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Interprofessionelle Lehre

Medizinstudierende im Apothekenalltag

Wie der Arbeitsalltag in einer öffentlichen Apotheke aussieht, konnten Anfang November zwei Medizinstudierende im Rahmen ihrer Ausbildung an der Universität Magdeburg erleben. Besonderes Augenmerk lag dabei auf Herausforderungen der Polypharmazie bei Menschen fortgeschrittenen Alters.
PZ
10.11.2021  13:00 Uhr

Im neunten Semester steht für Medizinstudierende der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg die »Medizin des Alterns und des alten Menschen« auf dem Lehrplan. In dieser Patientengruppe spielt oft Polypharmazie eine große Rolle. Damit die angehenden Mediziner erkunden können, wie Arzt und Apotheker zur Versorgung älterer Patienten im Berufsalltag besser miteinander kommunizieren könnten, organisiert der Apothekeninhaber und Vizepräsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt (AKSA), Dr. Lars Alexander Mohrenweiser, gemeinsam mit dem Institut für Allgemeinmedizin der Universität insgesamt elf Besuche mit jeweils zwei Studierenden in drei Magdeburger Apotheken. Das berichtete kürzlich die AKSA.

Am 2. November waren die Studierenden Vivien Reifurth und Ben Schlenker an der Reihe und hospitierten in der Apotheke von Mohrenweiser, der Sonnen-Apotheke in Magdeburg. Dabei verdeutlichte der Apotheker, weshalb eine intensive Kommunikation von Arzt und Apotheker so wichtig für die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) ist.

Es komme recht häufig vor, dass Patienten mehrere Arzneimittel gleichzeitig einnehmen, berichtete Mohrenweiser aus der Praxis. Teilweise lösten sie dazu auch mehrere Rezepte auf einmal ein. Das könne den Vorteil haben, dass Wechselwirkungen für pharmazeutisches Personal leichter zu erkennen und abzuklären seien. Ganz besonders gelte das, wenn die Patienten keinen aktiv gemanagten Medikationsplan besäßen beziehungsweise keine Kundenkarte hätten.

Intensive Kommunikation

Es sei erstrebenswert, dass Arzt und Apotheker immer auf dem neuesten Stand darüber seien, welche Arzneimittel ihr Patient einnehme, so der Apotheker. Denn müssten Patienten mehrere Arzneimittel einnehmen und würden diese von unterschiedlichen Ärzten verschrieben, seien Wechsel- und Nebenwirkungen nicht auszuschließen. Auch kauften sich Patienten oft rezeptfreie Arzneimittel in der Apotheke, die die Dauermedikation beeinflussen können. Die Dokumentation in einem Medikationsplan sei daher wünschenswert.

Über diesen verfügten aber leider bisher nur wenige Patienten, bedauerte der Apotheker. Um trotzdem einen Überblick über die gesamte Medikation eines Patienten zu bekommen, behelfen sich daher viele Apotheken mit einer Kundenkarte, auf der alle verordneten und gekauften Arzneimittel gespeichert werden, erklärte er. »Nur mit einem aktuellen Medikationsplan beziehungsweise einer Kundenkarte können wir unsere Patienten bei der Abgabe eines verordneten Präparates richtig beraten, das zur Medikation passende freiverkäufliche Arzneimittel finden sowie Wechselwirkungen erkennen und verhindern.«

Neue Eindrücke

Der angehende Arzt und die angehende Ärztin hätten bei ihrer Hospitation viele neue Eindrücke gesammelt, heißt es seitens der AKSA. »Mir war gar nicht bewusst, wie viele Arzneimittel für die Patienten noch direkt in der Rezeptur der Apotheke angefertigt werden. Oder welche Schwierigkeiten in der Versorgung durch die zahlreichen Lieferengpässe entstehen«, sagte demnach Schlenker. Reifurth ergänzte, ihr sei neu gewesen, wie häufig es durch wechselnde Rabattvertragspartner der Krankenkassen zu Umstellungen in der Medikation komme.

»Jede Umstellung oder jedes neue Arzneimittel stellt den älteren Patienten vor große Probleme. Darum ist die Kommunikation in der Apotheke ganz wichtig. Bei Problemen halten wir dann für unsere Patienten häufig Rücksprache mit den behandelnden Ärzten, um die beste Arzneimittelversorgung zu sichern«, betonte Mohrenweiser abschließend.

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