23 Prozent) der Fälle mussten die Patienten 15 bis 20 Kilometer zurücklegen.  Lediglich 8 Prozent der Routen waren kürzer als 5 Kilometer, ganze 20 Prozent lagen hingegen über der 20-Kilometer-Marke. 

In strukturschwachen Regionen ist die Organisation der Apotheken-Notdienste nicht selten eine Herausforderung. So müssen die vergleichsweise wenigen Offizinen auf dem Land deutlich häufiger in der Nacht und an Feiertagen öffnen als die  Betriebe in der Stadt. Seit 2013 gibt es die Notdienstpauschale, die Apotheken  für jeden einzelnen Dienst zusteht. Davon sollen vor allem Landapotheken profitieren. 

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