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Schulstart in Corona-Zeiten

Masken für Schüler ab Klasse 5 empfohlen

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfiehlt, dass an Deutschlands Schulen von der fünften Klasse an auch im Unterricht Maske getragen wird. Die einzelnen Bundesländer haben bislang durchaus unterschiedliche Regelungen.
PZ
dpa
06.08.2020  12:48 Uhr

Ältere Schülerinnen und Schüler sollten auch in den Klassenräumen einen Mund-Nase-Schutz aufsetzen, wenn nicht ausreichend Abstand möglich sei, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme. Darüber hinaus sprachen sich die Wissenschaftler dafür aus, «überall, wo dies umsetzbar ist», kleine feste Kontaktgruppen einzurichten.

An der Stellungnahme der Leopoldina wirkten 24 Professorinnen und Professoren mit, darunter der Charité-Virologe Christian Drosten und der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. In dem Papier wird auch prominent auf ethische Aspekte eingegangen. «Das Recht auf Bildung ist ein Menschenrecht», heißt es gleich im ersten Satz. Dass Schulen oder Kitas ganz geschlossen werden, müsse möglichst verhindert werden. Abstands- und Hygieneregeln seien ebenso wie häufiges Lüften wesentlich. Auch eine «systematische Teststrategie» wird empfohlen. Sobald jemand Symptome zeige, sollte getestet werden. Zudem müssten Präsenz- und Distanzunterricht stärker verzahnt werden. Zuhause könnten Eltern die Ausbildung lediglich unterstützen. Dafür seien mehr digitale Möglichkeiten und eine gute kommunikative Begleitung wesentlich. Als Beispiele werden Sprechstunden und Coachings für Eltern genannt.

Mehrere Bundesländer haben angesichts des bevorstehenden oder bereits erfolgten Schulstarts bereits eine Maskenpflicht beschlossen. Diese gilt aber nicht immer im Unterricht. Mecklenburg-Vorpommern ist am Montag als erstes Bundesland ins neue Schuljahr gestartet. Hamburg folgte am Donnerstag. In der Woche darauf geht es in Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein los. Trotz Corona sollen die Schulen nach den Ferien zurück in den Regelbetrieb. Das hatten die Länder vereinbart. Ein Blick auf die bisherigen Planungen:

Baden Württemberg (Schuljahr beginnt am 14. September)

Der Unterricht soll in möglichst festen Gruppen ablaufen, sodass sich die Schüler möglichst wenig durchmischen. Auf dem Schulgelände und in Gebäuden der weiterführenden Schulen soll zudem eine Maskenpflicht gelten – nicht aber im Unterricht. Eltern, die nicht wollen, dass ihr Kind am Präsenzunterricht teilnimmt, können dies der Schule formlos melden. Dann müssen die Kinder aber aus der Ferne mitlernen.

Alle Mitarbeiter an Schulen und Kitas können sich von Mitte August bis Ende September zwei Mal kostenfrei und freiwillig auf das Coronavirus testen lassen. Schwerpunkt im neuen Schuljahr solle es sein, Inhalte zu wiederholen und zu vertiefen, sagt Bildungsministerin Susanne Eisenmann (CDU).

Bayern (Schuljahr beginnt am 8. September)

In Bayern gilt im neuen Schuljahr eine Maskenpflicht an Schulen – auch an Grundschulen. Der Mund-Nasen-Schutz soll bis zum Platz im Klassenzimmer getragen werden. Je nach Entwicklung der Corona-Pandemie sei regional auch eine Maskenpflicht während des Unterrichts möglich, sagt Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Für die Schulen wurde ein entsprechender Vier-Stufen-Plan entwickelt.

Die Hygieneregeln werden je nach Infektionsgeschehen stufenweise verschärft bis hin zum Distanzunterricht zu Hause. Der Freistaat will zudem auch Lehrkräfte ohne Lehramtsstudium einsetzen, um Stammlehrkräfte, die zur Risikogruppe gehören und nicht an die Schule können, zu unterstützen. Für Lehrer sollen zu Beginn des Schuljahres einmalige Reihentests angeboten werden.

Berlin (Schuljahr beginnt am 10. August)

In der Hauptstadt ist wieder «durchgehender Unterricht» in «vollem Umfang» für alle geplant. Die Lehrer sollen zu Beginn den Lernstand der Schüler überprüfen und dann entsprechende Konzepte zur Unterrichtsgestaltung und eventuelle Fördermaßnahmen festlegen. Sport-, Musik- und Theaterunterricht darf wieder stattfinden. Gemeinsames Singen in geschlossenen Räumen ist nicht gestattet.

Körperkontakt soll vermieden werden. Im Schulgebäude gilt auf Fluren, in Aufenthalts- und Gemeinschaftsräumen oder der Toilette Maskenpflicht. In Unterrichtsräumen, auf dem Pausenhof oder im Hort soll diese Verpflichtung nicht gelten.

Brandenburg (Schuljahr beginnt am 10. August)

Auch in Brandenburg müssen Schüler und Lehrer künftig Masken zum Schutz vor dem Coronavirus tragen. Die Pflicht soll für Flure, Gänge, Treppenhäuser und Aulen sowie beim Anstehen in der Mensa gelten. Alle Lehrer können sich in der Zeit zwischen Anfang August und Ende November sechs Mal auf Kosten des Landes freiwillig auf das Coronavirus testen lassen. Dagegen ist nur eine einmalige Test-Stichprobe bei einem Prozent der Schüler (also bei 2900) vorgesehen.

Sollte es zu einem Corona-Ausbruch kommen, sollen die Schüler möglichst nur einzelne Klassen in den Heimunterricht geschickt werden. Es soll nicht gleich die ganze Schule geschlossen werden. Bis zum Ende des ersten Halbjahres sollen für alle Schüler mobile Endgeräte zur Verfügung stehen.

Bremen (Schuljahr beginnt am 27. August)

Das kleinste Bundesland hat ein «Rahmenkonzept Schuljahr 2020/2021» aufgestellt und will damit «möglichst viel Normalität und einen Regelbetrieb unter den Auflagen des Hygieneplans erreichen». Leitmotiv aller Entscheidungen sei das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung und Teilhabe. Vorgesehen sind «möglichst feste Klassenteams».

Falls es pandemiebedingt doch zu Einschränkungen des Schulbetriebs kommen sollte, sollen Grundschüler und Schüler, die zu Hause keine oder nur eingeschränkte Möglichkeiten zum selbstständigen Lernen haben, bevorzugt mit Präsenzzeiten versorgt werden.

Hamburg (Schuljahr beginnt am 6. August)

Kurz vor dem Beginn des Schuljahres wurde für die Schulen der Hansestadt eine Maskenpflicht verfügt. Der Mund-Nasen-Schutz muss demnach mit Betreten des Schulgeländes getragen werden. Nur im Unterricht darf er abgelegt werden. Ausgenommen von den Regelungen sind Grundschüler.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) verteidigte wenige Tage vor dem Schulstart den geplanten Vollbetrieb gegen Kritik von besorgten Eltern und Gewerkschaften. In dieser Situation sei es sehr vertretbar, jetzt mit dem Schulunterricht wieder zu beginnen. Alle Hamburger Lehrer und anderen Beschäftigten der Schulen können sich mehrfach kostenlos auf Corona testen lassen.

Hessen (Schuljahr beginnt am 17. August)

In Hessen wird der Mindestabstand in den Klassenräumen und beim Sportunterricht aufgehoben, er besteht jedoch weiterhin beispielsweise bei Konferenzen. Im Musikunterricht ist gemeinsames Singen und Musizieren mit Blasinstrumenten nur im Freien erlaubt. Die Schulleitung kann für die Zeiten außerhalb des Präsenzunterrichts im Klassen- oder Kursverband das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung anordnen. Jede Lehrkraft kann sich bis zu den Herbstferien alle 14 Tage kostenlos auf Corona testen lassen.

Mecklenburg-Vorpommern (Schuljahr beginnt am 3. August)

Als erstes Bundesland ist Mecklenburg-Vorpommern am 3. August zurück in den regulären Schulbetrieb gestartet. Das Bildungsministerium hat die Schüler jahrgangsmäßig in Gruppen eingeteilt. So bleiben beispielsweise die Jahrgangsstufen 1 bis 4 oder 7 und 8 unter sich. «Die verschiedenen definierten Gruppen sollen sich einander nicht bzw. möglichst nur unter Einhaltung des Mindestabstandes von 1,5 m begegnen», lautet die Anweisung.

Einen Tag nach Schulbeginn wurde nachträglich eine Maskenpflicht für Lehrer und Schüler ab der fünften Klasse auf dem Schulgelände, nicht aber im Unterricht beschlossen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es kostenlose Corona-Tests für Lehrer und Kita-Personal. Möglich sind bis zu den Herbstferien fünf Tests pro Person im Abstand von zwei Wochen.

Niedersachsen (Schuljahr beginnt am 27. August)

Niedersachsen will nach Angaben des Kultusministeriums ein Maximum an Bildung und Betreuung anbieten. Das Land starte nach den Sommerferien an den Schulen einen eingeschränkten Regelbetrieb mit möglichst festen Lerngruppen, sagte Kultusstaatssekretärin Gaby Willamowius am 4. August in Hannover.

Für das neue Schuljahr wurden (je nach Infektionslage) drei Szenarien entwickelt. Im Moment wird vom «eingeschränkten Regelbetrieb» ausgegangen - laut Tonne «Schule wie immer» mit «ein paar Sonderregelungen». Das heißt, dass auf das Abstandsgebot verzichtet wird, es aber feste Lerngruppen geben soll. Masken sollen auf den Fluren getragen werden.

Nordrhein-Westfalen (Schuljahr beginnt am 12. August)

Im bevölkerungsreichsten Bundesland mit seinen 5500 Schulen und rund 2,5 Millionen Schülern gelten die vorerst strengsten Regeln: Im neuen Schuljahr muss an allen weiterführenden und berufsbildenden Schulen auch im Unterricht eine Maske getragen werden – das gilt zunächst zum 31. August. Soweit Lehrkräfte den empfohlenen Mindestabstand von 1,5 Metern nicht sicherstellen können, gilt die Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung auch für sie.

An Grundschulen müssen die Jahrgänge 1 bis 4 im Schulgebäude und auf dem Gelände einen Mund-Nasen-Schutz tragen – nicht aber, wenn die Schüler auf ihren festen Plätzen im Unterricht sitzen. Die Beschäftigten von Schulen und Kitas in NRW können sich bis zu den Herbstferien alle 14 Tage freiwillig und kostenlos auf Corona testen lassen.

Rheinland-Pfalz (Schuljahr beginnt am 17. August)

Der für das neue Schuljahr weiterentwickelte Hygieneplan sieht kein Abstandsgebot mehr vor. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) plant je nach Entwicklung der Corona-Infektionen mit zwei weiteren Szenarien: Das bisherige Nebeneinander von Präsenz- und Fernunterricht sowie temporäre Schulschließungen bei einem größeren Ausbruch.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hatte den Zeitungen der Funke Mediengruppe gesagt: «Wenn es zu einem Infektionsfall kommt, werden alle anderen in Quarantäne geschickt und es wird umfassend getestet - und die Schule im Zweifel temporär geschlossen.» Das Vorgehen sei mit Gewerkschaften, Lehrerverbänden, Eltern- und Schülervertretern besprochen.

Saarland (Schuljahr beginnt am 17. August)

Der Unterricht soll in festen Gruppen innerhalb eines Jahrgangs stattfinden, «um eine Durchmischung mit den anderen Jahrgängen nach Möglichkeit zu vermeiden». Ziel sei es, dass bei Infektionsfällen für die nicht betroffenen Personen der Präsenzunterricht weiterlaufen könne.

Im Hygieneplan des Landes für die Schulen wird außerdem empfohlen, Musikunterricht (wenn gesungen wird) bei gutem Wetter im Freien abzuhalten. Schüler, die zur Risikogruppe gehören, können mit ärztlichem Attest vom Schulbesuch befreit werden, müssen aber an Prüfungen teilnehmen. Dafür stellen die Schulen separate Räume zur Verfügung.

Sachsen (Schuljahr beginnt am 31. August)

«Die Schülerinnen und Schüler werden wie gewohnt in ihren Klassen und Kursen nach den geltenden Stundentafeln und Lehrplänen unterrichtet», hat Kultusminister Christian Piwarz (CDU) für Sachsen angekündigt.

Der Mindestabstand von 1,50 Metern gilt nicht mehr. Die Schulleitungen können selbst festlegen, wann und wo eine Maske zu tragen ist. Wer die Schule betritt, muss sich die Hände waschen oder desinfizieren. Täglich wird dokumentiert, wer in der Schule war, um Infektionsketten nachvollziehen zu können.

Sachsen-Anhalt (Schuljahr beginnt am 27. August)

In Sachsen-Anhalt gilt die Anweisung, dass alle Schulen sich auf die Rückkehr in den Regelbetrieb vorbereiten sollen. Das Bildungsministerium weist aber auch darauf hin, dass die Gesundheitsbehörden weiterhin lokale Schulschließungen vornehmen könnten. Daher seien die Schulen gehalten, sich auch auf eine teilweise oder vollständige Abkehr vom Regelbetrieb einzustellen, «um kurzfristig wieder Distanzunterricht anbieten zu können».

Die konkreten Planungen für den Schulalltag laufen, ein aktualisierter Hygieneplan soll noch vorgelegt werden. Das Ministerium geht grundsätzlich davon aus, «dass das gesamte pädagogische Personal im Regelbetrieb eingesetzt werden kann». Das Bildungsministerium empfiehlt zudem «allen schulischen Akteuren» die Nutzung der Corona-Warn-App.

Schleswig-Holstein (Schuljahr beginnt am 10. August)

Auch in Schleswig-Holstein ist eine Aufteilung der Schüler in feste Großgruppen nach Jahrgangsstufe geplant. Innerhalb der Jahrgänge fällt die Abstandsregel, dafür sollen Kontakte zwischen den Jahrgängen möglichst vermieden werden. Im Infektionsfall soll dann nur die entsprechende Kohorte in Quarantäne geschickt werden, ohne dass die ganze Schule zugemacht werden muss. Großflächige Corona-Tests für Lehrer sind im Norden nicht geplant.

Das Bildungsministerium in Kiel empfiehlt dringend, zunächst in den ersten zwei Wochen in den Schulen eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, auch während des Unterrichts. Die Jahrgangsstufen eins bis sechs sind davon ausgenommen. Eine Maskenpflicht in der Schule wird aber als nicht verhältnismäßig und nicht verfassungskonform abgelehnt.

Thüringen (Schuljahr beginnt am 31. August)

Thüringen hat für die Schulen ein Ampel-Konzept mit abgestuften Sicherheitsmaßnahmen vorgelegt: Grün bedeutet Normalbetrieb, Gelb eingeschränkter Regelbetrieb, wenn beispielsweise ein Infektionsfall an der Schule auftritt, die Kontaktpersonen aber bekannt sind und nach Hause geschickt werden können. Bei Gelb werden die Infektionsschutzmaßnahmen an der Schule verschärft.

Wenn der Kontakt nicht nachzuvollziehen ist, tritt Stufe Rot in Kraft und es kann zu einer vorübergehenden Schulschließung kommen. In den Schulen muss überall dort eine Maske getragen werden, wo nötige Abstände zwischen Schülern nicht eingehalten werden kann, nicht aber im Unterricht, so Bildungsminister Helmut Holter (Linke). Klassenfahrten sollen wieder möglich sein. Ab Mitte August sind freiwillige, kostenlose Corona-Tests für Lehrer geplant.

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